Kampf gegen resistente Tuberkulose bei der Weltgesundheitsversammlung in Genf

Zur Eröffnung der Weltgesundheitsversammlung in Genf fordern Patienten und Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen /Médecins Sans Frontières (MSF) die Regierungsvertreter dringend auf, Sofortmaßnahmen gegen die vielen Todesfälle von Patienten mit resistenter Tuberkulose zu ergreifen. Die Aktivistin Phumeza Tisile aus Südafrika, die die extrem resistente Form der Krankheit überlebt hat, wird den Delegierten ein von ihr mitverfasstes Tuberkulose-Manifest übergeben. Es wurde von 800 Patienten, 1.500 Ärzten und Pflegern sowie mehr als 50.000 Unterstützern unterzeichnet.

„Während meines drei Jahre dauernden Leidensweges im Kampf gegen extrem resistente Tuberkulose sah ich zu viele Freunde an dieser schrecklichen Krankheit sterben“, erklärt Tisile. „Ich bin stellvertretend für alle Patienten nach Genf gekommen, die an resistenter Tuberkulose erkrankt sind – auch für diejenigen, die ihr Leben verloren haben. Wir haben eine klare Botschaft für die Gesundheitsminister: Wir fordern, dass sie etwas tun. Wir fordern, dass sie ihre Verantwortung wahrnehmen. Wir verlangen bessere Überlebenschancen. Tut alles in eurer Macht Stehende, wir können nicht länger warten!“

Heilung trotz Überlebenschance von nur 13%

Die 23-jährige Phumeza Tisile war an extrem resistenter Tuberkulose erkrankt, einer Form der Krankheit, gegen die fast alle gängigen Antibiotika wirkungslos sind. Sie musste sich in einem Projekt von Ärzte ohne Grenzen mangels Alternativen einer zermürbenden Behandlung mit mehr als 20.000 teilweise toxischen Medikamenten unterziehen. Die Nebenwirkungen haben sie taub gemacht. Trotz einer Überlebenschance von nur 13 Prozent ist sie heute geheilt.

Hohe Sterblichkeitsraten müssen gesenkt werden

Die Vertreter der Mitgliedsländer der Weltgesundheitsorganisation WHO werden auf der 67. Weltgesundheitsversammlung, die bis Samstag in Genf stattfindet, voraussichtlich einen ambitionierten 20-Jahres-Plan gegen Tuberkulose verabschieden. „Wir begrüßen die ambitionierten Ziele für 2035, aber ein 20-Jahres-Plan kommt für jene Patienten zu spät, die bereits jetzt wegen fehlender Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten sterben“, sagt Manica Balasegaram, Leiter der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen .

„Die Delegierten dürfen nicht einfach unterschreiben und dann im nächsten Jahr nichts tun. Die Regierungen müssen massiv daran arbeiten, die hohen Sterblichkeitsraten bei resistenter Tuberkulose schon in den kommenden 12 Monaten deutlich zu senken. Als erster Schritt muss zumindest schnell die tödliche Wartezeit von tausenden Patienten mit diagnostizierter resistenter Tuberkulose auf eine Behandlung beendet werden.“

17.000 Patienten mit MDR-TB ohne Behandlung

Laut WHO erhielten im Jahr 2012 mindestens 17.000 Patienten, bei denen multiresistente Tuberkulose (MDR-TB) diagnostiziert wurde, keine Behandlung. Das hat zur Folge, dass sie weiter leiden müssen, ihre katastrophal niedrige Überlebensrate weiter sinkt und sie außerdem ansteckend bleiben. Die Behandlung dauert etwa zwei Jahre, sie ist qualvoll und teuer. Dennoch kann nur jeder zweite Patient geheilt werden. Mit MDR-TB wird die Form der Erkrankung bezeichnet, bei der die Bakterienstämme gegen die zwei gängigen Tuberkulosemedikamente resistent sind. Geschätzte 80 Prozent der MDR-TB-Fälle werden gar nicht erst diagnostiziert.

Kürzere, wirksamere, verträglichere, kostengünstigere Therapien

Ärzte ohne Grenzen fordert dringend kürzere, wirksamere, verträglichere und kostengünstigere Therapien zur Behandlung von resistenter Tuberkulose, damit die Krankheit unter Kontrolle gebracht werden kann. Konkret wäre eine Therapie, die nur 9 statt 24 Monaten dauert, für viele Patienten einfacher. In einigen Kontexten könnte eine solche Therapie schon jetzt in Übereinstimmung mit den Empfehlungen der WHO durchgeführt werden. Die Regierungen sollten in dringenden Fällen befugt sein, neue Medikamente für Patienten zuzulassen, die alle anderen Behandlungsmöglichkeiten bereits ausgeschöpft haben. Sie sollten zudem Pharmaunternehmen drängen, Medikamente in Ländern, in denen die Krankheit endemisch ist, registrieren zu lassen. Auch dezentrale Behandlung, sei es bei den Patienten zuhause oder in lokalen Einrichtungen, hilft, die Wartelisten zu vermindern und unverhältnismäßige oder lange Krankenhausaufenthalte zu vermeiden.

Ärzte ohne Grenzen behandelt Tuberkulose seit mehr als 30 Jahren und ist heute eine der wenigen Nichtregierungsorganisationen mit großen Behandlungsprogrammen. In den vergangenen Jahren haben die Teams eine alarmierende Zunahme von resistenter Tuberkulose festgestellt. Jedes Jahr werden von den Mitarbeitern in 21 Ländern weltweit rund 30.000 Tuberkulosepatienten betreut, etwa 1.800 von ihnen mit resistenten Formen der Krankheit.

Das Tuberkulose-Manifest erhebt drei Forderungen: Einen weltweiten Zugang zu Tests und Behandlung, wirkungsvollere Therapien mit weniger Nebenwirkungen und genügend finanzielle Mittel für diese Anstrengungen. Es k ann weiterhin hier unterschrieben werden: Zum Tuberkulose-Manifest

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