Die aktuelle Situation in Syrien

Der bevorstehende Winter gefährdet besonders die Situation für Vertriebene im Nordwesten des Landes. Die Camps in den Bergen sind starkem Wind und Regen ausgesetzt, in der Ebene stellen Überschwemmungen ein großes Problem dar. Zwei Millionen Menschen, darunter die Mehrheit Frauen und Kinder, leben dort in Zelten. Es fehlt an warmer Kleidung, um sie vor der Kälte zu schützen - manche Kinder haben nicht einmal Schuhe. Wir unterstützen daher aktuell rund 3.000 Familien mit Decken und warmen Textilien. Zudem verlegen wir in den Zelten Böden und isolieren die Wände. Gleichzeitig erlebt Nordsyrien die bisher schwerste Welle von Covid-19. Es fehlt an Sauerstoffvorräten und den Gesundheitseinrichtungen gehen die Testsets aus.  

Grund für die rasante Ausbreitung ist unteranderem ein akuter Mangel an sauberem Wasser. Angesichts der mangelnden Hygienemöglichkeiten ist die Gefahr einer Covid-19-Infektion besonders groß. Außerdem führt dies zu einem deutlichen Anstieg von Krankheiten wie Durchfall, Hepatitis und Krätze. Die Wasser- und Sanitärinfrastruktur ist nach zehn Jahren des Krieges in vielen Regionen Syriens in einem prekären Zustand. Drei Millionen Menschen leiden unter den katastrophalen Folgen, vor allem Vertriebene. Wir betreiben in Nordwest-Syrien mittlerweile in 90 Camps für Vertriebene Wasser- und Sanitäranlagen für 30.000 Menschen. Wir unterstützen acht Kliniken und unterhalten 14 mobile Kliniken für 80 Camps. Unsere Teams verteilen Hygiene-Kits und informieren die Bevölkerung, wie sie die Übertragung von Krankheiten verhindern kann.  

Die Zivilbevölkerung in Syrien ist dringend auf humanitäre Unterstützung angewiesen, doch die Sicherheitslage und fehlender Zugang zu vielen Teilen des Landes erschweren die Hilfe drastisch. Insbesondere durch den nahenden Winter ist mehr und rechtzeitige internationale Hilfe dringend nötig. 

Wie wir in Syrien helfen

  • In den Teilen Syriens, die wir betreten können, betreiben oder unterstützen wir Krankenhäuser und Gesundheitszentren.
  • Wir kümmern uns um die medizinische Grundversorgung von Vertriebenen.
  • Wir versorgen mangelernährte Kinder im Vertriebenenlager Al-Hol.
  • Wir verteilen bei Bedarf auch Hilfsgüter, zum Beispiel Matratzen und Decken.
  • Wir unterstützen bei der Behandlung von Covid-19-Patient:innen.
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2009

Beginn der Arbeit

32,0

Mio. EUR

Ausgaben (Vorjahr)

547

Einsatz­kräfte

Ländervergleich Österreich & Syrien

AT
SY
83.80
78.10

Lebens­erwartung Frauen

in Jahren

Quelle: WHO, data.worldbank.org

AT
SY
79.40
67.90

Lebens­erwartung Männer

in Jahren

Quelle: WHO, data.worldbank.org

AT
SY
3.00
17.90

Säuglings­sterblichkeit

je 1000 Geburten

Quelle: WHO, data.worldbank.org

AT
SY
5.20
1.30

Ärzt:innen

je 1000 Einwohner­:innen

Quelle: WHO, data.worldbank.org

Warum wir in Syrien helfen

Northwest Syria: Displaced people prepare for another harsh winter
Abdul Majeed Al Qareh/MSF
Unsere Mitarbeiter:innen verteilen warme Kleidung, Planen, Matratzen und Decken an rund 14.500 Familien in Vertriebenenlagern im Nordwesten Syriens

Seit 2011 herrscht in Syrien Krieg. Mehr als 12 Millionen Menschen sind seitdem auf der Flucht, das entspricht etwa der Hälfte der syrischen Bevölkerung. Die Kämpfe zwischen Rebellengruppen und der syrischen Armee und ihren Verbündeten haben sie dazu gezwungen. Sie übernachten unter freiem Himmel, in Zelten oder in umfunktionierten Gebäuden wie ehemaligen Schulen. Doch in Sicherheit sind sie nicht: Schulen, Marktplätze und Vertriebenenlager, sogar Krankenhäuser, werden immer wieder zu Angriffszielen.

