15.03.2023
Nach den schweren Erdbeben sind frühere Strukturen noch lange nicht wieder hergestellt - aber die Betroffenen sind weiter auf medizinische und humanitäre Unterstützung angewiesen.

Ein Monat nach der Katastrophe

Mitte März liegt die Früh-Temperatur in der Provinz Idlib bei etwa 7 Grad. Die tiefen Temperaturen stellen 180,000 Menschen, die in der nordwestsyrischen Provinz durch das Erdbeben am 6. Februar 2023 obdachlos geworden sind, weiterhin vor große Herausforderungen. “Es gilt nach wie vor, den Betroffenen eine einigermaßen wintertaugliche Unterbringung und notwendigste Hygiene-Artikel bereitzustellen. Wir versorgen die syrische Bevölkerung mit beheizbaren Zelten, Öfen und Kochmöglichkeiten”, sagt Marcus Bachmann, humanitärer Berater von Ärzte ohne Grenzen Österreich.

NW Syria Mobile Clinics and NFI 22
Omar Haj Kadour
Eine mobile Klinik von Ärzte ohne Grenzen in einem Camp für Betroffene des Erdbebens in der Stadt Salkin im Nordwesten Syriens.

Im Nordwesten des Landes sind 55 Krankenhäuser beschädigt oder zerstört worden. Dazu kommt ein akuter Mangel an medizinischem Personal, das ebenso betroffen war: Durch die Naturkatastrophe wurden viele Personen entweder selbst verletzt oder verloren ihr Leben.

Zur zerstörten oder beschädigten Infrastruktur zählt zudem die Versorgung mit Trinkwasser. Wir betreiben daher in 96 Camps, so genannte WASH-Projekte – also Wasser, Sanitär und Hygiene-Maßnahmen. Nach der Herstellung einer Wasserquelle wird dieses chloriert und damit trinkbar. Wir unterstützen bei einer fairen Verteilung von Seifen und Hygiene-Artikeln. Gesundheitsaufklärungen ergänzen das Programm. Diese Maßnahmen sind unerlässlich um einer möglichen Ausbreitung von Seuchen vorzubeugen, wenn Menschen dicht gedrängt in einer prekären Lage leben.

Der medizinische Bedarf

Viele Überlebende, die aus Trümmern geborgen wurden, haben schwere Quetschungen und komplizierte Knochenbrüche, die häufig mit externen Fixatoren behandelt  wurden. Nun geht es darum mit Folgeoperationen orthopädisch und unfallchirurgisch nachzuversorgen. Viele Patient:innen sind seit dem Erdbeben in stationärer Behandlung und es stehen ihnen lange Phasen der Heilung bevor. Es ist wichtig, so früh wie möglich mit Physiotherapie und Rehabilitation zu beginnen.  

Die Wundversorgung stellt eine weitere Herausforderung dar: Infektionen sind besonders bei größeren Wunden kritisch. Die Wundpflege, Verbandswechsel sowie die Einnahme von Antibiotika sind simple, aber ebenso essenzielle Maßnahmen.

Marcus Bachmann

Viele der betroffenen Menschen stehen vor mehr als materiellen Trümmern. Wir kümmern uns über mobile Kliniken und in Camps um psychologische Betreuung der Betroffenen

Marcus Bachmann, humanitärer Berater bei Ärzte ohne Grenzen Österreich

Dazu kommen psychische Traumatisierungen: Wenn sich der Staub gelegt hat und die unmittelbare Angst um das nackte Überleben vorüber ist, tritt der Verlust - von Familienmitgliedern, von Lebensgrundlagen – ins Bewusstsein. „Viele der betroffenen Menschen stehen vor mehr als materiellen Trümmern. Wir kümmern uns über mobile Kliniken und in Camps um psychologische Betreuung der Betroffenen“, so Bachmann weiter. 

Wie geht es in Nordwest-Syrien nach dem Beben weiter?

Aufgrund der Dimension des Erdbebens ist das ganze Ausmaß und alles was jetzt kommt, weiter schwer abzuschätzen. Die Region im Nordwesten Syriens ist durch einen bereits seit über zwölf Jahren andauernden Bürgerkrieg in einer sehr schwierigen Lage und dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Eine große Gefahr liegt in der Krankheit Cholera: Nach einem großen Ausbruch seit  August 2022 bestehen erhebliche Risiken in einem Aufflammen einer Epidemie im Nachklang zu den Beben. In der Region, die in etwa so groß ist wie Ober- und Niederösterreich zusammen, leben 4,4 Millionen Menschen. Etwa 2,8 Millionen davon sind Binnenvertriebene, die aufgrund des Bürgerkriegs aus anderen Landesteilen in den Provinzen Aleppo und Idlib Zuflucht gesucht haben.

Wir helfen seit über zehn Jahren in dieser Region.
 

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