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Die Prinzipien von Ärzte ohne Grenzen
Ärzte ohne Grenzen steht auf dem Standpunkt, dass alle Menschen - unabhängig von ihrer Nationalität, Hautfarbe, politischen oder religiösen Überzeugung - ein Recht auf Hilfe in lebensbedrohlichen Situationen haben. Für die Entscheidung, wo geholfen werden soll, sollte allein maßgeblich sein, wo die Not am größten ist. Humanitäre Hilfe muss unparteiisch und unabhängig von politischen oder wirtschaftlichen Interessen erfolgen, wenn sie diese Bezeichnung verdienen will.
1. Medizinische Nothilfe
Die Hauptaktivität von Ärzte ohne Grenzen ist es, kurative und präventive medizinische Hilfe für Völker in Not zu leisten. Als oberstes Ziel gilt es, Menschenleben zu retten und bedrohten Völkern in Not beizustehen eine Krise zu überleben, damit sie wieder ihr gewohntes Leben aufnehmen können. Alle anderen Aktivitäten (wie z.B. Wasserversorgung und Ernährung) werden von Ärzte ohne Grenzen nur kurzzeitig gemacht, wenn es keine anderen Hilfsorganisationen übernehmen und wenn es notwendig ist, um Leben retten zu können. Der medizinische Bedarf ist somit die Leitlinie für alle Aktionen.
2. Témoignage/Witnessing - Zeuge sein
"Témoignage" hat zum Ziel, Menschen in Not zu helfen, ihre Situation zu verbessern. Der Begriff "témoignage" ist schwer auf deutsch zu übersetzen und umfasst mehr als nur Zeuge sein. Es kann auch bedeuten, Stellung zu beziehen (im Sinne von "advocacy"). "Témoignage" ist auch nicht mit reiner Öffentlichkeitsarbeit gleichzusetzen.
Es werden mehrere Stufen von "témoignage" unterschieden: von der Anwesenheit der freiwilligen Mitarbeiter bei den Völkern in Not bis zur öffentlichen Kritik oder Anklage. Letzteres sind sicherlich die Ausnahmefälle, wo Ärzte ohne Grenzen eventuell auch in Kauf nehmen muss, aus dem Land ausgewiesen zu werden.
"Témoignage" dient auch dazu, in unserer Gesellschaft oder im Einsatzland die Ursachen von Krisen aufzuzeigen und dadurch ein größeres Bewusstsein zu schaffen und auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen.
Es kann nur bezeugt werden, was von Ärzte ohne Grenzen-Mitarbeitern direkt beobachtet wird. Ohne eigenes Beobachten und eigene Erfahrung kann kein "témoignage" abgelegt werden.
"Témoignage" alleine kann eine problematische Situation nicht unbedingt verändern, aber man kann auf etwas aufmerksam machen und Veränderungen initiieren.
"Témoignage" ist ein Werkzeug und kein Ziel in sich. "Témoignage" hat immer das Ziel, der Bevölkerung zu helfen.
3. Medizinische Ethik
Ärzte ohne Grenzen hält sich an die Regeln der medizinischen Ethik. Dazu gehören unter anderem folgende Punkte:
- Dem Patienten darf nicht geschadet werden
- Es gilt die ärztliche Schweigepflicht
- Es gilt das Gebot der Menschlichkeit (z. B. keine Folter unterstützen)
- Gleichbehandlung aller
4. Menschenrechte
Ärzte ohne Grenzen baut auf diesem Grundprinzip auf, d.h. auf dem Respekt für die Menschenrechte wie sie in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte dargelegt sind, und auf dem internationalen humanitärem Recht, besonders auf dem Recht der Opfer, Hilfe zu bekommen, und dem Recht von humanitären Organisationen, Hilfe zu leisten.

