Malawi

Malawi: HIV-Betroffene erzählen

Malawi hat eine der höchsten HIV/AIDS-Raten der Welt. 10,6 Prozent der Bevölkerung zwischen 15 und 49 Jahren sind von der Krankheit betroffen. HIV/AIDS ist die Haupttodesursache in der Bevölkerungsschicht, die eigentlich die produktivste des Landes sein sollte. Die Epidemie ist auch die Haupttodesursache unter den Erwachsenen und reduziert die Lebenserwartung auf nur 43 Jahre. Der Hauptanteil der Neuinfektionen betrifft vor allem Jugendliche, wobei die Rate der Frauen höher liegt, als die der Männer.

Im Jahr 1997 startete Ärzte ohne Grenzen seine Programme in der ländlichen Gegend rund um Chiradzulu – im Süden des Landes, der Heimat von über 290.000 Menschen. Die HIV-Rate in dieser Gegend liegt bei 17,5 Prozent bei Frauen und 11 Prozent bei Männern, insgesamt sind rund 14,5 Prozent der Menschen zwischen 15 und 49 Jahren betroffen. 2001 begann Ärzte ohne Grenzen die Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten (ARVs) im lokalen Krankenhaus, wobei anfangs vor allem schwer Kranke und Patienten deren Leben bedroht war, behandelt wurden. Der erste Patient erhielt diese neue Therapie im August 2001.

Esnart ist seit 2001 Patientin von Ärzte ohne Grenzen, jetzt arbeitet sie als Sozialarbeiterin für die Organisation:

„Als ich herausfand, dass mein verstorbener Ehemann HIV-positiv war, weinte ich. Wenn mein Ehemann HIV hatte, bedeutete das, dass ich auch HIV-positiv war. Meine Kinder hatten die Schule noch nicht abgeschlossen. Das Jüngste war sieben Jahre alt. Wie würde ich mich um sie kümmern können? Ich dachte, ich würde bald sterben und ich würde meine Kinder verlassen müssen. Sogar meine eigenen Eltern und meine eigenen Verwandten begannen, mich zu diskriminieren. Leute gaben mir verschiedene Namen: ‚AK 47’. Bin ich eine Waffe? Warum? ‚Oh, sie ist bereits tot. Wie ein Gift.’ Es war eine Zeit, die ich niemals vergessen werde.“

Owen ist seit 2011 Patient von Ärzte ohne Grenzen:

„Nachdem meine Frau und ich begonnen hatten ARVs (Antiretrovirale Medikamente) zu nehmen, starb unser erstes Kind. Wir fragten die Mediziner von Ärzte ohne Grenzen über ihr Programm zur Verhinderung der Übertragung auf das ungeborene Kind. Meine Frau gebar einen Sohn. Heute ist er am Leben. Wir waren so glücklich, dass wir beschlossen, ein zweites Kind zu haben, ein Mädchen. Wir haben diese zwei Kinder, beide HIV negativ. Wir sind alle gesund und glücklich.“

Fred Minandi ist seit 2001 Patient von Ärzte ohne Grenzen, jetzt arbeitet er als Berater von Betroffenen bei Ärzte ohne Grenzen:

„Ich bin 53 Jahre alt. Ich war einer der ersten Patienten, die in das ARV-Programm im August 2001 aufgenommen wurden. Seit damals hat sich meine Gesundheit wesentlich verbessert. Im Jahr 2000 konnte ich nicht mehr arbeiten, weil ich krank war. Aber seit ich angefangen habe die Medikamente zu nehmen, hat sich die Krankheit zurückgezogen. Ich habe wieder begonnen zu arbeiten. Mein Leben ist wieder normal geworden.“

Im Rahmen der 14. Internationalen Aidskonferenz in Barcelona hielt Fred Minandi folgende Rede:„Ich habe Glück gehabt, ein Patient von Ärzte ohne Grenzen zu sein. Ich bin einer der Ersten in Malawi, die in den Genuss der Gratisbehandlung gekommen sind, und wenn ich heute hier bin und zu Ihnen spreche, dann nur weil ich eine Behandlung bekomme. Manche von Ihnen werden sagen, dass Afrikaner Medikamente nicht richtig nehmen können, weil sie die Zeit nicht richtig lesen können. Ich habe keine Uhr, aber ich kann Ihnen sagen, dass seit ich meine Therapie begonnen habe, ich noch keine einzelne Dosis vergessen habe einzunehmen.Heute hängt mein Leben komplett von den Medikamenten ab, und ich werde nicht das Risiko eingehen, darauf zu vergessen. Mein Leben ist wichtig – nicht nur für mich – sondern für meine Familie, meine Freunde und das ganze Land.“

Bericht "10 Years That Changed My Life" zum Download

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