Zur Lage in Syrien

Seit dem Sturz der syrischen Regierung verändert sich die Lage im Land schnell. Immer wieder kommt es zu Eskalationen.  Wir fordern die Weiterführung von internationaler, humanitärer Hilfe in Syrien, den Schutz der Zivilbevölkerung, der medizinischen Einrichtungen, der Patient:innen und des Gesundheitspersonals. 

Die medizinische und humanitäre Versorgung steht vor enormen Herausforderungen. Seit Beginn des Krieges 2011 wurden über 14 Millionen Syrer:innen vertrieben, und allein im Jahr 2024 sind 16,7 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. 

Wir sind seit Jahren im Nordwesten und Nordosten Syriens tätig. Seit dem Machtwechsel im Land können wir außerdem auch im Süden des Landes, in und um Damaskus, medizinische Nothilfe leisten. 

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Timeline: Aktuelles aus Syrien

22.8.2025: Der Kampf gegen das Gespenst der Folter

Überlebende syrischer Gefängnisse kämpfen mit den Folgen systematischer Folter. Unser Hilfsprogramm bietet Menschen wie Suha* Unterstützung.

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Illustration von Suha* und weiteren Gefangenen in Syrien

10.3.2025: Lage in Syrien erneut eskaliert

Nach der brutalen Gewalt in den vergangenen Tagen, bei der Hunderte von Menschen getötet und verletzt wurden, haben wir mit den Gesundheitsbehörden Trauma-Kits mit lebenswichtigen medizinischen Hilfsgütern an Krankenhäuser in Latakia, Baniyas, Tartous & Jisr al Shughur geliefert.

Unsere Teams in Syrien eröffnen außerdem ein neues Projekt zur Unterstützung der Notaufnahme des Krankenhauses in Tartous, um Medikamente und Schulungen für den Umgang mit einem Massenansturm von Verletzten bereitzustellen, da die Kämpfe in der Region weiter eskalieren.

Wir sind in ständigem Gespräch mit den Gesundheitsbehörden und Krankenhäusern in Nord- und Westsyrien, um bei Bedarf zusätzliche Unterstützung zu leisten.

Wir fordern den Schutz der Zivilbevölkerung, der medizinischen Einrichtungen, der Patient:innen & des Gesundheitspersonals.

11.12.2024: Hilfe für Zehntausende Vertriebene im Nordosten

Wir reagieren auf die aktuellen Entwicklungen in Syrien, wo die Lage weiterhin unsicher bleibt. Im Norden des Landes dauern die Kampfhandlungen an. Laut den lokalen Behörden wurden über 80.000 Menschen in den Regionen Tabka, Rakka und Hassakeh vertrieben. Unsere Teams bieten dringend benötigte Unterstützung für Zehntausende Vertriebene im Nordosten Syriens.

5.12.2024: Tausende Menschen müssen fliehen

Die jüngsten Kämpfe haben Tausende Menschen vertrieben und Dutzende getötet. Gleichzeitig wurden Krankenhäuser in Idlib und Aleppo beschädigt, wie Berichte der örtlichen Behörden zeigen. Wir prüfen derzeit den Bedarf für einen Einsatz in der Region Idlib.

Um die wachsende Gesundheitslücke durch die Eskalation zu schließen, spenden wir logistisches Material und medizinische Hilfsgüter für Krankenhäuser. Bisher konnten wir 240 Familien unterstützen, die aus Gebieten nahe der Frontlinie vertrieben wurden.

Tausende Menschen haben zudem den Nordosten Syriens erreicht. Auch dort prüfen unsere Teams den Bedarf. In Raqqa und Tabqa haben wir bereits Hilfsgüter an Menschen in Sammelunterkünften verteilt und stehen in Kontakt mit den örtlichen Behörden, um weitere Hilfe zu leisten.

Wir appellieren an alle Konfliktparteien, Gesundheitseinrichtungen, medizinisches Personal und Patient:innen ebenso zu respektieren wie Unterkünfte für Vertriebene.

MSF activities in Idlib governorate

Wie wir in Syrien helfen

Nach mehr als zehn Jahren des Bürgerkriegs befindet sich Syrien auch nach dem Sturz der Assad-Regierung in einer humanitären Krise. Zum ersten Mal seit über einem Jahrzehnt können wir in die Hauptstadt Damaskus, um Hilfe zu leisten. Unsere Teams schätzen die Lage vor Ort ein und passen die Unterstützung dementsprechend an. 

  • In den Teilen Syriens, die wir betreten können, betreiben oder unterstützen wir zahlreiche Krankenhäuser und Gesundheitszentren. Auch in südlicheren Teilen des Landes können wir mittlerweile medizinische Hilfe leisten. 

  • In und um Damaskus sind wir mit mobilen Kliniken im Einsatz. Wir unterstützen außerdem Gesundheitszentren mit Ausrüstung, Technik, Logistik und Wasseraufbereitung. 

  • Aufgrund von Gewaltausbrüchen liefern wir medizinische Nothilfepakete an Krankenhäuser in der Küstenregion. 

