Mangelernährung

Wenn Menschen über einen längeren Zeitraum nicht genug Nahrung haben oder bei der Ernährung wichtige Nährstoffe fehlen, entsteht Mangelernährung.

Kinder unter fünf Jahren wachsen schnell und benötigen mehr und vielfältigere Nährstoffe als ältere Kinder und Erwachsene. Für sie ist Mangelernährung besonders folgenschwer: Sie wachsen und entwickeln sich nicht mehr normal, sind anfälliger für Krankheiten und verlieren ihren Appetit. Ihr Leben gerät rasch in Gefahr.

Mangelernährung entsteht häufig, wenn der Zugang zu Nahrung unzureichend oder nicht vorhanden ist. Dies ist zum Beispiel bei bewaffneten Konflikten oder bei Ernteausfällen und Dürre der Fall. Das kritische Alter für Mangelernährung liegt zwischen sechs Monaten – ab dem Zeitpunkt stillen viele Mütter nicht mehr ausschließlich, sondern füttern zu – und zwei Jahren. Ebenso gefährdet sind Kinder unter fünf Jahren, Jugendliche, Schwangere oder stillende Frauen, Ältere und chronisch Kranke.

Mangelernährung bei Kindern kann auf zweierlei Weise festgestellt werden: Entweder werden Gewicht und Größe ermittelt und in Zusammenhang gesetzt, oder es wird der Umfang des mittleren Oberarms gemessen. Dafür wird ein "MUAC-Band" verwendet (engl. für "Middle Upper Arm Circumference"). Je nach Ergebnis erhalten die mangelernährten Kinder die Diagnose moderate oder schwere Mangelernährung.

Ärzte ohne Grenzen verwendet therapeutische Fertignahrung, um Mangelernährung zu behandeln. Sie enthält angereichertes Milchpulver und alle Nährstoffe, die ein mangelernährtes Kind benötigt, um die Mangelerscheinungen umzukehren und wieder an Gewicht zuzulegen. Diese Fertignahrung ist lange haltbar und benötigt keine weitere Zubereitung. Die Produkte sind in jeder Umgebung anwendbar und ermöglichen, dass die Patienten und Patientinnen zuhause behandelt werden – es sei denn, sie entwickeln schwere Folgeerkrankungen. Mangelernährte Kinder, die zusätzlich krank sind und zu schwach, selbst zu essen, werden stationär behandelt. In Ernährungszentren bekommen sie rund um die Uhr kleine Mengen Spezialnahrung, um sich wieder an den Verdauungsprozess zu gewöhnen.

Wenn die Gefahr besteht, dass es zu einer schweren Mangelernährung kommen könnte, handelt Ärzte ohne Grenzen vorbeugend. Gefährdete Kinder erhalten zusätzliche Nahrung. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass sich der Zustand der Kinder weiter verschlechtert. Zusätzlich zur therapeutischen Nahrung werden die Kinder gegen Masern geimpft, wenn nötig entwurmt und andere Erkrankungen wie Durchfall, Malaria und Lungenentzündung behandelt.

Ärzte ohne Grenzen nahm im Jahr 2015 insgesamt 181.600 mangelernährte Patienten und Patientinnen in stationäre oder ambulante Ernährungsprogramme auf.

Meldungen zum Thema Mangelernährung

D. R. Kongo

Die Vertriebenen in den Siedlungen von Kalemie in der Demokratischen Republik Kongo sind weitgehend von der Gesundheitsversorgung abgeschnitten. Sie benötigen dringend mehr humanitäre Hilfe.

weiterlesen

Seiten

Teilen

Vervielfältigen