Niger

Malaria: 735.000 Kinder in der Sahelzone präventiv behandelt

Ärzte ohne Grenzen hat 735.000 Kinder in Ländern der afrikanischen Sahelzone (Niger, Mali und Tschad) präventiv gegen Malaria behandelt. Die Ergebnisse sind extrem vielversprechend und zeigen, dass das Ausmaß der Malaria verringert werden kann. Um so viele Kinder wie möglich in abgelegenen Gebieten zu erreichen, wurden die lokalen Gemeinden aktiv in den Prozess mit einbezogen. Um auch andere Erkrankungen zu bekämpfen, die insbesondere für die Jüngsten lebensgefährlich sind, untersucht Ärzte ohne Grenzen Kinder auf Symptome von Mangelernährung und führt Impfungen durch.

Eine Mutter aus dem Bezirk Bouza im südlichen Niger erzählt, dass das Oberhaupt ihrer lokalen Gemeinde sie ermutigte, sich an Ärzte ohne Grenzen zu wenden. Dort behandelt die Organisation Kinder unter fünf Jahren präventiv gegen Malaria. "Im vergangenen Jahr litten meine Kinder sehr unter der Malaria. Ein Kind war so krank, dass es in Krankenhaus musste. Aber dieses Jahr geht es ihnen allen gut."

"In diesem Jahr haben wir mehr als doppelt so viele Kinder behandelt als im letztem Jahr und konnten in viel mehr Regionen tätig werden", sagt Alena Koscalova, Epidemiologin und Beraterin für das Malaria-Präventionsprogramm der Organisation im Niger. In den Monaten Juli, August und September wurden 735.000 Kinder im Alter von drei Monaten bis fünf Jahren behandelt: 80.000 im Tschad, über 175.000 in Mali und mehr als 480.000 in Niger. Die Kinder müssen die Kombinations-Medikamente monatlich in 3 Dosen nehmen - von Juli bis Oktober, wenn in der Regenzeit das Risiko einer Übertragung am höchsten ist.

„Mit der Kombination von Medikamenten in der Therapie wurde deutlich, dass das Risiko sinkt, eine Resistenz gegenüber der Behandlung zu entwickeln",  sagt Cristian Casademont,  Gesundheitsberater von Ärzte ohne Grenzen . Jüngste Studien zeigen, dass durch die präventive Methode die Anzahl der Fälle von einfacher und schwerer Malaria gesunken ist und dass deutlich weniger Kinder mit Fieber ins Krankenhaus eingewiesen wurden.

4.000 lokale Gesundheitsberater trainiert und unterwegs

Eine Malaria-Präventionskampagne von diesem Ausmaß "ist logistisch und medizinisch eine große Herausforderung, auch für die betroffenen Gemeinden", sagt Adolphe Mausid, eine Krankenschwester aus dem Projekt von Ärzte ohne Grenzen in Bouza, Niger. „Dass sich die Gesundheitsbehörden und die lokale Verwaltung beteiligt haben, war fundamental. Ohne sie wäre es nicht möglich gewesen. Sie haben uns geholfen, näher an die Gemeinden heranzukommen und Akzeptanz zu gewinnen "

Ärzte ohne Grenzen hat mehr als 4.000 kommunale Gesundheitsvermittler trainiert und eingesetzt. Sie ermutigten Eltern in den Dörfern, mit ihren Kindern zu den Verteilstellen zu gehen, die in Gesundheitszentren und in den Häusern der Dorfvorsteher aufgebaut waren. Die Medikamente wurden auch von Tür-zu-Tür ausgegeben, sodass insgesamt die Mehrheit der Kinder in den Zielgebieten behandelt werden konnte. Die Kinder bekommen die erste Dosis sofort. Den Eltern wird das weitere Verfahren erklärt. "In diesem Jahr haben wir große Fortschritte bei den praktischen Einführungen gemacht", sagt Alena Koscalova, Epidemiologin für das Programm der Organisation im Niger. „Mehr Mütter nahmen teil. Es ist sehr wichtig, dass sie das Programm gut kennen und seine Bedeutung schätzen. Das hat sich als effektive und sichere Strategie erwiesen", erklärt sie.

23 Millionen Kinder in der Sahelzone sind durch Malaria gefährdet

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die präventive Behandlung in der Malariasaison für Kinder von drei bis 59 Monate in diesem Gebiet empfohlen. Rund 23 Millionen Kinder in der Sahelzone sind jährlich gefährdet zu erkranken. Die Präventionsmaßnahme ist mittlerweile Bestandteil der Programme gegen die Malaria in verschiedenen Staaten Westafrikas geworden (Burkina Faso, Mali, Niger, Gambia, Ghana, Guinea-Bissau, Guinea, Nigeria, Senegal, Tschad und Togo). Malaria und Mangelernährung treten häufig gleichzeitig auf - mit tödlicher Wirkung. Darum untersucht Ärzte ohne Grenzen sehr systematisch, ob Kinder mangelernährt sind. Sie werden entsprechend behandelt und auch gegen andere Erkrankungen geimpft. So versucht die Organisation, die Wirkung der Präventionsmaßnahme zu erhöhen und die Kindersterblichkeit zu senken.

Im Niger gehört zur präventiven Malariabehandlung von Kindern zwischen sechs und 24 Monaten auch eine Beikost für den unmittelbaren Verbrauch. "In Tschad und Niger wollen wir die Gesundheit der Kinder verbessern. Wir haben präventiv gegen Malaria behandelt und gegen verschiedene Erkrankungen geimpft: Polio, Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Hepatitis B und Influenza ", ergänzt Estrella Lasry, Tropenmedizinerin von Ärzte ohne Grenzen . Gleichzeitig verteilten die Teams auch Moskitonetze, die mit Insektiziden behandelt wurden. Das ist ein wichtiges Instrument, vor allem für Kindern und schwangere Frauen - die beiden am stärksten gefährdeten Gruppen.

Malaria wird durch infizierte Anopheles-Mücken übertragen. Symptome sind Fieber, Gelenkschmerzen, Erbrechen, Übelkeit, Krämpfe und, in extremen Fällen, Koma. Die schwerste Form der Malaria wird in den meisten Fällen durch den Parasiten Plasmodium falciparum verursacht. Wenn die Malaria nicht behandelt wird, verursacht sie Organschäden und kann schließlich zum Tod führen. Ärzte ohne Grenzen führte bereits 2012 Malariaprävention in Tschad und Mali durch und im folgenden Jahr auch in Niger. In allen Projekten weltweit wurden im Jahr 2013 insgesamt 1.871.200 Malaria-Patienten behandelt.

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