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Malaria
Malaria ist neben Durchfall, Unterernährung, Masern und Lungenentzündung eine der fünf Haupttodesursachen in Entwicklungsländern. Sie fordert jährlich mehr als eine Million Menschenleben. Am stärksten betroffen sind Kinder in Afrika: Sie alleine machen 75 % der weltweiten Todesfälle aus. Alle 30 Sekunden stirbt ein Kind an der Krankheit. Aber auch Mütter sind stark betroffen: In endemischen Gebieten ist Malaria direkt oder indirekt für 30 % der Müttersterblichkeit verantwortlich.
Malaria ist heilbar. Die vielen Todesfälle könnten vermieden werden, wenn alle Betroffenen Zugang zu Basisgesundheitsversorgung erhielten und die Brutstätten der Anopheles-Mücke reduziert werden würden. Durch die zunehmende Abholzung in tropischen Ländern werden immer neue Brutstätten für die Anophelesmücke geschaffen, so dass sich die Malariagebiete weltweit stetig vergrößern.
Symptome
Die Symptome der Malaria sind sehr vielfältig: Fieber, Kopfschmerzen, Schmerzen am gesamten Körper, Magen-Darm-Beschwerden, Durchfall, Erbrechen, Husten.
Typisch für gewisse Malaria-Arten sind regelmäßige oder unregelmäßige Fieberschübe, die oft von Schüttelfrost begleitet sind.
Die Malariaparasiten (Plasmodien) befallen die roten Blutkörperchen (Erythrozyten), die dadurch zerstört werden. Das verursacht die Fieberschübe. Nach einiger Zeit kommt es dadurch zu einem Mangel an roten Blutkörperchen (Anämie). Durch die Anämie wird nicht ausreichend Sauerstoff im Körper transportiert, und es kommt zu Müdigkeit und Atemnot. Weitere, manchmal tödliche Komplikationen sind Kreislaufschock, Überwässerung der Lunge oder akutes Nierenversagen.
Im Falle einer Gehirnbeteiligung (zerebrale Malaria) treten bei dem Patienten zunehmende Verwirrung und Bewusstseinstörung auf, oder er fällt ins Koma.
Selbst wenn die Malaria nicht zum Tod führt, kann sie schwere Auswirkungen haben.
Infektionsweg
Die Malariaparasiten (Plasmodien) werden durch die weibliche Anophelesmücke übertragen. Diese Mücke lebt an Teichen, Pfützen oder langsam fließenden Flüssen. Malaria ist daher eine Erkrankung der Regenzeit. Die weibliche Mücke benötigt Blut, um ihre eigenen Eier zu entwickeln. Wenn sie einen Menschen sticht, der bereits mit Malaria infiziert ist, kann der Parasit auf diese Weise im Magen der Mücke seinen Entwicklungszyklus fortsetzen. Sticht sie erneut, überträgt sie durch ihren Speichel den Malariaerreger auf den nächsten Menschen. Eine Infektion führt zu schwerer Erkrankung und kann unbehandelt tödlich sein.
Krankheitsentstehung
Die Malariaparasiten dringen in die roten Blutkörperchen ein. Dort entwickeln und vermehren sie sich. Unter dem Mikroskop hat ein infiziertes rotes Blutkörperchen ein charakteristisches Aussehen - man kann den Parasiten gut darin erkennen, er erinnert an einen blauen Siegelring.
Infizierte rote Blutkörperchen sind nicht mehr so verformbar, wie dies eigentlich erforderlich ist. Sie können deshalb nicht mehr die kleinsten Blutgefäße, Kapillaren genannt, passieren. Stattdessen verstopfen sie die Kapillaren und unterbrechen die Blutversorgung in den lebenswichtigen Organen, besonders im Gehirn, den Nieren und der Lunge. Je größer der Parasitenbefall und damit der Anteil der infizierten roten Blutkörperchen ist, desto ausgeprägter ist dieser Prozess. Bei der komplizierten Malaria tropica ist er so stark, dass er zum Organversagen und in der Folge zu einem raschen Tod führt.
Der Parasit bewirkt darüber hinaus einen vermehrten Zerfall der betroffenen roten Blutkörperchen, so dass deren Lebensdauer verkürzt ist. Die dadurch bedingte Hämolyse (Zerfall der roten Blutkörperchen) führt zur Anämie. Anämie bedeutet, dass zu wenig rote Blutkörperchen für den Sauerstofftransport im Körper zur Verfügung stehen, was zu Müdigkeit und Atemnot führt. Eine Schwangere, die bereits durch die Schwangerschaft unter Blutarmut leidet, hat dadurch ein viel höheres Risiko, bei der Geburt zu sterben.
