Katharina Rodriguez Chavez

Ärztin

Kurzprofil

Wie es ist, unter schwierigen Umständen zu arbeiten, hat die junge Allgemeinmedizinerin Katharina Resch 2005 in den USA kennengelernt. Während ihrer Famulatur im Charity Hospital in New Orleans erlebte die Niederösterreicherin die Auswirkungen des Hurrikans Katrina, der große Teile des Südens des Landes verwüstete und enormen Schaden anrichtete.

Die sportliche Ärztin, die auch als freiwillige Helferin beim Roten Kreuz tätig ist, hat sich für einen Einsatz mit Ärzte ohne Grenzen entschieden, weil sie dort helfen will, wo ihre Hilfe am nötigsten gebraucht wird, nämlich in den krisengeschüttelten Ländern des Südens.

Wie hat das Umfeld auf deine Entscheidung, auf Einsatz zu gehen, reagiert?
Meine Familie war bestimmt besorgt, alle haben sich aber sehr bemüht, das nicht zu zeigen und mich bei meiner Entscheidung zu unterstützen.  Meine Freunde haben sehr viel Anteil an meinem Vorhaben gezeigt und mich mit zahllosen praktischen Dingen – angefangen von Lesestoff über Schokolade und herzliche Briefe – versorgt, die mir das Leben auf Einsatz definitiv leichter gemacht haben. Die größte Ehre für mich war, dass eine Freundin mich als Patentante für ihren Sohn ausgewählt hat, weil sie mich als großes Vorbild bezeichnet hat. Das macht mich noch heute stolz. 

Was war deine Aufgabe im Einsatz?
Ich hatte in Nigeria und in Haiti die medizinische Leitung in einem Cholera-Behandlungszentrum inne. Im Nordirak habe ich maßgeblich mitgeholfen, die Gesundheitsversorgung in einem Lager für syrische Flüchtlinge aufzubauen und zu leiten.

Was war dein schönstes Erlebnis im Feld?
Im Flüchtlingslager in Dohuk im Irak gab es sehr viel Schnee. Eine Frau flüchtete mit ihren vier kleinen Kindern zu uns ins Gesundheitszentrum, weil ihr Zelt unter der Last des Schnees zusammengebrochen war. Unsere syrischen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die alle selbst im Flüchtlingslager lebten, huschten schnell in ihre eigenen Zelte – und im Handumdrehen hatten alle fünf trockene Kleider an und einen warmen Tee in der Hand. So geht Nachbarschaftshilfe!

Was war das Schwierigste, woran du dich gewöhnen musstest? 
An das Zusammenleben im Team mit fremden Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern. Da tauchen Probleme auf wie in jeder beliebigen Studenten-WG. Man muss dann auch immer wieder am Zusammenleben arbeiten – und an sich selbst.

Was vermisst du, wenn du auf Einsatz bist?
Butterbrot - und einfach bei der Haustür raus zu spazieren und sich überall frei bewegen zu können. In vielen Einsätzen gibt es strenge Sicherheitsvorkehrungen und wir dürfen unsere Unterkünfte/Arbeitsplätze nicht einfach zu Fuß verlassen bzw. ist das oft aufgrund der Gegebenheiten meist nicht möglich.
 
Hattest du eine Lieblingsspeise?
In Haiti gab es jeden Tag sehr trocken gebratene Hühnerbeine und noch trockeneren Reis. Nur am Sonntag gab es eine Suppe mit Fisch und Gemüse – die hat fantastisch geschmeckt!
 
Was nimmst du mit, wenn du auf Einsatz gehst?
Lesestoff, Mannerschnitten und Glücksbringer, die ich über die Jahre von Familie und Freunden geschenkt bekommen habe. 
 
Wie habt ihr gefeiert, als ihr über Weihnachten auf Einsatz ward?
Ich war zweimal über Weihnachten und Silvester auf Einsatz – jedes mal wurde ausgiebig gekocht und jeder steuerte ein Geheimrezept aus seiner Heimat bei (oder zumindest Schokolade). Im Nordirak hat uns sogar jemand eine kleine Plastiktanne geschenkt und wir haben diese mit selbstgebasteltem Christbaumschmuck behängt. Sie war zwar nicht schön anzusehen, hat aber für Heiterkeit im Team gesorgt.
 
Gibt es noch etwas, was du unsere Spender und Spenderinnen wissen lassen möchtest?
Die Hilfe, die Ärzte ohne Grenzen täglich leistet, und die Spenden, die das möglich machen, kommen an – ich habe das gesehen, ich war dabei und ich habe selbst mitgearbeitet. Ich bin sehr froh und stolz, ein Teil dieser Organisation sein zu dürfen, und möchte keinen einzigen meiner Einsätze gegen andere Erlebnisse oder Erfahrungen eintauschen.
 
Jetzt spenden und unsere Arbeit unterstützen. 
 

Einsätze:

  • Irak, November 2012 - Mai 2013
  • Haiti, Dezember 2010 - Februar 2011
  • Nigeria, September 2010 - November 2010

Vervielfältigen