Cholera in Haiti: Weiterhin großes Problem

23.10.2012
Langfristige Maßnahmen notwendig

Themengebiete:

Haiti 2012
Mathieu Fortoul/MSF
Port-au-Prince, Haiti, 25.06.2012: Cholera-Behandlungszentrum in Martissant.

Zwei Jahre nach Beginn der Choleraepidemie ist die Behandlung der Patienten noch immer nicht gesichert, obwohl die Bevölkerung weiterhin dem Risiko einer Infektion ausgesetzt ist.

In Port-au-Prince leben noch immer mehr als 350.000 Überlebende des Erdbebens in Lagern. Viele andere tausend leben in Barackenstädten, wo die sanitären Bedingungen schlecht sind und die Menschen der Gefahr einer Erkrankung aussetzen. Die Bevölkerung verfügt noch nicht über die Mittel, gesundheitliche Maßnahmen zu setzen, um sich selbst zu schützen. Wilsème etwa lebt seit fast drei Jahren in einem Lager: „ Wir leben unter schwierigen Bedingungen, ohne Zugang zu sauberem Wasser und Seife“, erzählt er. „Wir wissen, dass das Risiko hoch ist, an Cholera zu erkranken, aber wir haben einfach nicht die Mittel, die wir bräuchten, um uns vor der Krankheit zu schützen.“

Hohe Zahl von Betroffenen

Seit Beginn des Jahres 2012 wurden über 12.000 Cholera-Patienten und -Patientinnen in den fünf von Ärzte ohne Grenzen betriebenen Cholerabehandlungszentren, kurz CTC, behandelt. Sie liegen in Port-au-Prince und Léogâne, einer etwa 30 Kilometer westlich der Hauptstadt gelegenen Stadt. „Dies sind weniger Menschen verglichen mit den etwa 35.000 Fällen, die wir im selben Zeitraum 2011 in Port-au-Prince aufgenommen haben“, macht Oliver Schulz, Einsatzleiter in Haiti, aufmerksam. „Im Schnitt sehen wir weiterhin 250 neue Fälle pro Woche in unseren Einrichtungen, aber das ist immer noch eine sehr hohe Anzahl“, zeigt er sich besorgt.

Cholera nicht unter Kontrolle

Die abnehmende internationale Bereitstellung von finanziellen Mitteln beschränkt die Reaktionsmöglichkeiten der humanitären Organisationen, die im Bereich der medizinischen Hilfe tätig sind und Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen zur Verfügung stellen. „In diesem Jahr musste Ärzte ohne Grenzen die meisten Cholera-Behandlungszentren das ganze Jahr über geöffnet lassen, da die Cholera weit davon entfernt ist, unter Kontrolle zu sein. Die Maßnahmen zur Vorbeugung und Behandlung der Krankheit reichen noch immer nicht aus“, beklagt Schulz.

Dauerhafte Verbesserungen notwendig

Tatsächlich ist die Reaktionsfähigkeit des Gesundheitsministeriums auch zwei Jahre nach Ausbruch der Cholera noch immer extrem gering. Als Folge davon behandelte Ärzte ohne Grenzen beim letzten Höhepunkt der Erkrankungen im Mai 2012 mehr als 70 Prozent der in Port-au-Prince registrierten Patienten und Patientinnen. Wilsème ist einer von ihnen. Er wurde als Notfall in das Krankenhaus eingewiesen: „Ich ging in das öffentliche Krankienhaus, aber dort sagten sie mir, dass sie mich nicht behandeln könnten. Sie schickten mich in das Behandlungszentrum von Ärzte ohne Grenzen, wo ich dann entsprechend versorgt wurde.“

Nur über dauerhafte Verbesserungen in den Bereichen der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung wird es möglich sein, die Cholera unter Kontrolle zu bekommen. „Das wird Zeit brauchen und deswegen bleibt die medizinische Versorgung von Cholera-Patienten und -Patientinnen eine der wichtigsten Herausforderungen, denen die haitianischen Behörden sich jetzt stellen müssen“, erklärt Schulz. Die Cholera ist eine Krankheit, die sehr leicht behandelt werden kann, aber es ist äußerst wichtig, dass spezielle Behandlungszentren zugänglich sind. Ebenso müssen Betroffene so schnell wie möglich behandelt werden, sobald die ersten Symptome auftreten. Ohne entsprechende Behandlung kann die Cholera innerhalb weniger Stunden zum Tod führen. Einfache Maßnahmen, die die Behandlung der Cholera in die Angebote der haitianischen Gesundheitseinrichtungen integrieren, würden einen Rückgang bewirken und zukünftig den Zugang der Patienten und Patientinnen zu Behandlung erleichtern.

Der Einsatz von Ärzte ohne Grenzen

Dementsprechend bleibt Ärzte ohne Grenzen mobilisiert, um die haitianischen Gesundheitsbehörden während der Spitzenzeiten zu unterstützen und ebenso um technische und logistische Unterstützung für Gesundheitseinrichtungen im Hinblick auf die Integration und die Behandlung von Cholera zu geben.

Seit die Cholera-Epidemie im Oktober 2010 begann, hat sie von etwa 600.000 registrierten Fällen über 7.500 Menschenleben gefordert (zirka 6 Prozent der Bevölkerung).

Sobald die ersten Cholera-Fälle bestätigt waren, begann Ärzte ohne Grenzen einen beispiellosen Einsatz im ganzen Land. Zwischen Oktober 2010 und November 2011 betrieb Ärzte ohne Grenzen über 75 Cholerabehandlungszentren in ganz Haiti. In diesem Zeitraum wurden 4.000 Haitianer und Haitianerinnen sowie 400 internationale Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mobilisiert, um über 160.000 Menschen zu behandeln.