Ärzte ohne Grenzen fordert Finanzierungsmechanismen für globale Gesundheit

Innovative Finanzierungsmodelle, wie sie derzeit beim UN-Millenniumsgipfel diskutiert werden, könnten den Kampf gegen Unterernährung und HIV/Aids revolutionieren.

Mit dem nötigen politischen Willen könnten zwei Hauptursachen für die weltweite Kindersterblichkeit – Unterernährung und HIV/Aids – wirksam bekämpft werden, erklärte die internationale medizinische Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) heute. Zum Auftakt des UN-Millenniumsgipfel in New York, bei dem Zwischenbilanz über die Fortschritte beim Erreichen der Millenniumsziele gezogen wird, fordert Ärzte ohne Grenzen die Teilnehmerstaaten auf, innovative Finanzierungsmechanismus für globale Gesundheit einzuführen und damit vermeidbares Sterben zu verhindern.

Um die Millenniumsziele im Bereich Gesundheit zu erreichen, müssten laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bis 2015 jährlich zusätzliche 37 Milliarden Dollar in globale Gesundheit investiert werden. Ein Großteil dieses Betrags, etwa 33 Milliarden Dollar jährlich, könnte eine Finanztransaktionssteuer – eine Abgabe von nur 0,005 Prozent auf Transaktionen in den vier häufigsten Handelswährungen – einbringen, so eine Schätzung der zwischenstaatlichen „Leading Group on Innovative Financing for Development“.

„Mit einer Finanzabgabe für Gesundheit wären Gesundheitsprogramme konstant und langfristig finanziert und das Leben von Patienten hinge nicht länger von instabilen Märkten und politischen Agenden ab“, sagt Franz Neunteufl, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Österreich: „Bei vielen Krankheiten wissen wir, was wir tun müssen, um Leben zu retten. Unsere Teams verwenden neue Methoden, um Unterernährung bei Kindern zu behandeln und um zu ermöglichen, dass Babys ohne HI-Virus auf die Welt kommen. Aber es fehlt an Finanzmitteln für eine breite Umsetzung dieser wirksamen Maßnahmen.“

Die globale Finanzkrise hat katastrophale Auswirkungen auf die Finanzierung von globalen Gesundheitsprogrammen. Wichtige Institutionen wie der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria haben heute mit großen Löchern im Budget zu kämpfen, da einige Geberländer wie die USA, Deutschland, Italien und Spanien frühere Zusagen nun nicht einhalten oder ihre Beiträge reduzieren. Österreich hat den Globalen Fonds in den vergangenen Jahren überhaupt nicht unterstützt.

„Angesichts der schwachen Fortschritte bei den Millenniumszielen halten wir es für inakzeptabel, dass Österreich  in den kommenden vier Jahren keinen Beitrag zum Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria leisten will,“ erklärt Franz Neunteufl: „Umso deutlicher fordern wir von der österreichischen Bundesregierung, sich auf internationaler Ebene für innovative Finanzierungsmechanismen wie etwa eine Finanztransaktionssteuer für globale Gesundheit einzusetzen und diese auch in Österreich zu implementieren.“

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