Europa fällt zurück – Studie von Ärzte ohne Grenzen zeigt mangelnde Förderung der Tuberkulose-Forschung

Stockholm/Wien, 21. Oktober 2009. Die größten EU-Länder liegen in der Förderung der Forschung und Entwicklung zu Tuberkulose (TB) weit hinter den USA zurück. Dies geht aus einer Studie von Ärzte ohne Grenzen hervor, die die medizinische Hilfsorganisation heute anlässlich der European Development Days in Stockholm veröffentlicht hat. Bis auf Schweden verkennen alle analysierten fünf EU-Länder (Italien, Deutschland, Schweden, Frankreich, England) die Bedeutung von TB, einer Krankheit, an der jährlich etwa 1,7 Millionen Menschen sterben. Damit sind die Länder der EU für die dramatische globale Finanzierungslücke mitverantwortlich.

„Wir sind entschlossen, Menschen mit multiresistenter Tuberkulose zu behandeln und entwickeln unsere Behandlungsmethoden ständig weiter”, sagt Dr. Christophe Fournier, internationaler Präsident von Ärzte ohne Grenzen. „Aber wir müssen der Realität ins Auge sehen, dass wir Tuberkulose heute nicht adäquat behandeln können. Dadurch verlieren wir viele Patienten. Es ist dringend notwendig, dass die europäischen Länder mehr in die TB-Forschung investieren.”

Ärzte ohne Grenzen fordert eine nachhaltige Finanzierung, die Nutzung innovativer Finanzierungsinstrumente und ein dauerhaftes politisches Engagement. Die chronische Unterfinanzierung führt in ärmeren Ländern beispielsweise dazu, dass aufgrund unzureichender diagnostischer Tests bei etwa der Hälfte aller Patienten eine Infektion nicht erkannt wird. „Europa engagiert sich nicht nur zu wenig, es zahlt auch wesentlich weniger als andere“, so Oliver Moldenhauer, Koordinator der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland. „Dringend notwendige Medikamente, Impfstoffe und Diagnoseverfahren kann es nur geben, wenn endlich ausreichend in die Forschung investiert wird.“

Wie aus dem Report hervorgeht, zahlen Frankreich und Großbritannien nur rund die Hälfte des Betrags, der ihrer Wirtschaftskraft nach angemessen wäre. Deutschland und Italien stehen mit 23 und 11 Prozent noch schlechter da. Mit einem durchschnittlichen Beitrag von nur etwas über einem Drittel der angemessenen Höhe verblasst der europäische Beitrag im Vergleich zu den USA, die immerhin zwei Drittel des angemessenen Beitrags leisten. Von den geschätzten 1,45 Milliarden Euro, die für eine ausreichende Finanzierung der TB-Forschung benötigt werden, werden derzeit nur 350 Mio. Euro (24 Prozent) weltweit investiert.

Auch im EU-Programm der schwedischen Präsidentschaft gegen Antibiotika-Resistenzen sind TB und andere vernachlässigte Krankheiten stark unterrepräsentiert.

Ärzte ohne Grenzen behandelt 30.000 Menschen mit Tuberkulose in über 80 Projekten weltweit.

Den Report „The Underfunding of TB Research Across Europe“ finden Sie unter www.msfaccess.org .

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