Pakistan

Massive Vertreibungen durch Gewalt in der nordwestlichen Grenzprovinz

2,1 Millionen Menschen sind laut offizieller Angaben vor der neuerlichen Gewalt in der nordwestlichen Grenzprovinz Pakistans (NWFP) geflohen. Die Mehrheit hat bei Gastfamilien in der Region Zuflucht gefunden, hauptsächlich im Distrikt Mardan. Die Situation ist für die Vertriebenen und Einheimischen nach wie vor bedenklich, da die vorhandenen Mittel für Neuankömmlinge nicht ausreichen. Ärzte ohne Grenzen unterstützt das Gesundheitsministerium, um die steigenden Bedürfnisse zu erfüllen.

Es wird geschätzt, dass mehr als 80 Prozent der Vertriebenen außerhalb der offiziellen Vertriebenenlager leben. Sie wohnen bei Gastfamilien oder haben sich behelfsmäßige Lager in Schulen, Moscheen oder nicht bewohnten Gebäuden eingerichtet, die von den Gemeinden zur Verfügung gestellt wurden. Einige Haushalte beherbergen bis zu 50 Vertriebene.

"Wir konzentrieren uns auf die Regionen, in denen viele Vertriebene zusammenkommen, da wir nicht die Möglichkeit haben, uns um die Vertriebenen an allen Orten zu kümmern", sagte Eymeric Laurent-Gascoin, Projektkoordinator von Ärzte ohne Grenzen in der Stadt Peshawar.

Die Zahl der Patienten, die Nothilfe benötigt, steigt in den Krankenhäusern in der Region stetig an. Ärzte ohne Grenzen errichtet weitere Unfallstationen und stationäre Unterbringungsmöglichkeiten und verbessert das Aufnahmesystem der Gesundheitsstrukturen in den Distrikten Mardan, Lower Dir und Malakand.

Mardan

Teams von Ärzte ohne Grenzen haben im medizinischen Zentrum des Ortes Mardan Anfang Juni eine 40-Betten Station eingerichtet. Mitarbeiter arbeiten außerdem auf der Unfallstation. Darüber hinaus unterstützt die Organisation im Ort Takht Bhai im Distrikt Mardan die Unfallstation eines ländlichen Gesundheitszentrums. Krankenwagen von Ärzte ohne Grenzen transportieren die schweren Fälle in die Krankenhäuser, in denen Mitarbeiter der Organisation tätig sind.

Lower Dir

Ärzte ohne Grenzen leistet im Krankenhaus im Ort Timurgara im Distrikt Lower Dir Nothilfe. Jede Woche werden durchschnittlich 700 Patienten auf der Unfallstation behandelt. Vom 7. Mai bis 7. Juni kamen mehr als 120 Patienten mit Verletzungen, die durch Gewalt verursacht wurden, in das Krankenhaus. Die Frauen und Kinder kamen meist aus dem Swat-Tal. Außerdem unterstützt die Organisation zwei weitere Unfallstationen in den Orten Sammer Bagh und Munda mit 350 bis zu 400 Patienten pro Woche.

Malakand

Im benachbarten Distrikt Malakand unterstützt Ärzte ohne Grenzen im Krankenhaus im Ort Dargai eine Station mit 40 Betten, die Unfall- und Entbindungsstation und die chirurgische Abteilung. Die Mitarbeiter führen 100 Operationen pro Monat durch und betreuen 35 Geburten pro Woche.

Sicherheitssituation führt zu Einschränkungen

"Wir sind stark durch die Sicherheitssituation eingeschränkt", erklärte Eymeric. "Eigentlich müssten wir mit mobilen Kliniken rausgehen, um herauszufinden, welche Bedürfnisse bestehen und die Menschen zu behandeln. Wir können die Zahl der Mitarbeiter aber nicht erhöhen, außerdem können wir uns in diesem brisanten Umfeld nicht frei bewegen."

Die Risiken von Epidemien nehmen mit der wachsenden Bevölkerungsdichte, steigenden Temperaturen und schlechtem Zugang zur Gesundheitsversorgung zu, vor allem in den ländlichen Gegenden, in denen es kaum funktionierende Gesundheitszentren gibt. Offizielle Zahlen besagen, dass unter den mehr als 2 Millionen Vertriebenen 60.000 schwangere Frauen sind. Ärzte ohne Grenzen leistet in zwei Vertriebenenlagern und 14 weiteren Orten, in denen Vertriebene leben, Schwangerschafts- und Geburtenhilfe. Die Mitarbeiter führen in den Distrikten Mardan, Lower Dir, Peshawar, Charsadda und Mansehra jede Woche bis zu 3.200 Behandlungen durch.

Ärzte ohne Grenzen verteilt in den Distrikten Mardan, Peshawar und Lower Dir Gebrauchsgegenstände wie Zelte, Matratzen, Decken, Hygieneboxen und Kochutensilien. Die Organisation stellt darüber hinaus in drei Lagern in Lower Dir und Mardan Unterkünfte, Gebrauchsgegenstände, sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen für 11.000 Menschen zur Verfügung. Ärzte ohne Grenzen hat außerdem Projekte in Belutschistan, Kurram Agency und dem Distrikt Mansehra.

Ärzte ohne Grenzen akzeptiert für die Projekte in Pakistan keine Spenden von Regierungen und Geberinstitutionen. Die Projekte werden ausschließlich durch private Spenden finanziert.

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