Behandlung
Für die Behandlung von Malaria stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung. Die Therapie richtet sich nach der Erregerart, dem Schweregrad der Erkrankung und dem Vorliegen von Resistenzen. In endemischen Malariagebieten wurden unkomplizierte Fälle bislang mit dem kostengünstigen Medikament Chloroquin behandelt. Doch in den vergangenen Jahren haben die Erreger zunehmend Resistenzen gegen diesen Wirkstoff entwickelt, wodurch er seine Wirksamkeit verloren hat.
Ärzte ohne Grenzen setzt sich deshalb seit einigen Jahren für die Behandlung mit neuen Kombinationspräparaten auf der Basis von Artemisinin (ACT) ein. Diese Präparate sind hochpotent, schnell wirksam und gut verträglich. Bereits nach der ersten Dosis sind 90 Prozent der Erreger vernichtet, eine komplette Behandlung dauert drei Tage. Das Präparat wird stets mit einem lang wirkenden zweiten Malaria-Medikament kombiniert, um alle Erreger zu vernichten und um die Bildung von Resistenzen zu verlangsamen. Seit 2001 empfehlen auch Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die veralteten Medikamente durch die neuen Kombinationspräparate zu ersetzen. Doch während eine Dosis Chloroquin etwa zehn Cent kostet, muss für eine Erwachsenendosis einer Artemisinin-Kombinationstherapie rund 1,50 US-Dollar bezahlt werden. Ärzte ohne Grenzen schätzt, dass es 100-200 Millionen US-Dollar kosten würde, diese Therapie in allen afrikanischen Ländern einzuführen. Die internationalen Geberländer sind deshalb aufgerufen, genügend Geld für die Einführung der neuen Kombinationstherapie zur Verfügung zustellen, so dass die Behandlungsprotokolle in allen betroffenen Ländern geändert werden können.
Für die Behandlung der schweren bzw. zerebralen Malaria wird nach wie vor das Medikament Chinin empfohlen, das als intravenöse Infusion verabreicht werden kann, was im Schockzustand unbedingt erforderlich ist. Dieses Medikament hat jedoch gefährliche Nebenwirkungen (z.B. Hypoglykämie), muss über einen Zeitraum von sieben Tagen eingenommen und auch in der Tablettenform möglichst stationär verabreicht werden. Dies ist in abgelegenen ländlichen Gebieten nur schwer möglich. Hier ist es entscheidend, durch eine möglichst frühe Behandlung mit einer Artemisin-Kombination den schweren Verlauf abzuwenden.
Vorgehen bei Epidemie
Während einer Malaria-Epidemie arbeitet Ärzte ohne Grenzen eng mit den nationalen Gesundheitsbehörden zusammen.
- Alle Mitarbeiter in den Gesundheitseinrichtungen werden über das komplexe Krankheitsbild der Malaria aufgeklärt.
- Alle Patienten mit den malariatypischen Symptomen wie Fieber und Schüttelfrost werden umgehend medikamentös behandelt. Im Falle einer Malaria-Epidemie ist es nicht möglich, Bluttests bei allen Erkrankten durchzuführen, um die Diagnose zu sichern. Dies würde einerseits das örtliche Labor überfordern und andererseits die Behandlung verzögern. Deshalb wird bereits im Verdachtsfall mit der medikamentösen Therapie begonnen, um einen tödlichen Verlauf der Krankheit zu verhindern.
- Die Menschen werden über Präventionsmaßnahmen wie den Gebrauch von Moskitonetzen aufgeklärt.
- Zur wirksamen Bekämpfung der Epidemie sind darüber hinaus die Erhebung und Auswertung epidemiologischer Daten von entscheidender Bedeutung.
Vorbeugung
Da die Anophelesmücken hauptsächlich in der Dämmerung und nachts aktiv sind, müssen sich die Menschen nachts vor Mückenstichen schützen. Eine der effektivsten Strategien zur Malariaprävention ist die Verbreitung von mit Permethrin behandelten Moskitonetzen. Permethrin ist bei äußerlicher Anwendung für Menschen ungefährlich.
Es wird zudem an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen Malaria geforscht. Es kann jedoch noch Jahrzehnte dauern, bis dieser gefunden wird.
Eine medikamentöse Prophylaxe, wie sie von Touristen angewendet wird, ist für die Bevölkerung in Endemiegebieten nicht praktikabel. Inzwischen wird von der WHO jedoch in vielen Ländern die mehrmalige vorsorgliche Behandlung (Intermittent Preventive Treatment) von Schwangeren eingeführt. Anämien der Mütter und niedriges Geburtsgewicht der Neugeborenen können so deutlich reduziert werden. Auch für Kinder, die im Rahmen des Impfprogramms vorsorglich behandelt wurden, liegen erste positive Ergebnisse vor.
Downloads
Karte der weltweiten Malaria-Behandlungsprogramme von Ärzte ohne Grenzen (Stand: April 2011)
"Malaria: Zahlen, Fakten und Hintergrund"
(Stand: April 2012)














