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Chagas
Chagas ist eine in Mittel- und Südamerika verbreitete Infektionskrankheit, die durch Wanzenbisse übertragen wird. Sie schädigt vor allem Herz, Nervensystem und Darm und endet unbehandelt in zirka zehn Prozent der Fälle tödlich. Säuglinge und Kleinkinder sind besonders gefährdet.
Übertragung
Die Chagas-Krankheit hängt immer mit Armut zusammen. Der Erreger Trypanosoma cruzi wird durch die Raubwanze übertragen. Sie lebt vor allem in Hütten mit Wänden und Dächern aus Lehm, Stroh oder Flechtwerk, wie sie in den armen Landregionen und städtischen Slums Lateinamerikas häufig sind. Die Wanze überfällt die Menschen meist im Schlaf und saugt ihr Blut. Die Infektion erfolgt nicht durch den Biss an sich, sondern wenn der Kot der Wanze in die frische Stichwunde oder in die Schleimhäute eindringt. Chagas wird auch durch Bluttransfusionen und von schwangeren Frauen auf ihre ungeborenen Kinder übertragen.
Krankheitsverlauf
Kurz nach der Infektion kann es zu Fieber, Durchfall, geschwollenen Lymphknoten und einer Entzündung der Bissstelle kommen. Vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern treten mitunter auch Entzündungen des Herzens oder des Gehirns auf. Oft aber ist der Insektenbiss nicht sichtbar und es gibt zunächst keine Symptome. So vermehrt sich der Parasit im Körper über Jahre oder Jahrzehnte unbemerkt.
In etwa einem Drittel aller Fälle entwickelt sich zehn bis zwanzig Jahre nach der Infektion ein chronisches Leiden. Dieses betrifft vor allem Herz, Nervensystem und Magen-Darm-Trakt. Ist das chronische Stadium der Krankheit einmal erreicht, wirken die gängigen Medikamente nicht mehr. Unbehandelt endet Chagas in rund zehn Prozent der Fälle tödlich. Die Todesursache ist oft Herzversagen.
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose von Chagas ist schwierig. Um ein verlässliches Ergebnis zu erzielen, müssen zwei bis drei Bluttests durchgeführt werden. Vor allem bei Erwachsenen, die über viele Jahre keine deutlichen Symptome haben, bleibt die Infektion oft lange unbemerkt. Möglichst frühe Testung und Erkennung wären aber besonders wichtig. Denn die verfügbaren Medikamente sind vor allem im Anfangsstadium wirksam. Bei chronischer Chagas-Krankheit sind die Möglichkeiten der Therapie schlecht.
Zwei Medikamente zur Behandlung von Chagas sind auf dem Markt, eines wurde 1960, das andere 1974 entwickelt, immer wieder kommt es zu Engpässen bei der Herstellung. Die Präparate sind teuer, in Bolivien etwa kostet ein Behandlungszyklus ungefähr so viel, wie ein Minenarbeiter im Monat verdient. Die Wirkung der Mittel ist begrenzt: Nur sechzig bis siebzig Prozent der Betroffenen werden geheilt, in chronischen Fällen nicht einmal die Hälfte. Die Präparate führen zu schweren Nebenwirkungen. Sie müssen unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden, was schwierig ist, da ein Behandlungszyklus dreißig bis sechzig Tage dauert. Keines der beiden Mittel darf von schwangeren Frauen eingenommen werden, keines ist in kindgerechten Dosierungen erhältlich.
