Haiti: Cholera-Fälle nehmen alarmierendes Ausmaß an

17.11.2022
Ärzte ohne Grenzen fordert eine sofortige Intensivierung der Hilfe zur Bekämpfung des Ausbruchs. Mehr Organisationen und Geldgeber müssen mobilisiert werden.

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Die Zahl der Cholera-Fälle steigt in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince und in mehreren Departements des Landes in alarmierendem Maße. Ärzte ohne Grenzen fordert eine sofortige Intensivierung der Hilfe zur Bekämpfung des Ausbruchs. Es müssen mehr Organisationen und Geldgeber mobilisiert werden. Zudem sollten den medizinischen Teams und Menschen in Haiti wichtige Hilfsmittel wie Impfungen zur Verfügung gestellt werden.   

„Unsere derzeitigen Zentren füllen sich, und wir werden bald an der Kapazitätsgrenze angelangt sein", sagt Mumuza Muhindo, Landeskoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in Haiti. „Seit Ende Oktober haben wir in unseren Zentren durchschnittlich 270 Patient:innen pro Tag behandelt. In den ersten zwei Wochen waren es nur etwa 50. Insgesamt haben wir mehr als 8.500 Patient:innen aufgenommen und 97 Todesfälle zu verzeichnen. Die Entwicklung ist sehr besorgniserregend.“   

Ärzte ohne Grenzen managt mehr als 60 Prozent der Bettenkapazitäten zur Behandlung von Cholera-Patient.innen in der Hauptstadt. Mobile Teams, zu denen auch Wasser- und Abwasserspezialist:innen sowie Gesundheitsberater:innen gehören, sind in den am stärksten betroffenen Vierteln im Einsatz und versuchen, das Bewusstsein für die Krankheit zu schärfen. Sie organisieren unter anderem die Wasseraufbereitung von Wasserstellen und die Verteilung von sauberem Wasser und Grundbedarfsartikeln. Trotz allem werden Ärzte ohne Grenzen und die wenigen anderen Organisationen den Choleraausbruch nicht angemessen bekämpfen können. Weitere humanitäre Akteure und Geldgeber müssen sich beteiligen, indem sie Behandlungszentren einrichten und den Zugang zu sicherem Wasser und sanitären Einrichtungen schaffen.

Viele Gesundheitseinrichtungen geschlossen, Krankenwagenverkehr eingeschränkt

Die Menschen müssen zudem geimpft werden. Mehrere hunderttausend Impfstoffdosen wurden dem Land bereits von der Internationalen Koordinierungsgruppe der Weltgesundheitsorganisation (ICG) zur Verfügung gestellt. Ärzte ohne Grenzen ist bereit, die Behörden bei der Impfkampagne zu unterstützen, genauso wie bei der Wasserversorgung, Abwasserentsorgung und Gesundheitsförderung.   

Der Zugang zu Treibstoff ist für einen großen Teil der Bevölkerung, die sich in einer akuten Wirtschaftskrise befindet, zu teuer. Viele Gesundheitseinrichtungen sind geschlossen, und der Krankenwagenverkehr ist eingeschränkt. Der Zugang zu sauberem Wasser - ein entscheidendes Element im Kampf gegen die Cholera - hängt von Tankwagen ab, der wiederum vom Zugang zu Treibstoff und von der Sicherheitslage abhängt. 

Die Ausbreitung der Cholera ist ein Symptom für eine katastrophale humanitäre und gesundheitliche Situation und findet vor dem Hintergrund einer noch nie dagewesenen politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Krise statt. Port-au-Prince ist heute eine umzingelte Stadt, deren Hauptverbindungsstraßen zum Rest des Landes von bewaffneten Gruppen kontrolliert werden.  

Ärzte ohne Grenzen bietet seit mehr als 30 Jahren eine kostenlose medizinische Versorgung in Haiti an. Die Organisation betreibt derzeit sieben Projekte in der Hauptstadt Port-au-Prince sowie in den Departements Süd und Artibonite. Im Jahr 2021 führten die Teams von Ärzte ohne Grenzen 25.000 Notfallkonsultationen durch, behandelten 3.220 Menschen mit gewaltbedingten Verletzungen und unterstützten 1.560 Überlebende sexueller Gewalt.

Eva Hosp, Media und Events

Eva Hosp

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