2. Humanitärer Kongress in Wien

Wien, am 8. März 2013. Der 2. Humanitäre Kongress findet heute – am Weltfrauentag – in den Festsälen der Universität Wien statt. Unter dem Motto „Gender matters! Das Geschlecht spielt eine Rolle“ stehen 30 nationale und internationale ExpertInnen der Humanitären Hilfe rund 400 Gästen Rede und Antwort. Der Kongress soll den Stellenwert der Humanitären Hilfe unter EntscheidungsträgerInnen auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene aufwerten.

Stichwort Weltfrauentag: Wie wirksam können humanitäre Einsätze ohne Berücksichtigung der Geschlechterbedürfnisse sein? Der Kongress widmet sich in diesem Jahr schwerpunktmäßig den unterschiedlichen Bedürfnissen von Frauen und Männern - aber auch Menschen mit Behinderungen - in Krisen und Katastrophen. Diese Bedürfnisse, die die internationale Humanitäre Hilfe berücksichtigen muss, war auch das Thema der Eröffnungsrede von Kristalina Georgieva, EU-Kommissarin für Humanitäre Hilfe und Krisenschutz. Im Anschluss an die Eröffnungsrede fand eine Pressekonferenz statt.

Unterschiedliche Bedürfnisse beachten

Die EU-Kommissarin für internationale Zusammenarbeit, humanitäre Hilfe und Krisenreaktion betont: „Es ist ein großartiger Erfolg für den Stellenwert der internationalen Humanitären Hilfe, dass in Österreich nun bereits der 2. Humanitäre Kongress stattfindet. Mit der Auswahl des Themas  ‚Gender matters‘ ist der Fokus auf einen wichtigen Aspekt in der Humanitären Hilfe gelegt worden, der auch medial oft nicht im Vordergrund zu stehen scheint: Nämlich die unterschiedlichen Bedürfnisse von Männern, Frauen und Kindern – aber auch Menschen mit Behinderungen – in Krisen, Kriegen und Katastrophen. Die Beachtung dieser Bedürfnisse ist wesentlich für Effektivität und Effizienz und damit den Erfolg humanitärer Interventionen. Der 2. Humanitäre Kongress, der heute am Weltfrauentag  in Wien stattfindet, beweist das im besten Sinne.“

Kritik an Österreich

Kritik an der Situation der Humanitären Hilfe in Österreich äußert bei der Pressekonferenz das Österreichische Rote Kreuz. „Kaum ein Land in der Europäischen Union stellt weniger Geld für Humanitäre Hilfe bereit, als Österreich“, sagt Max Santner, Leiter der Internationalen Zusammenarbeit beim Österreichischen Roten Kreuz. „Der Auslandskatastrophenfonds ist lediglich mit fünf Millionen Euro dotiert. In Anbetracht der zahlreichen Notlagen und Katastrophen auf der Welt ist das für ein wohlhabendes Land wie Österreich zu wenig. Unsere Forderung ist, dass dieser Fonds mit 20 Millionen Euro dotiert wird. Österreich will in Fragen der Menschenrechte und der Humanitären Hilfe international eine Rolle spielen. Mit mehr Engagement in diesen Bereichen könnte Österreich in der Europäischen Union ein positives außenpolitisches Profil entwickeln."

Auch Ärzte ohne Grenzen kritisiert den Zustand der österreichischen Humanitären Hilfe. Die chronische Unterfinanzierung, der Mangel an Struktur sowie die Intransparenz bei der Mittelvergabe der staatlichen humanitären Hilfe hat Ärzte ohne Grenzen vergangenes Jahr dazu bewogen, die Akkreditierung bei der Austrian Development Agency zurückzuziehen, sagt Kommunikationsleiterin Irene Jancsy.

Katastrophale humanitäre Lage in Syrien

„In der humanitären Hilfe dürfen einzig die Bedürfnisse der betroffenen Menschen im Mittelpunkt stehen“, betont Jancsy und verweist auf ein aktuelles Beispiel: „In Syrien ist die humanitäre Lage katastrophal, medizinische Einrichtungen sind zum militärischen Ziel geworden und die Hilfe für die Bevölkerung wird auf beiden Seiten den politischen Agenden untergeordnet.“ In den von der Opposition kontrollierten Gebieten – wo Ärzte ohne Grenzen ohne Genehmigung der Regierung drei Krankenhäuser eröffnet hat – ist die internationale Hilfe stark eingeschränkt. Ärzte ohne Grenzen ruft alle Konfliktparteien in Syrien dazu auf, eine Übereinkunft auszuhandeln, damit unparteiliche Hilfe die Menschen im ganzen Land erreicht.

Weitere Kongressthemen

Weitere Themen, die im Rahmen des Kongresses in einzelnen Panels präsentiert und diskutiert werden, sind: Sicherheit in grenznahen Flüchtlingscamps, Herausforderungen in der medizinischen Versorgung, Menschen mit Behinderungen in Katastrophen, die Beziehung zwischen humanitären Organisationen und Medien, Sicherstellung der reproduktiven Gesundheit in Konflikten und Krisen, sowie Frauen als humanitäre Helferinnen. Der Kongress wird von Ärzte ohne Grenzen, CARE, Caritas, Diakonie, HOPE’87, Jugend Eine Welt, Licht für die Welt, dem Österreichischen Roten Kreuz, World Vision sowie der AG Globale Verantwortung und dem Institut für Internationale Entwicklung der Uni Wien organisiert. WEB www.humanitaerer-kongress.at LIVESTREAM: www.humanitaerer-kongress.at/live

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