Fragen & Antworten zu den Folgen unsachgemäßer Schwangerschaftsabbrüche

Unsichere Schwangerschaftsabbrüche zählen zu den fünf häufigsten Ursachen für Müttersterblichkeit weltweit. Die folgenden Fragen und Antworten beleuchten die medizinischen Auswirkungen sowie den Umgang von Ärzte ohne Grenzen mit betroffenen Frauen in den Hilfsprojekten. 

Neben Blutungen, Blutvergiftungen, Geburtskomplikationen und Bluthochdruck gehören unsachgemäße Schwangerschaftsabbrüche zu den fünf Hauptgründen für Todesfälle unter Müttern. Sie führen oft zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen und können sogar tödlich enden. Unsere Einsatzteams erleben immer wieder, dass Frauen trotz der beträchtlichen Risiken auf unsichere Methoden zurückgreifen, wenn es keine sicheren und legalen Möglichkeiten gibt.

Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO werden pro Jahr rund 22 Millionen unsachgemäße Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt. Das bedeutet, dass sie von Personen durchgeführt werden, die nicht über die erforderlichen Fähigkeiten verfügen, oder in einem Umfeld, das nicht den medizinischen Mindeststandards entspricht. Es wird  geschätzt, dass jährlich 47.000 Frauen und Mädchen  bei diesen Abbrüchen sterben, und weitere fünf Millionen unter den Konsequenzen leiden. Das tatsächliche  Ausmaß  ist unbekannt – denn viele Frauen und Mädchen haben keinerlei Möglichkeit, danach medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen, und niemand weiß, wie viele wirklich daran sterben.

Stellt Ärzte ohne Grenzen Empfängnisverhütungsmittel sowie sichere Schwangerschaftsabbrüche zur Verfügung? Was sind dabei die Kriterien?

Im Rahmen unserer medizinischen Aktivitäten für die Gesundheit von Frauen und Mädchen bieten wir gemäß unserer Behandlungsstandards Verhütungsmittel und sichere Schwangerschaftsabbrüche an. Denn unerwünschte Schwangerschaften und unsachgemäße Schwangerschaftsabbrüche tragen in erheblichem Ausmaß zu gesundheitlichen Problemen und Todesfällen unter Frauen und Mädchen bei. Unsichere Abtreibungen zählen weltweit zu den Hauptursachen für Müttersterblichkeit. In allen relevanten Hilfsprojekten werden Verhütungsmittel von uns zur Verfügung gestellt, sofern es die lokalen Gegebenheiten erlauben.

Als Teil der geburtshilflichen Versorgung von Ärzte ohne Grenzen behandeln wir sowohl Komplikationen, die nach einem unsachgemäßen Schwangerschaftsabbruch auftreten, leiten aber auch den Abbruch einer Schwangerschaft mit etwaigen lebensbedrohlichen Komplikationen ein, um das Leben einer Frau zu retten.

Die Entscheidung, ob der Abbruch einer Schwangerschaft durchgeführt wird, wird mit größtmöglicher Umsicht getroffen. Die Sicherheit unserer Patientinnen  ist unser oberstes Anliegen. Alle dahingehend relevanten rechtlichen Rahmenbedingungen, Bräuche und Auffassungen müssen entsprechend in Betracht gezogen werden.

Wie steht Ärzte ohne Grenzen zu Schwangerschaftsabbrüchen?

Ärzte ohne Grenzen folgt als medizinische Nothilfeorganisation keinerlei Ideologie in Bezug auf Schwangerschaftsabbrüche. Wir sind weder dafür noch dagegen. Wir sehen die Folgen unsachgemäßer Abbrüche als medizinisches Problem: Unqualifizierte Abbrüche verursachen Leid und Todesfälle  und verschlimmern einen ohnehin schon schlechten Gesundheitszustand von Frauen in den Ländern, in denen wir arbeiten.

Führt Ärzte ohne Grenzen Schwangerschaftsabbrüche in seinen Hilfsprojekten durch? Was passiert in Ländern, in denen Abbrüche illegal sind?

Unser Ziel ist es, in Konflikt- und Krisenregionen Leid und Tod zu bekämpfen. Wenn das Leben der Mutter bedroht ist, muss der Arzt mit der Patientin oder ihrer Familie eine Entscheidung treffen. Wenn das Leben der Mutter nicht unmittelbar bedroht ist, sie ihre Schwangerschaft aber dennoch beenden will, wägt Ärzte ohne Grenzen ab und entscheidet, ob wir eine sachgemäße Abtreibung anbieten können oder nicht. Dies kann eine schwierige Entscheidung sein, denn wir haben immer wieder erlebt, dass Frauen andere Wege finden, eine ungewollte Schwangerschaft zu beenden, wenn die Möglichkeit eines sicheren Abbruchs nicht besteht. Allerdings kann die Durchführung eines Abbruchs in manchen Ländern auch ein Risiko für Patientinnen und Personal darstellen. Wir analysieren die Risiken, bevor wir eine Entscheidung treffen. Die jeweiligen Gesetze, Bräuche und Sichtweisen werden dabei berücksichtigt.

Haben Sie eine Regelung, bis wann ein Abbruch durchgeführt werden kann?

Ein gewünschter Schwangerschaftsabbruch in Projekten von Ärzte ohne Grenzen ist bis zum Ende des ersten Drittels der Schwangerschaft möglich. Zu einem späteren Zeitpunktpunkt kann ein Abbruch in Ausnahmefällen in Betracht gezogen werden.

Unterstützt Ärzte ohne Grenzen  Schwangerschaftsabbrüche auch in Fällen, in denen die Gesundheit der Mutter nicht gefährdet ist?

Ärzte ohne Grenzen fördert Abbrüche in keinerlei Weise. Der Abbruch einer Schwangerschaft ist die alleinige Entscheidung der Frau bzw. des Mädchens. Das einzige Ziel von Ärzte ohne Grenzen ist die Vermeidung der medizinischen Konsequenzen eines unsicheren Abbruchs. Denn Frauen, die beschließen ihre Schwangerschaft zu beenden, werden einen Weg dazu finden, selbst wenn dies ihr Leben gefährdet. Ärzte ohne Grenzen möchte ausschließlich die Risiken unsachgemäßer Abbrüche reduzieren.

Müssen Ärzte und Ärztinnen, die mit Ärzte ohne Grenzen auf Einsatz gehen, bereit sein, Abbrüche durchzuführen?

Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Ärzte ohne Grenzen müssen die Regelungen für Familienplanung einschließlich der Regelung für Schwangerschaftsabbrüche verstehen und damit übereinstimmen. Jedoch ist es die persönliche Entscheidung jedes einzelnen Mediziners, einen Abbruch durchzuführen oder nicht. Mitarbeiter, die grundsätzlich keine Abbrüche durchführen wollen, können dennoch für Ärzte ohne Grenzen arbeiten – sie werden dann in Positionen eingesetzt, in denen keine Abbrüche durchgeführt werden.

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