Demokratische Republik Kongo

Notlage in der Demokratischen Republik Kongo: Ärzte ohne Grenzen kämpft gegen Malaria

Mehrere Regionen der Provinz Orientale im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo sind von einer explosionsartigen Zunahme der Malariafälle betroffen. Ärzte ohne Grenzen hat deshalb Anfang Juni ein Notfallteam in den Gesundheitsbezirk Ganga-Dingila entsandt. In diesem Gebiet leben etwa 118.000 Menschen an abgelegenen und schwer zugänglichen Orten ohne Zugang zu Behandlung.

„Sie kann nicht sprechen, sie ist zu traurig… Ihre Kinder sind tot“, erklärt ein Nachbar von Jeanne, einer jungen Mutter. Zwei kleine, mit frischer Erde bedeckte Särge liegen vor ihrem Haus an der Straße von Dingila, dem Hauptort des Distrikts, die nach Zobia führt. In diesem kleinen Dorf sind in den letzten fünf Monaten 18 Menschen gestorben, die meisten davon Kinder. Die Malaria ist in diesem Distrikt endemisch, hatte jedoch im letzten Jahr keine Toten gefordert.

Starker Anstieg der Fälle

Seit Anfang dieses Jahres sind die Malariafälle mit schwerer Anämie in Ganga-Dingila ungewöhnlich stark angestiegen und die Sterblichkeitsraten außergewöhnlich hoch. „Die Bevölkerung sagt, dass sie noch nie eine ähnliche Situation erlebt hat. Manche Eltern haben in wenigen Wochen zwei, drei Kinder verloren“, erklärt Dr. Narcisse Wega, Nothilfekoordinator von Ärzte ohne Grenzen, der seit seiner Ankunft im Juni die medizinischen Aktivitäten leitet.

Die Situation führt dazu, dass sich in den Dörfern Verzweiflung breitmacht. „Wir können dieses Phänomen noch nicht eindeutig erklären, aber es scheint sich auch auf andere Regionen der Provinz auszudehnen. Wir untersuchen es zurzeit“, sagt Dr. Mathieu Bichet, medizinischer Verantwortlicher in Genf. „Schon jetzt ist jedoch klar, dass das Problem dadurch verschärft wird, dass die Bevölkerung kaum Zugang zu medizinischer Versorgung hat und ein Mangel an Medikamenten besteht.“

Alle Ressourcen nötig

Seit Anfang Juni bietet Ärzte ohne Grenzen alle zur Verfügung stehenden Ressourcen auf, um die Kranken in diesem Gesundheitsbezirk kostenlos behandeln zu können. Dazu werden Behandlungseinheiten und Stationen für Intensivpflege errichtet, die Gesundheitsstrukturen mit Medikamenten versorgt und Transfers von schwer kranken Patienten in Spitäler organisiert. Zudem schult Ärzte ohne Grenzen das staatliche Gesundheitspersonal im Umgang mit einer besonders effizienten Behandlung gegen Malaria: Dabei werden schweren Fällen Präparate auf Basis von Artemisinin intravenös verabreicht, was insbesondere bei Kindern eine Genesung innerhalb von wenigen Tagen ermöglicht.

Als einzige medizinische Organisation in diesem Gebiet arbeitet Ärzte ohne Grenzen mit dem Gesundheitsministerium zusammen. Die Organisation bemüht sich, die Behandlung auch in den entlegensten Dörfern zugänglich zu machen, damit den Patienten Anreisen von über 60 Kilometern erspart bleiben. Denn je später die Behandlung beginnt, desto größer ist das Risiko für die Kranken, dass sich schwere medizinische Komplikationen entwickeln. Auch das Risiko, an der Krankheit zu sterben, nimmt zu.

Versorgung abgelegener Gebiete

Logistikteams von Ärzte ohne Grenzen haben Brücken und eine Landepiste wieder instand gesetzt, damit die Gesundheitsstrukturen regelmäßig per Motorrad oder Flugzeug beliefert werden können. „Die Bedürfnisse sind enorm. Zobia ist so abgelegen, dass die Versorgung extrem schwierig ist. Die Motorräder sind mehr als sechs Stunden auf engen, kurvigen Wegen und über baufällige Brücken unterwegs, nur um kleinste Mengen an Medikamenten zu befördern“, erklärt Gilles Koukpo, verantwortlicher Arzt der Malariaeinheit in Zobia.

Seit Juni ist die Sterblichkeit in den von Ärzte ohne Grenzen unterstützten Gesundheitsstrukturen auf der Achse Zobia-Dingila stark rückläufig. Die Organisation ist jedoch weiterhin sehr besorgt über die Situation in anderen entlegenen Gemeinden.

Ausbreitung muss verhindert werden

Anfang Juli hat Ärzte ohne Grenzen von anderen in Orientale tätigen Hilfsorganisationen Unterstützung angefordert, damit die Ausbreitung der Krankheit unter Kontrolle gebracht werden kann. Dabei geht es insbesondere um präventive Maßnahmen. „Im Moment haben wir nicht die Kapazität, mit Insektiziden imprägnierte Moskitonetze umfangreich zu verteilen. Dabei sind diese Netze ein gutes Mittel, um die Übertragung der Krankheit zu bekämpfen. Wir müssen alle Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen, einsetzen, um möglichst viele Menschen zu behandeln. Aber dazu braucht es auch die aktive Mithilfe von anderen Organisationen“, schließt Dr. Bichet.

Vom 20. Juni bis zum 20. Juli 2012 hat Ärzte ohne Grenzen im Gesundheitsbezirk Ganga-Dingila mehr als 7.000 Personen ambulant behandelt. Über 740 Patienten wurden hospitalisiert, mehr als 180 davon erhielten Transfusionen wegen schwerer Anämie. 2011 behandelte Ärzte ohne Grenzen im ganzen Land über 158.000 Menschen, die an Malaria erkrankt waren.

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