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Cholera
Die Cholera, seit dem Altertum bekannt, gehört zu den ältesten Durchfallerkrankungen und ist eine Krankheit der Armen. Voraussetzung für die Ausbreitung sind schlechte hygienische Lebensbedingungen. Die Cholera wird durch unterschiedliche Formen des Bakteriums Vibrio cholerae hervorgerufen und durch verschmutztes Wasser, Lebensmittel und direkten Kontakt mit bereits Infizierten übertragen. Das Bakterium gelangt über den Mund in den Verdauungstrakt und kommt hier zur Wirkung.
Symptome
Nur 15 Prozent der Infizierten zeigen Krankheitssymptome, der Rest der Infizierten sind Keimträger, ohne dass bei ihnen die Krankheit zum Ausbruch kommt.
In wenigen Stunden bis Tagen kommt es bei den Betroffenen zu starkem Durchfall und Erbrechen, wodurch der Körper große Flüssigkeitsmengen verliert. In der Folge kann dieser Flüssigkeitsverlust (Dehydratation) zum Versagen von lebenswichtigen Organen führen.
Infektionsweg
Das Cholerabakterium wird von bereits infizierten Menschen über Stuhlgang und Erbrechen ausgeschieden. Häufigster Ansteckungsweg ist die Verseuchung von Trinkwasser und Lebensmitteln wie Gemüse, Fisch und Meeresfrüchten mit den Erregern. Dies führt zu einem explosiven Ausbruch der Krankheit, da durch das Wasser viele Menschen innerhalb kurzer Zeit den Keim in sich aufnehmen. Auch die Pflege von Erkrankten und der unsachgemäße Umgang mit ihren Ausscheidungen sind ein sehr häufiger Übertragungsweg.
Krankheitsentstehung
Befindet sich das Bakterium im Darm, vermehrt es sich dort und produziert ein Toxin (Gift). Dadurch kann die Flüssigkeit vom Darm nicht mehr aufgenommen (absorbiert) werden. Es kommt zu dem charakteristischen geruchlosen, reiswasserartig aussehenden Durchfall sowie zu Erbrechen. In schweren Fällen sind das bis zu 20 bis 30 "Reiswasserstühlen" pro Tag. Durchfall und Erbrechen führen zu massiven Flüssigkeitsverlusten, teilweise bis zu mehr als 50 Liter Flüssigkeit, bei einer einzigen Cholera-Attacke. Dadurch kommt es zu großen Mineralstoffverlusten des Körpers. Der extreme Flüssigkeitsverlust (Dehydratation) bringt den Patienten in akute Lebensgefahr, da einige lebenswichtige Organe wie die Nieren und das Herzkreislaufsystem innerhalb von Stunden versagen können. Ein Gewichtsverlust von zehn bis 15 Prozent des Körpergewichts durch Dehydratation ist ebenso lebensgefährlich wie eine Toxinvergiftung, wobei das Gift der Vibrionen selbst innerhalb von Stunden zum Tode führen kann.
Behandlung
Cholera kann behandelt werden. Entscheidend dabei ist der rasche und gezielte Ersatz des Wasser- und Elektrolytverlustes. Ärzte ohne Grenzen behandelt viele Patienten mittels oraler Rehydratationslösung, kurz ORS (Oral Rehydratation Salts) genannt. Hierbei handelt es sich um eine Mischung aus Glukose und Elektrolyten (wie Natrium und Kalium), die in kleine Säckchen abgefüllt ist und in Wasser aufgelöst wird.
Allerdings gibt es auch viele Cholerapatienten, die nicht mit ORS behandelt werden können, weil sie erbrechen oder stark geschwächt sind. In diesen Fällen werden die Kranken mit Infusionen behandelt. Die Behandlung schwerer Fälle erfordert ein hohes Maß an Geschicklichkeit und Erfahrung. In den meisten Fällen gelingt es, die Sterblichkeit (Letalität) auf unter ein Prozent zu senken. Ohne Behandlung liegt sie bei bis zu 50 Prozent.
Vorgehen bei Epidemie
In Krisensituationen leben die Menschen unter schlechten hygienischen und sanitären Bedingungen oft auf engstem Raum zusammen. Diese Umstände begünstigen neben dem oft geschwächten Gesundheitszustand der Bevölkerung einen Ausbruch einer Cholera-Epidemie. Innerhalb von Tagen bis Wochen kann die Durchfallerkrankung bis zu fünf Prozent der Menschen in einem Flüchtlingslager befallen, was bei 100.000 Flüchtlingen in einem Lager 5.000 Krankheitsfälle bedeutet. Nur mit Hilfe einer effektiven Logistik gelingt es, die große Anzahl an Cholerapatienten schnellstmöglich zu behandeln und zu versorgen.
Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen
- schulen Mitarbeiter, die bei Bedarf vor Ort sofort eingesetzt werden können.
- setzen speziell entwickelte Cholera-Kits (spezielle Ausrüstung / Versorgungseinheit) ein. Diese enthalten alles, was zur Behandlung von Cholerapatienten nötig ist
- richten Cholera-Behandlungszentren ein. Sie funktionieren nach einem von Ärzte ohne Grenzen erprobten Schema und ermöglichen eine effektive Behandlung.
- bauen dezentrale Trinkstationen zur Rückführung von Wasser und Elektrolyten zur Behandlung leichter Fälle auf.
- schulen lokale Helfer, damit sie neue Fälle aufspüren und die Kranken in die Behandlungszentren überweisen.
- bauen eine geeignete Wasserversorgung und sanitäre Einrichtungen auf, um die Ansteckungsgefahr zu begrenzen.
Vorbeugung
Die existierenden Impfstoffe gegen Cholera geben nur einen begrenzten Schutz. Die beste Vorbeugung gegen Cholera besteht in der gewissenhaften Einhaltung der allgemeinen Hygieneregeln. Damit kann der Übertragungszyklus vom Stuhl in Nahrung und Wasser verhindert werden.
- Die Bevölkerung wird über Möglichkeiten, Durchfall zu vermeiden, aufgeklärt (regelmäßiges Händewaschen, Entsorgung der Fäkalien und Schutz der häuslichen Wasservorräte).
- Die Menschen werden über die Notwendigkeit von Latrinen informiert, damit der Stuhl nicht in den Nahrungs- und Wasserkreislauf gelangt.
- In Flüchtlingslagern werden gemeinsam mit den Flüchtlingen Latrinen gebaut. Als Minimum wird hierbei bei einer Flüchtlingsbevölkerung eine Latrine für 20 Personen angesehen.
- Es müssen ausreichende Mengen sauberen Wassers zur Verfügung stehen (in einem Flüchtlingslager z. B. pro Person und Tag mindestens zehn Liter).
- Es wird jederzeit ausreichend Seife für die Flüchtlinge angeboten.
Wasser- und Sanitärspezialisten von Ärzte ohne Grenzen sowie Logistiker sind bei der Einführung dieser Hygienestandards mindestens genauso wichtig wie die Ärzte und Krankenschwestern.

















