Äthiopien

Äthiopien: Ärzte ohne Grenzen fordert zusätzliche Hilfe für Flüchtlinge aus Somalia

Dolo Ado/Wien, 2. November 2011. Die internationale medizinische Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) warnt vor Engpässen bei der Versorgung von somalischen Flüchtlingen in Äthiopien. Auch wenn inzwischen die Kapazitäten für Hilfsleistungen gestiegen sind, wird es Probleme bei der Versorgung geben, auch weil die Zahl der Neuankömmlinge steigt.

Mangelernährungs- und Sterblichkeitsraten konnten in den Flüchtlingslagern im Süden Äthiopiens gerade unter den Wert gesenkt werden, der eine akute Krise definiert. „Im Moment reichen die Kapazitäten jedoch nicht aus, um noch mehr Menschen zu erreichen und mit notwendigen Lebensmitteln, medizinischer Versorgung, Trinkwasser und sanitären Einrichtungen zu versorgen", sagt Wojciech Asztabski, Projektkoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Dolo Ado.

Zahl der Flüchtlinge gestiegen

Die Lager nehmen zurzeit rund 130.000 Flüchtlinge aus Somalia auf, von denen die meisten vor der Nahrungsmittelkrise und dem Bürgerkrieg geflohen sind. In den vergangenen Wochen ist die Zahl der Flüchtlinge, die über die Grenze nach Äthiopien geflohen sind, auf etwa 300 pro Tag angestiegen.

Seit Mai hat Ärzte ohne Grenzen die medizinische Hilfe und die Ernährungsprogramme in den Lagern massiv ausgeweitet, um die Sterberate zu senken. Doch die Krise ist bei Weitem noch nicht vorbei. „Wir erwarten in den kommenden Wochen tausende weiterer Flüchtlinge“, sagt Asztabski. „Im Übergangslager, in dem die Neuankömmlinge vor der Umsiedlung in ein reguläres Camp untergebracht werden, müssen immer mehr Menschen Platz finden. Es gibt dort aber nicht genug Trinkwasser, Latrinen und Unterkünfte.“

Lager nicht genügend ausgestattet

Im Übergangslager sind derzeit mehr als 6.000 Flüchtlinge untergebracht. Es wird erwartet, dass in der nächsten Zeit jede Woche Tausende dazukommen werden, da die regulären Lager voll sind. Ärzte ohne Grenzen warnt, dass die ungenügende Ausstattung des Lagers die bereits geschwächten Bewohner weiter belasten wird.

Ärzte ohne Grenzen appelliert an die äthiopischen Behörden, dafür zu sorgen, dass notwendige Medikamente und Material eingeführt werden können und dass erfahrene internationale Projektmitarbeiter dies unterstützen dürfen.

Darüber hinaus müssen andere Organisationen dringend zusätzliche Kapazitäten bereitstellen. In einigen Wochen soll ein neues Camp fertig gestellt und eröffnet werden. Angesichts der jetzigen Lage ruft Ärzte ohne Grenzen dazu auf, alles zu tun, um das Lager früher fertig zu stellen, damit das Übergangslager so früh wie möglich entlastet werden kann.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1991 in Somalia. Die Teams leisten Hilfe für die Menschen im Land sowie für somalische Flüchtlinge in Kenia und Äthiopien. In den Ernährungsprogrammen der Organisation werden zurzeit mehr als 22.000 Kinder behandelt. Trotz großer Schwierigkeiten konnten die Teams von Ärzte ohne Grenzen bislang mehr als 126.000 Menschen gegen Masern impfen.

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