Südsudan

Südsudan: Schockierend viele Kinder mangelernährt

Juba/Wien, am 14. Juli 2014 – In Teilen des Südsudan ist die Zahl der mangelernährten Kinder schockierend hoch. Mehr als 13.270 Kinder – die meisten von ihnen unter fünf Jahren – wurden seit Jahresbeginn in die Ernährungsprogramme von Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) aufgenommen. Das sind bereits 73 Prozent der Gesamtaufnahmen des Vorjahres. Die Gründe für die hohen Mangelernährungsraten sind Gewalt, Vertreibung und Nahrungsmittelknappheit.

„Dies ist eine von Menschen verursachte Katastrophe“, sagt Raphael Gorgeu, der Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen im Südsudan. „Wir erleben jetzt die schockierenden Konsequenzen davon, dass eine Million Menschen vertrieben worden sind. Einige sind seit sechs Monaten auf der Flucht. Sie trinken Sumpfwasser und essen Pflanzenwurzeln, um zu überleben.“

Dramatischer Anstieg

Vor allem in den vom Konflikt besonders betroffenen Bundesstaaten Unity, Jonglei und Upper Nile ist die Zahl der mangelernährten Kinder dramatisch gestiegen. In der Stadt Leer (Unity) hat Ärzte ohne Grenzen vor dem Konflikt 40 mangelernährte Kinder im Monat behandelt – jetzt sind es monatlich mehr als 1.000. Das Ausmaß der Krise wurde im Mai deutlich: Die Menschen, die durch die Kämpfe vertrieben worden waren, kehrten nach Monaten des Überlebenskampfs unter freiem Himmel in die Stadt zurück. „Sie strömten nur so zu uns ins Krankenhaus“, erzählt Sarah Maynard, die Projektleiterin in Leer. „Das Ausmaß der Mangelernährung war erschreckend.“

In Upper Nile haben Teams von Ärzte ohne Grenzen nördlich von Malakal mehr als 2.000 schwer mangelernährte Kinder in Ernährungszentren aufgenommen. Eine jüngst durchgeführte Untersuchung zur Kindersterblichkeit zeigte sehr hohe Todesraten. Auch in Lankien und Yuai (beide Jonglei) behandeln die Teams 60 Prozent mehr mangelernährte Kinder als 2013.

20 Prozent der Flüchtlinge mangelernährt

In Nasir (Upper Nile) musste Ärzte ohne Grenzen wegen heftiger Kämpfe im Mai die Projekte aussetzen. Viele Bewohner flohen in die Region Gambella im benachbarten Äthiopien. In den Projekten dort sehen Mitarbeiter der Organisation Mangelernährungsraten, die deutlich über den Werten einer akuten Krisensituation liegen: 20 Prozent der Flüchtlinge sind mangelernährt, 6 Prozent schwer mangelernährt und damit in Lebensgefahr. „Im Mai sind die Menschen vor den Kämpfen geflohen“, sagt Natalie Roberts, die medizinische Koordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in Gambella. „Jetzt verlassen sie den Südsudan, weil sie nichts mehr zu essen haben.“

Die Geflüchteten haben ihr Vieh, ihre Ernte und ihr Saatgut verloren. Die Gewalt hat die Aussaat und die Ernte unterbrochen. Nahrungsvorräte und Märkte wurden zerstört und geplündert, Straßen unpassierbar. Die Regenzeit und die saisonale Nahrungsmittelknappheit verschlimmern die Krise noch.

Mehr Hilfe dringend nötig

„Viele Menschen sind jetzt komplett abhängig von Hilfe und werden es auf absehbare Zeit auch bleiben“, sagt Gorgeu. Hilfsorganisationen vor Ort müssen ihre Unterstützung ausweiten. Regionale Nahrungsmittelverteilungen müssen garantiert und benötigte Gelder bereitgestellt werden. Die Konfliktparteien müssen alles tun, um humanitäre Hilfe zu erleichtern. Der Transport über Straßen und Flüsse muss sicher sein und Hilfe auch über Konfliktlinien hinweg ermöglicht werden.

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