Demokratische Republik Kongo

Hoffnung im Kampf gegen die Schlafkrankheit

Genf/Wien, 7.12.2012. Die Fortschritte bei der Entwicklung neuer Diagnostika und Behandlungsmöglichkeiten versprechen Erfolge im Kampf gegen die Schlafkrankheit. Die nationalen Kontrolltätigkeiten in den betroffenen Gebieten sind jedoch aufgrund unzureichender Finanzierung blockiert, warnt Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF).Die Schlafkrankheit wird durch die Tsetse-Fliege übertragen und verläuft tödlich, wenn die Patienten nicht behandelt werden. Die Krankheit betrifft einige der ärmsten Menschen und tritt vor allem in ländlichen Gegenden in Subsahara-Afrika auf. Ungefähr 70 Millionen Menschen sind einem Infektionsrisiko ausgesetzt. Nach Jahren der Vernachlässigung wurden nun in klinischen Studien zwei neue Tests und neue Medikamente getestet. Die Bemühungen um einen Fortschritt sind wegen unzureichender Ressourcen bei den nationalen Überwachungsprogrammen jedoch gefährdet.

„Wir sind mit großen medizinischen und logistischen Herausforderungen konfrontiert. Wir brauchen hochqualifiziertes Personal, das mit den empfindlichen Laborgeräten umgehen kann, und die Geräte müssen zudem in entlegene Gebiete transportiert werden, in denen oft anhaltende Konflikte herrschen. Neue und besser an die Bedingungen angepasste Instrumente werden den Prozess vereinfachen, was sowohl für die Patienten als auch für das medizinische Personal hilfreich ist”, erklärt Dr. Anja De Weggheleire, medizinische Koordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in Kinshasa. „Gerade wenn gemeinsame Anstrengungen am nötigsten sind, erhalten die nationalen Kontrollinstanzen zu wenig Geld und Ressourcen. Wenn sich das nicht ändert, verlieren wir die Möglichkeit, die Menschen zu untersuchen und zu behandeln, die derzeit schwer zu erreichen sind; oder schlimmer, wir riskieren einen erneuten Anstieg der Krankheitsfälle.”

In der Demokratischen Republik Kongo, in der drei Viertel aller Fälle registriert werden, ist die Zahl der Menschen, die auf die Schlafkrankheit getestet wurden, in den vergangenen Monaten deutlich gesunken. Im Juni 2013 wird außerdem die größte externe Finanzierung des Kontrollprogramms auslaufen. Wenn selbst für kurze Zeit keine Kontrollmechanismen vorhanden sind, riskiert das Land eine Rückkehr der Krankheit. Das war in der Vergangenheit schon mehrmals der Fall. Die Demokratische Republik Kongo könnte sich dann in einer ähnlichen Situation wie die Zentralafrikanische Republik und der Südsudan befinden, wo nationale Kontrollinstanzen kaum vorhanden sind.

Neue Tests

Da die neuen Tests, die mit Hilfe der Stiftung für Neue Innovative Diagnostik und des Instituts für Tropenmedizin in Antwerpen entwickelt wurden, einfach zu benutzen sind und keine Kühlkette benötigen, könnten mehr Menschen, die einem Infektionsrisiko ausgesetzt sind, getestet werden. Obwohl nach wie vor weitere komplizierte Tests für die Bestätigung von Verdachtsfällen nötig sind, werden die neuen Tests viele der logistischen Schwierigkeiten beseitigen, mit denen die mobilen Schlafkrankheit-Teams konfrontiert sind. Und das neue Medikament Fexinidazol, das mit der Organisation „Drugs for Neglected Diseases initiative” (DNDi) entwickelt wurde, und bereits in der letzten Phase der klinischen Studie ist, könnte eine gute Alternative zu den derzeit nötigen Infusionen darstellen.

„Wenn eine nachhaltige Finanzierung nicht in Kürze sichergestellt wird, gibt es in naher Zukunft zwar neue Möglichkeiten, die Schlafkrankheit zu bekämpfen, aber keine Anwendung”, warnt Dr. Manica Balasegaram, Leiter der internationalen Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen. „Die kommenden Monate werden entscheidend bei der Überwindung der Unsicherheiten sein, die wir im Moment bei der Bekämpfung der Schlafkrankheit in der Demokratischen Republik Kongo und in anderen Ländern sehen, in denen eine nachhaltige Finanzierung und ausreichende Ressourcen dringend benötigt werden.“

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