Südsudan

Immer dramatischere Gesundheitssituation für 63.500 Flüchtlinge im Lager Yida

Wien/Paris, 13. Juli 2012. Fast 500 Menschen strömen täglich in des Lager in Yida. Laut UNHCR befinden sich derzeit 63.500 Menschen in dem überfüllten Lager, das ursprünglich für 15.000 Menschen konzipiert war. Die Flüchtlinge sind vor dem Konflikt und der Nahrungsunsicherheit in Süd Kordofan im benachbarten Sudan geflohen und kommen nach tage- bzw. wochenlangen Fußmärschen über die Nuba Mountains in einem kritischen Zustand an.

„Die meisten unserer Patienten sind in einem Schockzustand, und die Sterblichkeitsrate in den Kliniken steigt in dem Maße, in dem die Lagerbevölkerung zunimmt“ erklärt Dr. Mego Terzian, verantwortlich für die Noteinsätze von Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF). „Es sind so viele Patienten, dass wir unsere Anstrengungen auf jene konzentrieren müssen, die sich in Lebensgefahr befinden sowie auf die Kinder, die an Durchfallerkrankungen, schweren Infektionen und Mangelernährung leiden.“

Hohe Sterblichkeitsrate

Im Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen haben sich die Aufnahmen von Kindern unter fünf Jahren, die die Mehrheit der Patienten ausmachen, in einem Monat verdoppelt. Sie sind von 104 auf 209 gestiegen. Der Prozentsatz von unterernährten Kindern in Behandlung steigt auch an. Die Sterblichkeitsrate im Krankenhaus hat sich in einem Monat ebenfalls verdoppelt und ist von 7 auf 15 Prozent gestiegen, vor allem aufgrund von Durchfallerkrankungen und schweren Infektionen wie Lungenentzündungen. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen führen Sensibilisierungsmaßnahmen bei den Eltern durch, damit diese die Symptome bei ihren Kindern erkennen und sie so schnell wie möglich ins Krankenhaus bringen.

Anzahl der Menschen im Lager verdreifacht

Seit April 2012 hat sich die Lagerbevölkerung in Yida mehr als verdreifacht. Die Regenzeit hat bereits begonnen, und die Wasserversorgung und die sanitären Anlagen werden dem Ansturm an Menschen nicht gerecht. Trotz der Anstrengungen der Organisationen vor Ort sind die Lebensbedingungen für die 63.500 Flüchtlinge völlig unangemessen und überholt.

„Die Mehrheit der Behandlungen in den medizinischen Einrichtungen von Ärzte ohne Grenzen sind Krankheiten, die durch das Wasser übertragen wurden und durch Zugang zu Trinkwasser und ausreichend Latrinen verhindert werden könnten“ erklärt André Heller, Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen im Südsudan.

Ausdehnung der Hilfsaktivitäten

Um auf den ständig steigenden Bedarf zu reagieren stockt Ärzte ohne Grenzen als größte medizinische Organisation, die vor Ort ist, seine Hilfsaktivitäten auf und erhöht die Anzahl der Spitalsbetten in drei zusätzlichen Zelten im Krankenhaus auf 60. Ärzte ohne Grenzen stockt außerdem seine Teams auf, die derzeit aus 80 Personen bestehen.

Ärzte ohne Grenzen ist seit November 2011 in Yida im Südsudan tätig. Die Organisation betreibt im dortigen Flüchtlingslager ein Krankenhaus, ein Gesundheitszentrum und leistet bei der Registrierung medizinische Hilfe für die Ankömmlinge. Im Juni hat Ärzte ohne Grenzen über 14.000 Kinder unter 15 Jahren gegen Masern geimpft und impft weiterhin im Lager ankommende Kinder zwischen sechs Monaten und fünf Jahren. Weitere Teams von Ärzte ohne Grenzen leisten sudanesischen Flüchtlingen in Upper Nile State medizinische Hilfe.

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