Elfenbeinküste

Elfenbeinküste: Erneut Tote nach Gewalt gegen Zivilisten

Abidjan/Wien, 20. September 2011. Im Südwesten der Elfenbeinküste sind erneut Zivilisten zum Opfer bewaffneter Übergriffe geworden. Mindestens 16 Menschen starben Ende vergangener Woche nach einem Angriff auf das Dorf Zriglo südlich der Stadt Taï an der Grenze zu Liberia. Mindestens 50 Häuser wurden niedergebrannt und ein Großteil der Bevölkerung floh in die Wälder.

„Eines unserer Teams konnte wenige Stunden nach den ersten Berichten über den Angriff das Dorf erreichen", erklärt Tara Newell, Landeskoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen. „Aber sie konnte nur noch die Toten und die niedergebrannten Häuser zählen. Die Bewohner waren geflohen, auch die Verwundeten."Einigen Verletzten gelang es am Wochenende, sich zum Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in der nahe gelegenen Stadt Taï durchzuschlagen.

Im Südwesten der Elfenbeinküste kommt es auch Monate nach den Kämpfen zwischen Anhängern des früheren Präsidenten Gbagbo und des neuen Amtsinhabers Ouattara noch immer zu Gewaltausbrüchen. Die Situation in den großen Städten hat sich zwar beruhigt, in einigen ländlichen Gebieten der Elfenbeinküste kommt es aber weiterhin zu Übergriffen, die sich vor allem gegen Zivilisten richten. Während der vergangenen Monate haben die Teams von Ärzte ohne Grenzen im Südwesten der Elfenbeinküste immer wieder Übergriffe bewaffneter Gruppen beobachtet. Die Mitarbeiter in den Krankenhäusern der Region behandeln ständig Zivilisten mit Schusswunden und Verletzungen durch Macheten sowie Opfer sexueller Gewalt. Sie haben von Gewalt entstellte Leichen gesehen, darunter auch Kinder.

„Viele Vorfälle bleiben unentdeckt oder werden erst Tage später bekannt, wenn wir Verletzte behandeln, die es bis zu unseren Krankenhäusern schaffen", sagt Tara Newell. „Dazu trägt auch bei, dass in der Gegend nur sehr wenige Hilfsorganisationen tätig sind.“

Der eingeschränkte Zugang der Bevölkerung zu Gesundheitseinrichtungen ist weiterhin ein Problem, weil die Menschen ständig von Hindernissen aller Art und bewaffneten Kontrollposten in der gesamten Region schikaniert werden. Berichte über körperliche Gewalt, Erpressung sowie illegale Inhaftierungen oder „Steuereintreibungen“ sind weit verbreitet und schränken die Bewegungsfreiheit der Bevölkerung ein. Andauernde Schikanen und Angst sorgen dafür, dass weiterhin Menschen aus ihren Dörfern vertrieben werden und sich die Lage der Vertriebenen in manchen Gebieten sogar verschlechtert. Zehntausende Flüchtlinge kehren noch immer nicht aus Liberia zurück und Hunderttausende leben Berichten zufolge aus Angst vor einer Rückkehr in ihre Heimatdörfer angesichts der anhaltenden Unsicherheit und Gewalt immer noch als Binnenvertriebene in der Elfenbeinküste. „Die lokale Bevölkerung bezahlt den Preis für die Abwesenheit von Recht und Ordnung”, sagt Tara Newell.

Ärzte ohne Grenzen ruft die Regierung der Elfenbeinküste dazu auf, für Sicherheit zu sorgen. Alle Konfliktparteien, Militär und Regierungskräfte müssen Gewalt und Bedrohungen gegenüber Zivilisten unterlassen und einen sicheren und ungehinderten Zugang zur Gesundheitsversorgung sicherstellen.

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