Syrien

Syrien: Verwundete und Mediziner werden weiterhin angegriffen

Paris/Wien, am 15. Mai 2012. In Syrien werden Verletzte und Mediziner weiterhin gezielt angegriffen und bedroht, berichten Mitarbeiter der medizinischen Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) nach einem Aufenthalt im Norden des Landes. „Mehrere syrische Kollegen wurden als vermisst gemeldet", sagt Marie-Noëlle Rodrigue, Leiterin der Einsätze von Ärzte ohne Grenzen in Paris. „Die Behörden und Konfliktparteien müssen sicherstellen, dass medizinisches Personal ohne Angst vor Repressalien arbeiten kann, dass Verletzte sofort eine lebensrettende Versorgung erhalten und dass sie nicht aus Angst vor einer Verhaftung oder Schlimmerem auf improvisierte Kliniken angewiesen sind."

Ärzte ohne Grenzen versucht seit mehreren Monaten, eine offizielle Erlaubnis zu erhalten, um in den am stärksten von Gewalt betroffenen syrischen Provinzen medizinische Hilfe zu leisten. Bis jetzt war jedoch keine der Bemühungen erfolgreich. Dennoch ist es Mitarbeitern der Organisation gelungen, in die Region Idlib zu gelangen. Sie fanden dort eine Situation vor, in der Ärzte und Patienten ständig fürchten mussten, angegriffen oder verhaftet zu werden.

Ärzte werden bedroht, ein Krankenhaus wurde zerstört

„Mit Patienten erwischt zu werden, ist wie mit einer Waffe ertappt zu werden", sagt ein orthopädischer Chirurg, den Ärzte ohne Grenzen in einem Dorf in der Region Idlib getroffen hat. „Die Atmosphäre in den meisten medizinischen Einrichtungen ist äußerst angespannt. Mitarbeiter des Gesundheitswesens schicken verwundete Patienten nach Hause und bieten nur Erste Hilfe an, so dass Einrichtungen im Falle einer militärischen Operation schnell evakuiert werden können." Während der kurzen Zeit in der Region Idlib konnte das Team von Ärzte ohne Grenzen medizinische Nothilfe leisten. „In einem öffentlichen Krankenhaus haben wir drei Tage lang so hart gearbeitet, wie wir konnten“, berichtet ein Chirurg der Organisation. „Wir haben 15 Verletzte operiert und mussten dann innerhalb von zehn Minuten alles zusammenpacken, nachdem wir vor einem unmittelbar bevorstehenden Angriff gewarnt worden waren. Anderswo musste ein Operationssaal geschlossen werden, weil es zu gefährlich war“, sagt der Chirurg. „Oder die Ärzte wurden bedroht und man riet uns deshalb davon ab, ein medizinisches Hilfsprogramm einzurichten.“ Auch sei ein Krankenhaus zerstört worden, fügt der Arzt hinzu.

MSF unterstützt Netzwerke syrischer Ärzte

„Die Geräte und das medizinische Material sind aber oft da“, so der Chirurg. „Die Ressourcen und die Infrastruktur sind manchmal zwar vorhanden, doch die Angst und das Risiko, erwischt zu werden, sind so groß, dass Ärzte zögern, Patienten zu behandeln.“ Obwohl die offizielle Genehmigung fehlt, in Syrien tätig zu werden, unterstützt Ärzte ohne Grenzen weiterhin Netzwerke syrischer Ärzte in Homs, Derah, Hama, Damaskus und Idlib, die von Nachbarländern aus mit Vorräten und Medikamenten beliefert werden. Ärzte ohne Grenzen behandelt auch in einem chirurgischen Krankenhaus in der jordanischen Hauptstadt Amman Menschen, die in Syrien verletzt oder gefoltert wurden. Zudem bietet die Organisation syrischen Flüchtlingen im Libanon medizinische Basisversorgung und psychologische Betreuung an. Ärzte ohne Grenzen fordert verstärkte politische und diplomatische Bemühungen, um die Sicherheit von Patienten und medizinischem Personal ohne die Anwendung von Gewalt zu gewährleisten. Zudem wiederholt Ärzte ohne Grenzen die Forderung nach einer Genehmigung, in Syrien zu arbeiten. Die medizinischen Teams der Organisation stehen bereit. Ärzte ohne Grenzen ist entschlossen, unabhängig zu handeln und allen zu helfen, die dies benötigen.

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Bereits Anfang Februar hat Ärzte ohne Grenzen in einem Bericht angeprangert, dass medizinische Einrichtungen in Syrien gezielt als Waffe zur Verfolgung von Oppositionellen eingesetzt werden.

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