Tuberkulose-Behandlung mittels Video Observed Therapy in Eswatini

Eswatini ist mit 1,2 Millionen Menschen ein kleines Land mit großen gesundheitlichen Krisen: einer HIV-/Tuberkulose-Doppelepidemie und seit März immer mehr COVID-19-Fälle. Jede dieser Krankheiten kann für sich tödlich enden, in Kombination sind sie besonders gefährlich.

Um Tuberkulose-Patientinnen sowie –Patienten zu schützen und sie gleichzeitig medizinisch zu versorgen, setzt das Einsatzteam in Eswatini die Video Observed Therapy ein.

Unterstützen Sie unsere Hilfe!


Interview: 

Einsatzleiter Bernhard Kerschberger über die Video Observed Therapy 

Bernhard Kerschberger stammt aus Edelsgrub in der Nähe von Graz. Er ist Allgemeinmediziner und arbeitet seit 2012 als Einsatzleiter im südafrikanischen Eswatini.

Bernhard, wie ist die Idee der Video Observed Therapy entstanden? 

Wir hatten schon längere Zeit geplant, die Video Observed Therapy (VOT) einzusetzen. In der Tuberkulose-Behandlung wird die tägliche Einnahme von Medikamenten vom Gesundheitspersonal in Kliniken oder in der Gemeinschaft überwacht. Damit stellen wir sicher, dass die Therapie über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren durchgeführt wird. Die Nachteile der Überwachung der Medikamenteneinnahme: Sie ist zeitaufwändig, schwierig zu organisieren und beschneidet die persönliche Freiheit der Patientinnen und Patienten. 

Durch die Corona-Pandemie haben wir die Video Observed Therapy schneller umgesetzt als ursprünglich geplant. Durch die Therapie Zuhause verringert sich die Infektionsgefahr mit COVID-19 deutlich. Das Video der Medikamenteneinnahme wird mit einem Smartphone erstellt, das Ärzte ohne Grenzen zur Verfügung stellt. Das Video wird automatisch an das nächste Gesundheitszentrum geschickt, wo das Personal Probleme bei Medikamenteneinnahme erkennen und im Notfall helfen kann.

Wie nehmen die Menschen die neue Therapieform auf? 

Für viele Patientinnen und Patienten ist die Video Observed Therapy eine Erleichterung. Sie sichert ihre medizinische Versorgung und nimmt ihnen die Angst, sich mit Corona zu infizieren. Es gibt ihnen mehr Selbstbestimmung und erleichtert die Einnahme der Medikamente. Nicht mehr jeden Tag vom Gesundheitspersonal im eigenen Haus oder im nächsten Gesundheitszentrum bezüglich der korrekten Medikamenteneinnahme überwacht zu werden, erhöht natürlich die Lebensqualität. 

Wie geht es den Patientinnen und Patienten mit der Isolation durch Tuberkulose/Corona? 

Eine Tuberkulose-Erkrankung bringt schon Isolation mit sich, da sie ansteckend ist. Nun kommt das Coronavirus hinzu. Die Angst vor einer Infektion ist bei Menschen mit Tuberkulose-Erkrankung groß, denn Corona kann in Kombination mit Tuberkulose tödlich enden. Wir empfehlen unseren Patientinnen und Patienten zu ihrem eigenen Schutz zu Hause zu bleiben. 

Unterstützen Sie unsere Hilfe!

Vervielfältigen