Deir Hassan Camp
Abdul Majeed Al Qareh
Gemeinsam mit mehr als 120.000 Vertriebenen leben Abdullah Mohammed Al Hassan und seine Familie im Camp Deir Hassan.

Der Krieg in Syrien hat das einst relativ gut funktionierende syrische Gesundheitssystem zerstört. Hunderte von medizinischen Einrichtungen wurden bombardiert, eine große Zahl medizinischen Personals wurde getötet oder ist geflohen, und in vielen Teilen des Landes mangelt es an medizinischer Versorgung.

Wir helfen den Menschen im Nordwesten, in der Region Idlib, und im Nordosten des Landes. Zu den Gebieten, die von der syrischen Regierung kontrolliert werden, wurde uns der Zugang nicht gestattet.

Unsere Hilfe in Syrien 2020

  • 416.700 ambulante Konsultationen 
  •  
  • 177.300 Routineimpfungen 
  •  
  • 10.600 Entbindungen, einschließlich Kaiserschnitten
  •  
  • 31.100 stationäre Aufnahmen 
  •  
  • 1.080 psychologische Einzelgespräche 
  •  
  • 16.900 chirurgische Eingriffe
Health center
Abdul Majeed Al Qareh
Im Lager Deir Hassan, 30 Kilometer östlich von Aleppo, leben Tausende syrische Vertriebene.

Mobile Hilfe in der Region Idlib

Im Nordwesten bieten wir mithilfe mobiler Teams grundlegende Gesundheitsdienste an. Die anhaltende Militäroffensive in dieser Region hat rund eine Million Menschen zu Vertriebenen gemacht. Unsere Mitarbeiter*innen verteilen Hilfsgüter und setzen alles daran die Wasser- und Sanitärversorgung zu verbessern, doch der Mangel an sauberem Wasser macht den Menschen in der Region schwer zu schaffen. Im Krankenhaus von Idlib haben wir eine Station eingerichtet, um Patient:innen mit Flüssigkeitsmangel zu behandeln. Zusätzlich kommt es immer wieder vor, dass die medizinischen Teams in von uns unterstützten Kliniken viele schwer Verletzte auf einmal empfangen und behandeln müssen. Aus der Ferne unterstützen wir verschiedene Krankenhäuser und Gesundheitszentren in der Umgebung von Idlib, indem wir beratend zur Seite stehen.  

In Idlib versorgten wir außerdem rund 100 Patient:innen, die eine Nierentransplantation erhalten hatten, mit Medikamenten und setzten unsere Arbeit in einer Station für Verbrennungsopfer fort.

Medizinische Hilfe im Vertriebenenlager Al-Hol

Im Al-Hol-Camp - dem größten geschlossenen Vertriebenenlager im Nordosten Syriens, in dem überwiegend Frauen und Kinder untergebracht sind - helfen wir mit medizinischer Grundversorgung. Zudem betreiben wir eines der verbliebenen fünf Gesundheitszentren im Camp und kümmern uns um mangelernährte Kinder in einem therapeutischen Ernährungszentrum. Mitarbeiter:innen von Ärzte ohne Grenzen verteilen darüber hinaus Hilfsgüter und helfen bei der Verbesserung der Versorgungslage. Allein im Juli 2020 halfen wir bei der Aufbereitung von mehr als 85 Millionen Litern Wasser.

Im Einsatz gegen COVID-19 in Syrien

Die Covid-19-Pandemie hat Syrien ebenfalls stark betroffen. Unsere Priorität lag im vergangenen Jahr darauf, trotz der Pandemie unsere lebensrettende medizinische Hilfe weiter anbieten zu können. Darüber hinaus haben wir jedoch auch Schutzkleidung (PPE) bereitgestellt und Krankenhäuser sowohl im Nordwesten als auch im Nordosten des Landes bei der Einrichtung eines Triagesystems sowie von Isolierstationen und Behandlungszentren unterstützt. Darüber hinaus halfen wir bei Präventionsmaßnahmen in der Bevölkerung.  

Nicht nur die hohen Zahlen der Erkrankten sind eine Herausforderung, auch die Folgeeffekte der Pandemie, die unsere Mitarbeiter*innen beobachten, wiegen schwer: Medizinisches Personal erkrankt und kann nicht mehr arbeiten, Kontaktpersonen müssen in Quarantäne, Einrichtungen müssen schließen. 

Syria: Patient numbers rise at an MSF-supported COVID-19 treatment centre
Abdul Majeed Al Qareh/MSF
In Idlib unterstützen wir das städtische Krankenhaus bei der Behandlung von an COVID-19 erkrankten Menschen.

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