Demokratische Republik Kongo

Demokratische Rep. Kongo: Bericht zeigt Ausmaß der humanitären Notlage

Kinshasa/Wien, am 3. März 2014. Ein Bericht der internationalen medizinischen Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF), der heute in Kinshasa vorgestellt wurde, offenbart das Ausmaß der humanitären Notlage im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Der Bericht, der auf umfassenden medizinischen Daten sowie zahlreichen Zeugenberichten von Patienten und Helfern basiert, kommt zum Schluss, dass viele Menschen in den östlichen Provinzen, die dringend auf Nothilfe angewiesen sind, diese nicht erhalten. Ärzte ohne Grenzen ruft alle involvierten Parteien und Organisationen auf, mehr zu unternehmen um das Leiden der Bevölkerung zu mildern.

Der Bericht Everyday Emergency: Silent Suffering in Democratic Republic of Congo  zeigt, wie sehr die Bevölkerung in den östlichen Provinzen aufgrund der anhaltenden Konflikte und des nicht funktionierenden Gesundheitssystem unter immer wiederkehrenden Krisen und Krankheitsausbrüchen leidet. Viele Dörfer und Gemeinden sind wegen der schlechten Infrastruktur oder aufgrund von Kämpfen und Vertreibungen völlig von der medizinischen Versorgung abgeschnitten. Vor allem in abgelegenen und vom Konflikt betroffenen Regionen leisten Hilfsorganisationen und der Staat jedoch zu wenig Hilfe.

"Unsichtbare" Vertriebene besonders betroffen

Ärzte ohne Grenzen hat zudem festgestellt, dass viele Menschen in den umkämpften Gebieten im Osten des Landes von der Gesundheitsversorgung ausgeschlossen sind, weil die Leistungen offizieller Gesundheitseinrichtungen und auch von Nichtregierungsorganisationen oft kostenpflichtig sind. Obwohl das nationale Gesundheitssystem eigentlich kostenlose medizinische Versorgung in Notsituationen vorsieht, müssen die Menschen dafür bezahlen – obwohl sie im Kriegsgebiet leben. Zugleich zwingt die allgegenwärtige Gewalt medizinische Helfer immer wieder, ihre Hilfsprogramme zu unterbrechen. Menschen werden dadurch von der dringend benötigten medizinischen Versorgung abgeschnitten.

„Die Infrastruktur und das Gesundheitssystem funktionieren kaum. Der anhaltende Konflikt, fehlender Respekt für Helfer, ein System, das  Patienten zwingt, auch in Krisensituationen für medizinische Hilfe zu bezahlen – all diese Faktoren haben katastrophale Folgen für die Gesundheit der Menschen im Osten der Demokratischen Republik Kongo“, sagt Annemarie Loof, die Leiterin der Hilfsprogramme in der Einsatzzentrale von Ärzte ohne Grenzen in Amsterdam. Vor allem für die 2,96 Millionen Vertriebenen in der Demokratischen Republik Kongo ist die Situation prekär – und speziell für die vielen „unsichtbaren“ Vertriebenen, die bei Gastfamilien leben oder sich in den Wäldern versteckt haben. Diese Menschen erhalten meist keine humanitäre Hilfe – und wenn doch, dann nur sehr unregelmäßig. Hilfsorganisationen sehen sich auch mit Druck konfrontiert, ihre Hilfe in bestimmte „befreite“ Zonen fließen zu lassen, um so Konfliktgebiete zu stabilisieren und die staatliche Autorität zu stärken.

Vermeidbares Leid durch Krankheitsausbrüche

„Jahr für Jahr kommt es im Osten der Demokratischen Republik Kongo zu Ausbrüchen von Krankheiten wie Masern, Malaria und Cholera. Doch das Gesundheitssystem ist in den meisten Fällen nicht imstande, sie zu verhindern oder darauf zu reagieren“, sagt Jatinder Singh, der medizinische Koordinator von Ärzte ohne Grenzen in der Demokratischen Republik Kongo. „Viele Menschen müssen deshalb leiden und sterben. Die eigentliche Tragödie ist aber, dass dies meist verhindert werden könnte.“

Es müssen sofort Schritte gesetzt werden, um das anhaltende Leiden im Osten der Demokratischen Republik Kongo zu lindern. Ärzte ohne Grenzen fordert deshalb alle Konfliktparteien auf, Zivilisten, humanitäre Helfer und medizinische Einrichtungen zu respektieren. Zugleich ruft Ärzte ohne Grenzen alle anderen humanitären Akteure auf, angemessenere und flexiblere Nothilfe zu leisten. Die Hilfe muss allein an den Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet sein, anstatt sie von politischen Agenden abhängig zu machen. Auch fordert Ärzte ohne Grenzen, dass die finanziellen Hürden für medizinische Hilfe abgebaut und bessere Strategien zur Prävention und Behandlung von Epidemien installiert werden.

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1981 in der Demokratischen Republik Kongo tätig. Die Hilfsorganisation unterhält Nothilfe-Programme, führt Impfkampagnen durch und betreibt reguläre Gesundheitsprogramme in allen Provinzen des Landes.

Der Bericht „Everyday Emergency: Silent Suffering in Democratic Republic of Congo“ steht hier zum Download bereit.

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