Sudan

Sudan: Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen bombardiert

Wien/Khartum, 23. Jänner 2015 – Die sudanesische Luftwaffe hat am Dienstag ein Krankenhaus der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) in Südkordofan bombardiert. Die Klinik im Dorf Frandala in den Nuba-Bergen wurde gezielt angegriffen. Zwei Personen wurden verletzt. Die medizinische Hilfe musste ausgesetzt werden. Es war der zweite Angriff auf das Krankenhaus innerhalb von sieben Monaten.

„Wir verurteilen die Bombardierung des Krankenhauses in Frandala aufs Schärfste“, sagt Mark van der Mullen, der Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen . „Zum Zeitpunkt des Angriffs hielten sich mehr als 100 Patienten in der Klinik auf. Wir hatten sehr viel Glück, dass niemand getötet wurde und nicht mehr Menschen verletzt worden sind – denn es gab schlicht keine Zeit, in Deckung zu gehen. Alle sind geschockt und haben Angst vor weiteren Angriffen.“

13 Bomben, zwei Treffer

Etwa 150 Patienten und Mitarbeiter hielten sich am Dienstag um die Mittagszeit im Krankenhaus auf, als ein Kampfflugzeug der sudanesischen Luftwaffe 13 Bomben abwarf. Zwei davon schlugen am Krankenhausgelände ein, die anderen direkt außerhalb der Umzäunung. Ein Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen und ein Patient wurden verletzt. Zudem gab es materielle Schäden.

Die sudanesische Luftwaffe hat das Krankenhaus in Frandala bereits im Juni 2014 bombardiert, obwohl die Behörden in Khartum schon damals über die Präsenz von Ärzte ohne Grenzen unterrichtet waren.

Gezielter Anschlag auf Zivilspital

Der Angriff ist Teil der wahllosen Bombardierung in Südkordofan im Rahmen des Konfliktes zwischen der Regierung in Khartum und den Rebellen in den Nuba-Bergen. Wiederholte gezielte Luftangriffe – auch auf medizinische Einrichtungen – verhindern vielerorts medizinische Hilfe. Die Bevölkerung wird dadurch von lebensrettender Unterstützung abgeschnitten.

„Es besteht kein Zweifel, dass dies ein geplanter und gezielter Bombenanschlag auf ein Zivilkrankenhaus war. Er ist Teil einer Strategie, Angst und Schrecken unter der Bevölkerung zu verbreiten", sagt van der Mullen. „Wir rufen die Regierung in Khartum erneut auf, Helfer und Gesundheitseinrichtungen zu respektieren. Trotz dieses Rückschlages werden wir weiterhin Wege suchen, um medizinische Hilfe zu leisten. Die Bevölkerung in Südkordofan ist Opfer dieses Krieges, der weltweit kaum wahrgenommen wird.“

Ärzte ohne Grenzen ist eine der wenigen medizinischen Hilfsorganisationen in Südkordofan. Das Krankenhaus in Frandala besteht seit 2012. Nahezu 80.000 medizinische Konsultationen und 4.000 stationäre Behandlungen wurden dort bislang durchgeführt.

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