Irak

Irak: Tausenden Vertriebenen in Kirkuk fehlt es am Nötigsten

Bagdad/Genf, 4. Dezember 2014. Tausenden Menschen, die vor den Gewaltausbrüchen im Irak geflohen sind, fehlt es an Nahrung, Wasser, einer Unterkunft und medizinischer Versorgung. Dies selbst, wenn sie in Regionen des Landes angekommen sind, die für Hilfsorganisationen eigentlich zugänglich wären, betonte die internationale medizinische Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF).

Mehr als 180.000 Vertriebene haben in Kirkuk im Norden des Irak Zuflucht gefunden, einer multiethnischen Stadt unweit der Frontlinie des Konflikts - und der Flüchtlingszustrom reißt nicht ab. Viele Menschen leben zusammengedrängt in unzulänglichen Unterkünften und leiden an Beschwerden wie Harnwegs- und Atemwegsinfektionen, Hautkrankheiten und Blutarmut. Einige dieser Beschwerden sind direkt auf den Mangel an Nahrung und Wasser zurückzuführen. Ärzte ohne Grenzen ist die einzige internationale medizinische Hilfsorganisation, die in dieser Gegend Hilfe leistet und fordert deshalb Unterstützung von anderen internationalen Akteuren in Kirkuk und anderen Gebieten, wo die vertriebenen und hilfsbedürftigen Menschen erreicht werden können.

Kaum Hilfe von internationaler Seite

"Auch wenn die Sicherheitslage in Kirkuk gewisse Herausforderungen bietet, können Hilfsorganisationen durchaus dort arbeiten", betont Fabio Forgione, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen . "Doch wir sehen kaum Hilfe von internationaler Seite. Die meisten Hilfeleistungen kommen von lokalen Organisationen und reichen bei Weitem nicht aus. Internationale Hilfswerke müssen dringend ihre Anstrengungen verstärken."

Über zwei Millionen Iraker mussten dieses Jahr wegen des gewalttätigen Konflikts ihre Heimat verlassen. Viele halten sich weiterhin in Regionen auf, die direkt von der Gewalt betroffen sind und keine humanitäre Hilfe erhalten. Aber auch diejenigen, die sicherere Gebiete erreichen, werden weitgehend sich selbst überlassen. Lokale Behörden und die Dörfer, in denen die Menschen untergekommen sind, sind mit der Situation überfordert.

"Niemand gab uns etwas."

"Als ich nach Kirkuk kam, fühlte ich mich sicher, und jetzt kann ich wieder schlafen", berichtet eine Frau, die vor Bombenanschlägen in der Stadt Baidschi geflohen ist. "Doch es kam niemand zu uns, außer dem Gouverneur von Kirkuk und dem Roten Halbmond. Sonst sahen wir niemanden. Wir baten um Dinge wie Matratzen, Öfen, Öl, Teppiche. Niemand gab uns etwas."

Bis jetzt beschränkte sich die internationale Hilfe hauptsächlich auf die kurdische Region im Norden Iraks, wo mehrere Lager für Vertriebene eingerichtet wurden. Tatsächlich werden die meisten Gelder von internationalen Geberländern dieser Region zugesprochen. Gebiete wie Kirkuk, die ebenfalls erreichbar wären, werden jedoch nicht berücksichtigt.

"Die schlechten Lebensbedingungen und engen Wohnverhältnisse wirken sich negativ auf die Gesundheit der Menschen aus", sagt Forgione. "Nach ihrer Flucht vor den Gewaltausbrüchen brauchen diese Familien elementare Hilfe, damit ihre Situation als Vertriebene etwas ertragbarer ist. Es ist die Aufgabe der internationalen Gemeinschaft, diese zur Verfügung zu stellen."

Ärzte ohne Grenzen ist seit 2010 in Kirkuk tätig. Im Juli dieses Jahres hat die Organisation ihre Hilfe für die Vertriebenen rasch verstärkt und betreibt mobile Kliniken an insgesamt sechs Standorten in der Stadt. Der Fokus liegt auf der Behandlung von chronischen Krankheiten sowie auf Mutter-Kind-Gesundheit. Seit Juli haben die Teams insgesamt 5.821 ärztliche Sprechstunden abgehalten. In Kirkuk verteilt Ärzte ohne Grenzen zudem 25.000 Decken und mehr als 3.700 Sets mit Hygieneartikeln an vertriebene Familien.

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