Philippinen: Medizinische Hilfe nach dem Taifun

Manila/Wien, 9. Januar 2012. Nach dem verheerenden Taifun hilft Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) in der am stärksten von Überschwemmungen betroffenen Region auf der Insel Mindanao. Ein Team leistet medizinische Hilfe für Menschen, deren Häuser zerstört wurden und die jetzt in Evakuierungszentren leben müssen. Pier-Luigi Testa, stellvertretender Leiter des Notfall-Programms, beschreibt die Situation vor Ort.

Im Dezember war ein Team von Ärzte ohne Grenzen auf der Insel Mindanao unterwegs, um den medizinischen Bedarf in den Gebieten um die Städte Cotabato und Davao zu erkunden. Seit einigen Jahren gibt es dort bewaffnete Konflikte. Doch am 16. Dezember traf ein Taifun auf Mindanao, der viele Todesopfer forderte und große Schäden auf der Insel verursachte. Das Team hat seinen Erkundungseinsatz sofort gestoppt und ist in die überfluteten Regionen gefahren. Schon einen Monat zuvor war ein anderes Team in die Provinz Bulacan nördlich von Manila gereist, nachdem dort ein Taifun übers Land gezogen war. Unsere Mitarbeiter haben Patienten behandelt und Wasser und Hilfsgüter an die betroffenen Menschen verteilt. Naturkatastrophen kommen auf den Philippinen häufig vor. Pro Jahr wird das Land von etwa dreißig Taifunen von unterschiedlichem Schweregrad heimgesucht, die oft erhebliche Schäden anrichten. 

 Menschen suchen Schutz in Evakuierungszentren

Die Flüsse sind über die Ufer getreten und haben ganze Dörfer und die Umgebung überflutet. Die Städte Cagayan de Oro und Iligan waren am stärksten betroffen. Wasser und Schlamm wurden durch die Siedlungen gespült und haben ganze Häuser zerstört. Viele Menschen flohen und suchten Schutz in Evakuierungszentren, die die Behörden in Schulen oder öffentlichen Gemeindehäusern eingerichtet haben. Die Bedürfnisse in diesen Zentren sind vergleichbar mit dem, was wir in der Regel in Flüchtlingslagern beobachten. Mehrere internationale Nichtregierungsorganisationen leisteten sofort Hilfe, verteilten Lebensmittel und grundlegende Güter und bauten Latrinen. Ärzte ohne Grenzen ist als einzige Organisation in der Lage, schnell in Zusammenarbeit mit den staatlichen Gesundheitseinrichtungen und dem Gesundheitsministerium medizinische Versorgung zu leisten.

Ärzte ohne Grenzen schult lokale Mitarbeiter

Das Team von Ärzte ohne Grenzen ersetzt Ärzte und Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums, die direkt nach dem Taifun in die Region geschickt wurden und nun an ihre regulären Arbeitsplätze zurückkehren müssen. Zunächst schult das Team lokale Mitarbeiter, die die medizinische Versorgung in den Evakuierungszentren um Cagayan de Oro (21.000 Personen in 22 Zentren) und Iligan (14.000 Personen in 20 Zentren) übernehmen. Die Menschen leiden vor allem an  Durchfallerkrankungen und Atemwegsinfektionen. Allerdings haben wir auch Verdachtsfälle von Tetanus und der Infektionskrankheit Leptospirose gefunden, die genau überwacht werden.  Das Team wird auch die Lebensbedingungen der Opfer des Taifuns beobachten. Inzwischen wurden Zeltlager aufgebaut, um die Evakuierungszentren zu entlasten, insbesondere die Schulen, die für den bald wieder beginnenden Unterricht zur Verfügung stehen müssen.

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