Bangladesch: Staatenlose Rohingya Opfer von Gewalt

Bangkok/Wien, 18. Februar 2010. Ärzte ohne Grenzen fordert in dem heute veröffentlichten Bericht „Violent crackdown fuels humanitarian crisis for unrecognised Rohingya refugees“  von der Regierung Bangladeschs ein sofortiges Ende der Gewalt gegen die Rohingya. Außerdem fordert die Organisation das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) auf, den Schutz der Minderheit zu gewährleisten. Die Rohingya sind Angehörige einer ethnischen und religiösen Minderheit aus Myanmar, die seit Jahrzehnten in Bangladesch Zuflucht suchen.

Gewaltsame Ausschreitungen haben Tausende Rohingya in die Flucht geschlagen, die im Distrikt Cox’s Bazaar im Süden Bangladeschs leben. Viele von ihnen haben im behelfsmäßigen Lager Kutupalong Zuflucht gesucht, nachdem sie von lokalen Behörden und der Bevölkerung aus ihren Häusern vertrieben worden sind. Ärzte ohne Grenzen behandelt in Kutupalong Opfer physischer und psychischer Gewalt. Die Lebensbedingungen in dem Lager stellen aufgrund der steigenden Zahl der Flüchtlinge zunehmend eine Gefährdung der Gesundheit dar.

„Mehr als 6.000 Menschen sind seit Oktober 2009 in dem Übergangslager angekommen, 2.000 von ihnen im Januar 2010. Die Menschen sammeln sich auf engstem Raum unter unhygienischen Bedingungen und ohne jegliche Infrastruktur“, erklärt Paul Critchley, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Bangladesch. „Sie können sich einerseits nicht selber versorgen, da sie nicht arbeiten dürfen. Andererseits sind sie von der Nahrungsmittelhilfe ausgeschlossen.“

Nur etwa 28.000 Menschen sind von der Regierung in Bangladesch offiziell als Flüchtlinge anerkannt und leben in regulären Flüchtlingslagern unter der Aufsicht des UNHCR. Mehr als 200.000 nicht als Flüchtlinge anerkannte Menschen kämpfen weitgehend ohne Unterstützung um das Überleben. In dem dicht besiedelten Land, in dem der Kampf um Arbeitsplätze, Lebensraum und Ressourcen unvermeidbar ist, sind die staatenlosen Rohingya besonders schutzlos.

„Die Regierung von Bangladesch muss die Gewalt umgehend stoppen und den Menschen den Schutz bieten, der ihnen zusteht“, sagt Paul Critchley. „Auch das UNHCR muss eine klare Strategie entwickeln, um das Problem zu lösen. Darüber hinaus muss die Organisation ihre Rolle als  internationale Schutzeinrichtung über die Vereinbarung mit der Regierung Bangladeschs stellen und sich um diejenigen kümmern, die den Schutz ihres Heimatstaates verloren haben oder aber keine Heimat mehr haben, in die sie zurückkehren können.“

Regionale Lösungsansätze sind notwendig, um die Situation der staatenlosen Rohingya zu verbessern. Die internationale Gemeinschaft  muss die Regierung von Bangladesch und das UNHCR dabei unterstützen, die Würde und Gesundheit der Rohingya in Bangladesch zu garantieren.

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