Ärzte ohne Grenzen warnt vor Scheitern globaler Impf-Initiative

Genf/Wien, 15. Mai 2012. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) warnt kurz vor der diesjährigen Weltgesundheitsversammlung vor einem Scheitern des geplanten „Globalen Impf-Aktionsplans”. „Der Aktionsplan geht davon aus, dass die regulären Impfprogramme gut funktionieren, aber das ist in vielen unserer Einsatzländer nicht der Fall“, erklärt Dr. Estrella Lasry von Ärzte ohne Grenzen. Jedes Jahr bleiben etwa 19 Millionen Kleinkinder ohne kompletten Impfschutz. Ärzte ohne Grenzen begrüßt deshalb die Initiative der WHO, fordert aber eine Entwicklung von Impfstoffen, die an die Bedürfnisse ärmerer Länder angepasst sind. Nötig seien hitzebeständige und einfach zu verabreichende Mittel, heißt es in einem Bericht der Organisation, der die Gründe für die mangelnde Impfabdeckung analysiert.

Das globale Impfprogramm soll von der in der kommenden Woche beginnenden 65. Weltgesundheitsversammlung in Genf beschlossen werden. Das Treffen der Gesundheitsminister ist das höchste Entscheidungsorgan der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Impfungen an Lebensbedingungen von ärmeren Ländern anpassen

„Solange wir es nicht schaffen, die Impfungen so weit zu vereinfachen, dass sie unter den Lebensbedingungen der ärmeren Länder verabreicht werden können, werden wir die tödlichen Krankheiten niemals wirksam bekämpfen können“, erklärt Dr. Michel Quéré, medizinischer Experte von Ärzte ohne Grenzen. „Stattdessen werden wir weiterhin nur auf Ausbrüche reagieren.“ Trotz der bisherigen Routine-Impfkampagnen erhält jedes fünfte Baby nicht alle grundlegenden Impfungen. Eine Ursache davon ist, dass die meisten Impfungen derzeit nur als Injektionen und damit von ausgebildeten Medizinern verabreicht werden können, was in Ländern ohne ausreichendes Gesundheitspersonal schwierig ist. Bei den derzeit verwendeten Impfstoffen müssen die Eltern mit ihren Babys im ersten Lebensjahr insgesamt fünfmal zu den Gesundheitsstationen kommen, was in entlegenen Gebieten oft nicht funktioniert. Zusätzlich erschwert werden die Impfungen auch dadurch, dass die meisten Impfstoffe ständig kühl gelagert werden müssen, was in Ländern ohne stabile Stromversorgung zu großen logistischen Herausforderungen führt.

Internationale Initiative für pharmazeutische Forschung dringend notwendig

Ärzte ohne Grenzen fordert die Regierungen in dem Bericht „The Right Shot“ dazu auf, die Routineimpfungen auszuweiten, die Impf-Kosten durch mehr Preistransparenz und eine koordinierte Beschaffung zu senken und stärker in die Entwicklung von Impfstoffen für ärmere Länder zu investieren. Die Organisation unterstützt deshalb auch den Vorschlag einer internationalen Konvention für die Entwicklung neuer Impfstoffe, Diagnostika und Medikamente für die Bedürfnisse ärmerer Länder, wie sie die „Intergouvernementale Arbeitsgruppe“ der WHO vorgeschlagen hat. „Seit Jahren beobachten wir, dass sich die pharmazeutische Forschung nicht an den Bedürfnissen der Patienten und Patientinnen in ärmeren Ländern orientiert, sondern an den Märkten in reichen Ländern. Deshalb ist eine solche Initiative der internationalen Gemeinschaft dringend erforderlich und sollte auf der Weltgesundheitsversammlung vorangebracht werden“ erklärt Mario Thaler, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Österreich. Ärzte ohne Grenzen impft jedes Jahr mehr als 10 Millionen Menschen vor allem gegen Masern, Meningitis, Diphtherie, Keuchhusten und Gelbfieber. Meist geschieht dies als Reaktion auf Krankheitsausbrüche, aber auch präventiv durch Routineimpfungen von Müttern und Kindern in den Projekten. Der Impf-Bericht steht zum Download

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