Jetzt optimieren, oder später mehr bezahlen – unzureichende Behandlung bedroht das Überleben von HIV/Aids-Patienten

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Wien/Kapstadt, 20. Juli 2009. Hohe Preise und das Stagnieren der Finanzierung von HIV/Aids-Medikamenten gefährden das Leben vieler Patienten. Ärzte ohne Grenzen warnt im Rahmen der 5. internationalen Weltkonferenz der Aids-Gesellschaft im südafrikanischen Kapstadt, dass Aids für Patienten, die neue Präparate benötigen, aufgrund der mangelnden Verfügbarkeit in Entwicklungsländern ein Todesurteil bedeutet.

Ärzte ohne Grenzen und das südafrikanische Gesundheitsministerium betreiben seit vielen Jahren in Kayelitsha, einem Township am Rand von Kapstadt, ein HIV/Aids-Behandlungsprogramm. Bei 16 Prozent der behandelten Patienten versagt die Behandlung mit Medikamenten der ersten Linie während der ersten fünf Jahre. Bei einem Viertel der Patienten, die zur Behandlung mit Medikamenten der zweiten Linie wechseln, schlägt auch diese Behandlung innerhalb von zwei Jahren fehl. Da in Südafrika – wie auch in vielen anderen Entwicklungsländern – keine Behandlung der dritten Linie verfügbar ist, sind diese Patienten vom Tode bedroht.„Was wir derzeit in Kayelitsha sehen, werden wir in Kürze in ganz Afrika erleben, wenn sich nicht schnell etwas verändert“, sagte Eric Goemaere, medizinischer Koordinator für Ärzte ohne Grenzen in Südafrika. „Wir müssen die widerstandsfähigsten Medikamente der ersten Linie anbieten, um ein Versagen der Behandlung zu vermeiden. Außerdem müssen wir Zugang zu Medikamenten der zweiten und dritten Linie gewährleisten. Nichts davon passiert bisher, und das bedeutet, dass tausende Aids-Patienten zum Tode verurteilt sind.“Im Gegensatz zu älteren Medikamenten der ersten Linie sind die meisten Medikamente der zweiten und dritten Linie patentiert. Ihre Preise sind für Patienten in Entwicklungsländern unerschwinglich. In einigen dieser Länder würde ein Wechsel von einem Medikament der ersten Linie zu einem Medikament der zweiten Linie den Preis versiebzehnfachen. Um die Kostenspirale zu stoppen, müssen die Länder routinemäßige Maßnahmen wie die Zwangslizensierung anwenden, die es den Generika-Produzenten ermöglicht, Medikamente zu erschwinglichen Preisen zu produzieren. Medikamentenhersteller sollten ihre Patente in den so genannten "Patent-Pool" geben, der von UNITAID (Internationale Einrichtung zum Erwerb von Medikamenten) geschaffen wird. Der Patent-Pool stellt Generika-Produzenten oder Forschern Lizenzen zur Verfügung, für die im Gegenzug eine Gebühr an den Urheber bezahlt wird. Ärmere Länder könnten so Zugang zu bezahlbaren Medikamenten bekommen. „Für nationale Regierungen und Geberregierungen ist es eine Frage der Wahl: Wollen sie den betroffenen Menschen in Entwicklungsländern nur ein paar Jahre zusätzlichen Lebens zugestehen oder die gleiche Chance auf ein langes Leben, wie es die HIV/Aids-Patienten in reichen Ländern haben?“, fragte Tido von Schoen-Angerer, Direktor der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen.

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