Pakistan

Pakistan: Unterstützung von Vertriebenen in Kurram Agency

Ärzte ohne Grenzen hat während der vergangenen Wochen in der Region Kurram Agency in den föderal regierten Stammesgebieten in Pakistan (FATA) an 35.000 Vertriebene Hilfsgüter verteilt. Im zentralen Kurram Agency wütet seit November 2009 ein intensiver bewaffneter Konflikt. Als Konsequenz hat die lokale Bevölkerung in sicheren Orten Schutz gesucht, hauptsächlich in der Region Lower Kurram, in der Ärzte ohne Grenzen seit dem Jahr 2006 die Krankenhäuser in den Orten Sadda und Alizai unterstützt.

"Es sind etwa 35.000 Menschen aus dem zentralen Gebiet in Kurram Agency geflohen. Sie haben sich um die Stadt Sadda versammelt", erklärt Tommaso Fabbri, Projektkoordinator von Ärzte ohne Grenzen. "Die meisten der vertriebenen Frauen, Kinder und Männer haben bei Gastfamilien Zuflucht gefunden, die ebenfalls unter schwierigen Lebensbedingungen leben und die Neuankömmlinge nicht lange versorgen können", erklärt Fabbri. "Andere haben Häuser gemietet oder sind in Schulen untergekommen, einige von ihnen leben in Siedlungen, die früher von afghanischen Flüchtlingen bewohnt wurden. Ihre Lebensbedingungen sind sehr schlecht, hinzu kommt der Stress durch die anhaltenden Kämpfe."

Kämpfe in der Nähe von Sadda

Die Teams von Ärzte ohne Grenzen haben in und um Sadda wie auch in Alizai in neun Tagen Hilfsgüter an 3.400 vertriebene Familien verteilt. Außerdem haben schwangere und stillende Frauen kalorien- und vitaminreiche Biscuits bekommen. "Die eigentliche Herausforderung war für uns, eine effiziente Verteilung zu organisieren, da die Ausgangssperre in der Region die Mobilität unserer Teams stark eingeschränkt hat", fügt der Projektkoordinator hinzu. "Unser Team musste unter sehr spannungsgeladenen Umständen arbeiten, und wir mussten die Verteilung für einige Tage aufgrund der Kämpfe in der Nähe von Sadda unterbrechen."

Die meisten der Vertriebenen, die in dieser Zone leben, sehen kein Ende für die schwierige Situation, da die Kämpfe in ihren Dörfern weitergehen. Der Bedarf nach Unterstützung, hauptsächlich in Bezug auf Nahrung, ist weiterhin akut. "Die Lage in ihren Dörfern bleibt unsicher", sagt ein Mitarbeiter. "Sie haben uns gesagt, dass einige Familienmitglieder in den Dörfern bleiben, um sich um die Häuser zu kümmern, und dass sie keinen Kontakt zu ihnen haben."

Hilfe für die pakistanische Bevölkerung und afghanische Flüchtlinge

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit dem Jahr 2004 in der Region Kurram Agency und ist die einzige internationale Organisation, die ohne Unterbrechung kostenlose medizinische Hilfe anbietet. Die Organisation behandelt Kinder ambulant und bietet in den Krankenhäusern in Sadda und Alizai Geburtshilfe an. Aufgrund des großen Zustroms der Vertriebenen ist die Zahl der kinderärztlichen Behandlungen signifikant gestiegen. Heute werden 1.200 Behandlungen pro Woche durchgeführt, früher waren es 1.200 pro Monat. Um die Kapazität ausweiten zu können, sind zwei zusätzliche Ärzte in Sadda angekommen, weitere medizinische Mitarbeiter werden in den kommenden Wochen folgen. Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen versorgen auch die vertriebenen Familien, die aus den Regionen Kurram Agency, Peshawar und Charsadda kommen.

Ärzte ohne Grenzen leistet seit dem Jahr 1998 medizinische Hilfe für die pakistanische Bevölkerung und die afghanischen Flüchtlinge, die unter bewaffneten Konflikten, dem mangelnden Zugang zu medizinischer Versorgung und Naturkatastrophen leiden. Die Organisation arbeitet derzeit in der nordwestlichen Grenzprovinz (NWFP), den FATA und der Region Belutschistan. Ärzte ohne Grenzen finanziert die Projekte ausschließlich mit privaten Spenden. Die Organisation akzeptiert für die Arbeit in Pakistan keine institutionellen Gelder.

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