Burundi, Sierra Leone: Müttersterblichkeit gesenkt

Wien 19. November 2012. Neue Forschungsergebnisse aus Projekten von Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) in Burundi und Sierra Leone zeigen, dass die Müttersterblichkeit durch gynäkologische Nothilfe schnell und massiv – um bis zu 74 Prozent – gesenkt werden kann. Die Forschungsergebnisse von Ärzte ohne Grenzen sind die ersten, die die Auswirkungen einer entsprechenden Behandlung auf die Müttersterblichkeit in Afrika belegen.

Die Daten aus 2011, die heute in dem Bericht „Sichere Geburten: Senkung der Müttersterblichkeit in Sierra Leone und Burundi“ veröffentlicht wurden, zeigen, dass folgende Faktoren das Risiko vermindern, an Komplikationen in Zusammenhang mit der Schwangerschaft zu sterben: ein ambulantes Überweisungssystem sowie die Leistung gynäkologischer Nothilfe.

„Wir brauchen keine High-Tech-Medizin, um das Leben vieler Frauen zu retten“ erklärt Vincent Lambert, medizinischer Berater von Ärzte ohne Grenzen in Burundi. „Die Erfahrung von Ärzte ohne Grenzen kann Geldgebern, Regierungen und anderen NGOs als positives Beispiel dienen, die in verbesserte gynäkologische Nothilfe in Ländern mit hohen Müttersterblichkeitsraten investieren möchten.“

Müttersterblichkeit gesunken

Die Daten von Ärzte ohne Grenzen belegen, dass die Müttersterblichkeit im Distrikt Kabezi in Burundi auf 208 pro 100.000 Lebendgeburten gesunken ist. Dies ist im Vergleich zur durchschnittlichen Todesrate im Land von 800 pro 100.000 Lebendgeburten  eine Abnahme um 74 Prozent. Für Sierra Leona zeigen die Statistiken von Ärzte ohne Grenzen, dass die Müttersterblichkeit im Distrikt Bo auf 351 pro 100.000 Lebendgeburten gesunken ist - im Vergleich zur durchschnittlichen Todesrate in Sierra Leone von 890 pro 100.000 eine Senkung  um 61 Prozent.

Die umfassende Geburtshilfe in den Spitälern von Ärzte ohne Grenzen in Bo und Kabezi steht 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche zur Verfügung und ist kostenlos. Die jährlichen Betriebskosten der Programme entsprechen 1,5 Euro pro Person im Distrikt Bo und 3,2 Euro pro Person im Distrikt Kabezi.

Geburten als Risiko

„Hier in Sierra Leone sind Geburten für die Frauen oft lebensgefährlich“ sagt Betty Raney, Gynäkologin von Ärzte ohne Grenzen in Sierra Leone. „In den 25 Jahren meiner Tätigkeit als Gynäkologin habe ich noch nie so viele schwere Geburten gesehen. Hätten die Frauen keinen Zugang zu medizinischer Behandlung erhalten, wären viele von ihnen gestorben.“

Sierra Leone und Burundi weisen aufgrund von mangelndem Zugang der Frauen zu pränataler Betreuung und Geburtshilfe extrem hohe Müttersterblichkeitsraten auf. Dies ist auf Engpässe bei qualifiziertem Pflegepersonal, fehlende medizinische Einrichtungen und ein Gesundheitssystem zurückzuführen, das durch jahrelangen Bürgerkrieg zerrüttet wurde. Ärzte ohne Grenzen ist die einzige Organisation, die in den Distrikten Kabezi und Bo gynäkologische Nothilfe leistet.

Millenniumsziel

Ein internationaler Richtwert ist das fünfte Millenniumsziel. Dieses sieht im Vergleich zur Rate der Müttersterblichkeit von 1990 eine Reduktion um 75 Prozent bis 2015 vor. Ärzte ohne Grenzen schätzt, dass die Müttersterblichkeit im Distrikt Kabezi bereits unter diesem Richtwert liegt. Im Distrikt Bo geht Ärzte ohne Grenzen davon aus, dass die Sterblichkeitsrate 2015 um 75 Prozent reduziert sein wird.

2011 erhielten insgesamt 3647 Frauen in den Distrikten Kabezi und Bo von Ärzte ohne Grenzen lebensrettende Geburtshilfe.

Ärzte ohne Grenzen setzt sich in Burundi seit 2006 und in Sierra Leone seit 2008 für das Überleben der Mütter ein.

Weltweit sterben jedes Jahr etwa 287.000 Frauen bei der Geburt und lassen somit Kinder zurück, deren Risiko – als Folge des Todes ihrer Mutter – verfrüht zu sterben, zehn Mal höher liegt.

Bericht zum Download

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