Sri Lanka

Medizinische Hilfe für Vertriebene unter Einschränkungen

Das srilankische Gesundheitsministerium hat ein System eingerichtet, um die Verletzten in den Lagern im Norden Sri Lankas zu behandeln. Die Bedürfnisse der Vertriebenen sind aber nach dem offiziellen Ende der Kämpfe immer noch immens und erfordern zusätzliche medizinische Hilfe. Ärzte ohne Grenzen hat die Kapazitäten, die Aktivitäten in den Vertriebenenlagern auszuweiten - dazu sind aber Genehmigungen durch die Behörden notwendig.

Für die 220.000 Vertriebenen, die in Manik Farm in der Nähe der Stadt Vavuniya im Norden Sri Lankas leben, ist das aufblasbare Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen derzeit die am nahesten gelegene medizinische Einrichtung. Zu der Klinik gehören zwei Operationssäle und eine Intensivstation, sechs weitere Zelte dienen der stationären Betreuung. Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen behandeln Patienten, die während der Kämpfe verletzt wurden, zudem an Leukämie und schweren Atemwegsinfektionen erkrankte Menschen. Außerdem sehen sie viele Fälle von Dehydration.

Operationen von Gewaltverletzungen

Die Chirurgen der Organisation führen täglich zwischen sechs und zehn chirurgische Eingriffe durch. Die Menschen haben Schuss- und Unfallwunden oder sind von Granaten getroffen worden. Um Amputationen zu vermeiden, entfernen die Chirurgen totes und infiziertes Gewebe - wenn nötig, oft mehrmals. "Wir haben viele Verletzte, die bisher nur dürftig behandelt wurden", sagt Mike D. Newman, Chirurg von Ärzte ohne Grenzen. "Für einige Patienten kommt die Hilfe erst nach Wochen, für andere sogar erst nach Monaten."

Selva und Dilan - stellvertretend für Hunderte Patienten

Eine Frau mit einer Bandage um den Kopf liegt in dem vollen Zelt und wartet auf ihre Behandlung. Selva wurde am 19. Mai in der ehemaligen Konfliktzone in der Region Vanni verletzt. Ihr Ehemann und ihre Tochter sind ebenfalls verletzt. Sie haben Stofffetzen um ihre Wunden gebunden, um die Blutung zu stoppen. Sie haben es geschafft, den Checkpoint Omanthai zu überqueren und somit die ehemalige Konfliktzone zu verlassen. Die Armeeangehörigen am Checkpoint rieten ihnen, in die nahe gelegene Klinik zu gehen, aber Selva weigerte sich. Sie hatte Angst, dass ihre Familie in der Zwischenzeit mit einem Bus zum Lager gebracht würde. Zwei Tage später kamen sie gemeinsam im Lager Manik Farm an, in dem sie medizinische Hilfe suchten. Es dauerte zwei weitere Tage, bis sich ein Arzt  um sie kümmerte und in das Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen überwies. Ihre Wunden waren zu dem Zeitpunkt bereits infiziert.

Im Nachbarbett liegt ein 18-jähriger Junge mit mehreren Verletzungen: Drei Monate alte Schusswunden im Arm und in der Schulter und einen eine Woche alten Granatsplitter im Knie. Dilan lief zwei Tage lang mit einem selbstgemachten Verband, bevor er im Lager Manik Farm ankam. Er ging unter großen Schmerzen in das Krankenhaus im Lager, in dem der Verband gewechselt wurde und er Medikamente bekommen hat. In den nächsten drei Tagen bekam er allerdings keine Nachsorge. Die Medikamente haben nur die Schmerzen  gelindert, aber nicht die Infektion verhindert. Dilan kam acht Tage nachdem er die Verletzung erhalten hat, endlich in das Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen, in dem er die nötige medizinische Hilfe erhielt.

Es gibt wahrscheinlich Hunderte Patienten, die keine angemessene medizinische Versorgung erhalten. Die Ärzte des Gesundheitsministeriums tun ihr Bestes, um die vielen Patienten zu behandeln. Die Bedürfnisse verlangen aber einen Tag- und Nacht Dienst, um die nötigen Behandlungen zu gewährleisten. Ärzte ohne Grenzen verhandelt noch immer mit den Behörden, um endlich die nötige medizinische Hilfe  für die Vertriebenen im Lager Manik Farm auszuweiten zu können.

Teilen

Vervielfältigen