Jemen

Jemen: Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen muss aufgrund von Gewalt schließen

Aden/Wien, 8. Oktober 2012 – Nach Spannungen und Schießereien im und um das Krankenhausgelände von Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) am 27. September in Aden mussten Patienten des chirurgischen Krankenhauses evakuiert werden, und das Personal musste die Einrichtung schließen.

„Zwei unserer Wächter wurden geschlagen und mit dem Gewehr bedroht, gleichzeitig wurde das Krankenhaus von zwei Seiten beschossen“ sagt die Projektkoordinatorin Anne Garella. „Wir hatten Glück, dass keine Patienten verletzt wurden. Eine Person wurde verletzt, diese haben wir notmedizinisch versorgt. Die Spannungen im Krankenhaus waren sehr groß, und fünf Stunden lang konnte niemand das Gebäude verlassen.“

Medizinisches Projekt bedroht

Der Angriff auf das Krankenhaus ist der jüngste in einer Reihe von Zwischenfällen, die den Zugang und die Sicherheit des medizinischen Projekts bedrohen. Im April dieses Jahres wurden Ärzte im selben Krankenhaus schwer von Patienten bedroht. Im darauffolgenden Monat haben bewaffnete Einheiten das Gebäude stürmt und versucht, einen Patienten mitzunehmen. Im Juli fand am Krankenhauseingang eine Schießerei statt.

Das 40-Bett-Krankenhaus in Aden leistet chirurgische Hilfe für Notfälle. Über 500 Männer, Frauen und Kinder wurden seit der Eröffnung des Krankenhauses im April dieses Jahres behandelt, darunter waren auch Opfer von Landminen und bewaffneter Gewalt. In allen medizinischen Einrichtungen von Ärzte ohne Grenzen herrscht ein strenges Waffen-Verbot. „Wir behandeln dem humanitären Prinzip entsprechend alle Menschen - unabhängig von ihrem sozialen und politischen Hintergrund", erklärt Ärzte ohne Grenzen-Einsatzleiter Thomas Balivet.

Angriffe müssen verhindert werden

Ärzte ohne Grenzen hat alles unternommen um die Integrität der Einrichtung zu garantieren. Dieser Angriff unterstreicht aber die Notwendigkeit, dass lokale Behörden und andere Verantwortliche vor Ort ernsthafte Schritte setzen, um weitere Angriffe zu verhindern.

„Wir haben einen Punkt erreicht, an dem wir wirklich glaubhafte Zusagen der lokalen Gemeinde und der Behörden brauchen, dass das Krankenhaus und seine direkte Umgebung frei von Waffen gehalten wird“, sagt Balivet.

Rasche Lösung notwendig

Vergangene Woche haben die Behörden in Aden und in Sanaa bereits ihre Unterstützung für eine sichere Wiedereröffnung der Einrichtung sowie Schutz für Patienten und Personal zugesagt. Ärzte ohne Grenzen hofft auf eine rasche Lösung. Die Organisation verhandelt aber weiterhin mit den Behörden, um sicherzustellen, dass Verwundete und Kranke ohne jegliche Diskriminierung behandelt werden können. Der Grund für ihre Behandlung darf keine Rolle spielen.

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1986 im Jemen tätig, seit 2007 ist die Organisation durchgehend im Land aktiv. Neben Programmen in den Gouvernements Aden, Ad-Dhali und Abyan führt Ärzte ohne Grenzen auch im Norden des Landes, in den Gouvernements Amran und Hajjah, chirurgische und medizinische Aktivitäten durch. Ärzte ohne Grenzen setzt für die Arbeit im Jemen ausschließlich private Spenden ein und nimmt keine Regierungsgelder an.

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