Tuberkulose: Ärzte ohne Grenzen fordert bessere Versorgung mit Arzneimitteln

Wien/Johannesburg, 23. März 2011 – Ein viel versprechendes neues Diagnoseverfahren ermöglicht es endlich, mehr Menschen auf medikamentenresistente Tuberkulose zu testen. Umso dringender muss nun die Versorgung der Patienten mit bezahlbaren Medikamenten sicher gestellt werden, erklärt die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF). Eine Studie der Organisation zeigt, dass hier große Probleme drohen. Die medikamentenresistente Tuberkulose ist auf dem Vormarsch, aber weniger als sieben Prozent der neu erkrankten Patienten werden behandelt. An der resistenten Tuberkulose sterben laut Weltgesundheitsorganisation jährlich 150.000 Menschen.

Ärzte ohne Grenzen wird das neue Diagnoseverfahren zum Test medikamentenresistenter Tuberkulose in diesem Jahr in 15 Ländern einführen. Das Testergebnis ist dadurch künftig nach zwei Stunden bekannt anstatt, wie bisher, nach drei Monaten. „Der neue Test ist ein großer Fortschritt im Kampf gegen die medikamentenresistente Tuberkulose“, erklärt Franz Neunteufl, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Österreich. „Aber die Lage der Patienten ist dennoch ernst: Schon jetzt stehen nicht genügend bezahlbare Medikamente zur Verfügung. Dabei rechnen wir durch den neuen Test mit noch deutlich mehr Patienten.“

Komplizierte Behandlung

Die Behandlung resistenter Tuberkulose basiert auf alten Antibiotika, von denen viele starke Nebenwirkungen haben, die von Übelkeit bis zu Taubheit reichen. Die Behandlung ist kompliziert: Die Patienten müssen bis zu zwei Jahre lang jeden Tag bis zu 17 Tabletten schlucken. Die Heilungsaussichten sind unsicher. Trotz dieser gravierenden Nachteile gibt es bisher keine besseren Medikamente gegen resistente Formen der Tuberkulose. Eine Studie von Ärzte ohne Grenzen zeigt darüber hinaus, dass bei diesen Medikamenten dauerhafte Versorgungsprobleme drohen und zu hohe Preise notwendige Behandlungen behindern.

In der Studie von Ärzte ohne Grenzen werden alle Medikamente, die zur Behandlung resistenter Tuberkulose eingesetzt werden, auf die Anzahl der Hersteller, die Qualitätskontrolle und den Preis hin untersucht. Das ernüchternde Ergebnis: Für insgesamt vier der empfohlenen Medikamente steht nur jeweils ein qualitativ guter Hersteller zur Verfügung. Die Abhängigkeit von nur einem Hersteller birgt die Gefahr, dass bei Produktionsproblemen und Lieferschwierigkeiten die Behandlung der Patienten unterbrochen werden muss. Beispielsweise war im Jahr 2010 das Medikament Kanamycin zeitweise nicht mehr erhältlich. Außerdem stellt die Studie fest, dass viele Medikamente sehr teuer sind. Der Preis stieg in den vergangenen Jahren um bis zu 800 Prozent. Die zweijährige Behandlung der resistenten Tuberkulose kann dadurch mit etwa 6.300 Euro fast 470 Mal so viel kosten wie die 13,40 Euro zur Behandlung einer normalen, nicht-resistenten Tuberkulose.

Mehr Forschungsmittel nötig

Ärzte ohne Grenzen fordert, endlich mehr Forschungsmittel in Behandlung, Diagnose und Impfung gegen Tuberkulose zu stecken. „Jedes Leben, das wir heute retten können, zählt. Für den wirklichen Durchbruch in der Zukunft brauchen wir aber neue Werkzeuge zur Bekämpfung dieser tödlichen Krankheit“, so Neunteufl.

Ärzte ohne Grenzen und Tuberkulose

2010 hat Ärzte ohne Grenzen 30.00 Tuberkulose-Patienten in 29 Ländern sowie 1.000 Patienten behandelt, die an medikamentenresistenter Tuberkulose litten. Die Programme, in denen Ärzte ohne Grenzen medikamentenresistente Tuberkulose behandelt, reichen von Gefängnissen in Kirgisistan über Projekte in indischen Städten bis zu HIV-Projekten in Swasiland oder Südafrika. Ärzte ohne Grenzen hat Behandlungsstrategien entwickelt, die an die jeweiligen Rahmenbedingungen in den verschiedensten Ländern angepasst sind und unter bestimmten Voraussetzungen auch ambulante Behandlungsmodelle anbieten, um den Patienten einen Teil der Last abzunehmen und die Therapietreue zu fördern.

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