Hintergrund zur Kampagne "Leistbare Medikamente"- Bezahlbarer Impfstoff für jedes Kind

Die Pharmaunternehmen Pfizer und GlaxoSmithKline (GSK) produzieren zwei entscheidende, lebensrettende Impfstoffe gegen Lungenentzündung. Viele Leben konnten durch diese Impfstoffe gerettet werden. Doch immer noch sterben jedes Jahr nahezu eine Million Kinder an Lungenentzündung.

Tatsächlich sind weltweit weiterhin 75 Prozent aller Kinder ungeschützt gegen diese häufigste infektiöse Ursache von Kindersterblichkeit.

Preise für Impfstoffe müssen gesenkt werden

Nur ungefähr für die Hälfte aller Länder war es bisher möglich, die von Pfizer und GSK produzierten Impfstoffe gegen Lungenentzündung, bekannt als Pneumokokken-Konjugatimpfstoff (PCV), zu verwenden. Ein Haupthindernis ist der hohe Preis.

Selbst wenn man den niedrigsten Preis für den  PCV-Impfstoff nimmt, kostet es heute 68 Mal mehr, ein Kind in einem Entwicklungsland vollständig zu immunisieren, als noch im Jahr 2001. Für knapp die Hälfte dieser Kostenzunahme ist allein der hohe Preis des Pneumokokken-Impfstoffes verantwortlich. Dies bedeutet, dass es sich eine wachsende Zahl von Entwicklungsländern nicht mehr leisten kann, den Impfstoff zu erwerben, um damit Kinder gegen Lungenentzündung zu schützen – eine Krankheit, die für die meisten Tode bei Kindern weltweit verantwortlich ist.

Umsatzerlöse in Höhe von 28 Milliarden US-Dollar

Pfizer und GSK haben nach eigenen Angaben mit ihren Pneumokokken-Impfstoffen weltweite Umsatzerlöse in Höhe von zusammengenommen mehr als 28 Milliarden US-Dollar erzielt. Das ist nahezu die dreifache Summe des gesamten Budgets, das die globale Impfallianz GAVI in einem Zeitraum von 20 Jahren einsetzt, um den etwa 60 ärmsten Ländern der Welt zehn verschiedene Impfstoffe zur Verfügung zu stellen.

Auch Ärzte ohne Grenzen musste mit großen Schwierigkeiten kämpfen, um längerfristig  bezahlbaren Zugang zu dem Pneumokokken-Impfstoff zu erhalten und so einige der weltweit am wenigsten geschützten Kinder in humanitären Krisen zu impfen.

Unnötiger Verlust von Leben

Der niedrigste Preis für den Pneumokokken-Impfstoff liegt bei knapp 10 US-Dollar pro Kind und ist lediglich für die ärmsten Länder verfügbar. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Preise durch Wettbewerb unausweichlich sinken. Ein Hersteller in Indien entwickelt derzeitig einen Pneumokokken-Impfstoff mit der Zusicherung, ihn für 6 US-Dollar pro Kind zu verkaufen. Jedoch wird dieser erst 2019 verfügbar sein. Bis dahin könnten bis zu 4 Millionen Kinder sterben, weil sie nicht gegen Lungenentzündung geimpft werden konnten. Ein kostengünstigerer Pneumokokken-Impfstoff könnte helfen, diesen unnötigen Verlust von Leben zu verringern – warum also warten und die Preise nicht jetzt senken?

Bitte setzen Sie sich mit uns dafür ein, das Leben von Kindern über größere Verkaufsgewinne zu stellen. Viele Kinder bleiben heute leider ohne Schutz – in Ländern wie Indonesien, Irak, Jordanien, Libanon, Rumänien, Syrien oder Thailand und in vielen anderen. Alle 35 Sekunden stirbt ein Kind an Lungenentzündung.

Es ist Zeit, den Preis der Pneumokokken-Impfstoffe auf fünf US-Dollar pro Kind für alle Entwicklungsländer und humanitären Hilfsorganisationen zu senken, sodass mehr Leben gerettet werden können.

400.000 Menschen unterschrieben Petition für bezahlbaren Impfstoff

Am 27.April 2016, einen Tag vor der jährlichen Aktionärsversammlung des Pharmaunternehmens Pfizer übergab Ärzte ohne Grenzen dem Unternehmen in New York eine Petition für bezahlbare Impfstoffe, die von knapp 400.000 Menschen weltweit unterzeichnet wurde. Aus Österreich kamen rund 7.000 der Unterschriften.

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