Südsudan

Medizinische Katastrophe droht

Juba/Wien, 13. Juni 2012 – Im Südsudan drohen Zehntausenden Flüchtlingen gravierende medizinische Probleme. Die Menschen, die aus dem Sudan geflohen sind, kommen in überfüllte Flüchtlingslager, in denen sie nicht einmal die grundlegendste lebenserhaltende Versorgung bekommen. In den Bundesstaaten Upper Nile und Unity State gehen die Wasservorräte aus. Die wenigen Hilfsorganisationen vor Ort bemühen sich, die Menschen zu versorgen. Die bisherige Hilfe ist jedoch sowohl für die Neuankömmlinge als auch für die bereits länger in den Lagern lebenden Menschen völlig unzureichend. Es fehlen Unterkünfte, Nahrungsmittel, Trinkwasser und ausreichende medizinische Versorgung. Mehr Hilfe ist dringend erforderlich.

In Upper Nile State sind in den vergangenen drei Wochen rund 35.000 Flüchtlinge über die Grenze gekommen. Die dortigen Flüchtlingslager sind jedoch bereits überfüllt und es ist nicht einmal genügend sauberes Wasser vorhanden, um die bislang schon dort lebenden 70.000 Flüchtlingen zu versorgen. Die neuen Flüchtlinge waren ursprünglich auf einem provisorischen Gelände untergebracht. Dort ging jedoch das Trinkwasser aus, so dass in der Nacht auf Dienstag 15.000 Flüchtlinge diesen Ort gemeinsam in Richtung der 25 Kilometer entfernten nächsten Wasserstelle verließen.

Wassermangel immer bedrohlicher

“Wir brachen Dienstagmorgen auf, um medizinische Hilfe und Möglichkeiten zur Rehydrierung zur Verfügung zu stellen”, berichtet Erna Rijnierse, eine Medizinerin von Ärzte ohne Grenzen. “Es war ein wirklich schockierender Anblick. Wir sahen einige der Schwächsten auf ihrem Weg sterben. Sie waren so dehydriert, dass ihnen selbst die schnellste medizinische Versorgung nicht mehr helfen konnte.”

In Unity State ist das Flüchtlingslager in Yida in den vergangenen zwei Monaten dramatisch auf rund 50.000 Bewohner angewachsen. Täglich kommen bis zu 1.000 neue Flüchtlinge an. “Was uns am meisten beunruhigt ist, dass die Hälfte der von uns Untersuchten an durch verunreinigtes Wasser verursachten Krankheiten leidet, die durch Hygienemaßnahmen, Sanitäreinrichtungen und sauberes Trinkwasser leicht verhindert werden könnten”, berichtet André Heller Perrache, Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen im Südsudan. “Wir sehen viele Patienten – meist Kinder, für die Durchfall lebensbedrohlich sein kann – die immer wieder ins Krankenhaus kommen, um mehrmals behandelt zu werden. Wir sehen auch immer mehr mangelernährte Menschen.”

Auch andere Hilfsorganisationen gefordert

Die einsetzende Regenzeit verschlimmert die Lage der Menschen noch. „Da der Regen zunimmt, wird die Situation für die Flüchtlinge immer prekärer", sagt Perrache. „Einige wichtige Zufahrtsstraßen sind bereits unbefahrbar. Ärzte ohne Grenzen fordert andere Hilfsorganisationen dringend auf, eine Basisversorgung bereitzustellen, um die ständig wachsende Lagerbevölkerung zu versorgen."    Ärzte ohne Grenzen arbeitet derzeit mit rund 50 internationalen und 300 lokalen Mitarbeitern in den südsudanesischen Flüchtlingslagern. Die Teams behandeln mehr als 6.500 Patienten in der Woche. Kinder unter 15 Jahren werden gegen Masern geimpft. An verschiedenen Punkten in Upper Nile verteilt Ärzte ohne Grenzen Wasser, das aber bald ausgehen wird.

Ärzte ohne Grenzen Aktivitäten im Südsudan

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