  • Rund um Idlib und Aleppo betreiben wir außerdem ein Programm für Patient:innen mit schweren Verbrennungen. Per 3D-Drucker können wir passende Gesichtsmasken produzieren. 

  • Wir versorgen mangelernährte Kinder in der Stadt Raqqa.

  • Im Nordosten des Landes sorgen wir für sauberes Trinkwasser im Vertriebenenlager Al-Hol. Rund um das Camp leiten wir außerdem ein Gesundheitszentrum.  

  • Wir unterstützen die medizinische Infrastruktur für Notfälle und Mutter-Kind-Versorgung in Deir ez-Zor. Außerdem helfen wir, Wasser- und Sanitäranlagen und Kapazitäten für Krankheitsausbrüche zu verbessern. 
  • Wir kümmern uns um die medizinische Grundversorgung von Vertriebenen. Wir verteilen bei Bedarf auch Hilfsgüter, zum Beispiel Hygiene-Kits, Matratzen und Decken. 

  • Wir informieren die Bevölkerung in Syrien, wie sie die Übertragung von Krankheiten verhindern kann. 

Unsere Hilfe in Zahlen (2024)

16.300

unterstütze Geburten

35.200

durchgeführte Impfungen

29.800

durch Hilfsgüter unterstützte Familien

5 Gründe warum wir in Syrien helfen

Northwest Syria: Displaced people prepare for another harsh winter
Abdul Majeed Al Qareh/MSF
Unsere Mitarbeiter:innen verteilen warme Kleidung, Planen, Matratzen und Decken an rund 14.500 Familien in Vertriebenenlagern im Nordwesten Syriens

Fehlende medizinische Versorgung

Die Menschen in den Lagern in Syrien haben begrenzten Zugang zur Gesundheitsversorgung, da die Lebensbedingungen schlecht sind und es an humanitärer Hilfe, psychosozialer Unterstützung und Impfungen mangelt. Wir unterstützen Krankenhäuser, medizinische Grundversorgungszentren und mobile Kliniken in den Vertriebenenlagern, um dieser Herausforderung zu begegnen. Aufgrund der prekären Lebensbedingungen treten auch häufig Verletzungen durch Unfälle in den eigenen vier Wänden auf. Wir haben eine Spezialabteilung für Verbrennungen im Nordwesten Syriens eingerichtet, um auf solche Verletzungen zu reagieren.

Syriens Gesundheitssystem ist zerstört

Der Bürgerkrieg in Syrien hat das Gesundheitssystem stark zerstört. Viele medizinische Einrichtungen und Infrastruktur wurden bombardiert. Medizinisches Personal ist verstorben, inhaftiert oder geflohen, und es fehlt an medizinischem Equipment.

Das syrische Gesundheitspersonal musste unter extremen Bedingungen arbeiten, da es mit Notfällen überlastet war. In den letzten zehn Jahren haben wir nicht nur mit Katastrophen und akuten Notfällen zu kämpfen gehabt, sondern auch mit dem erneuten Auftreten von vermeidbaren Krankheiten, wie Cholera-Ausbrüchen.

Menschen auf der Flucht

Etwa 14 Millionen Menschen sind nach wie vor in Syrien vertrieben und leben in Lagern, improvisierten Unterkünften oder bei Gastfamilien.  

Die Menschen in Flüchtlingslagern haben oft wiederholte Vertreibungen erlebt und leiden unter schlechten Lebensbedingungen, psychischen Traumata und mangelndem Zugang zur medizinischen Versorgung. In einigen dieser Lager bieten wir medizinische und psychologische Unterstützung sowie Wasser-, Sanitär- und Hygienedienste (WASH) durch mobile Kliniken an. 

Deir Hassan Camp
Abdul Majeed Al Qareh
Gemeinsam mit mehr als 120.000 Vertriebenen leben Abdullah Mohammed Al Hassan und seine Familie im Camp Deir Hassan.

Zu wenig medizinisches Personal

Das medizinische Personal ist ebenfalls gefährdet. Mit der Eskalation des Konflikts in den ersten Jahren des Krieges wurde die medizinische Versorgung in Gebieten, die nicht unter der Kontrolle der syrischen Regierung stehen, immer stärker eingeschränkt. Wir haben versucht, ein System der Fernunterstützung für medizinische Einrichtungen und Netzwerke von Medizinern aufrechtzuerhalten. Im Laufe der Jahre haben wir medizinische Untergrundnetzwerke unterstützt.

Seit dem Fall des Assad-Regimes können wir in die Gebiete im Süden des Landes und erheben dort den Bedarf an medizinischer und humanitärer Hilfe. 

Humanitäre Hilfe in Syrien wird weniger

Obwohl die Zahl der hilfsbedürftigen Menschen steigt, gehen die Mittel für humanitäre Hilfe in Syrien weiter zurück.

Wir bekommen allerdings immer mehr Anfragen zur Unterstützung von Krankenhäusern und Gesundheitszentren. Ihnen mangelt es häufig an wichtigen Medikamenten und medizinischem Material.

Ländervergleich Österreich & Syrien: Lebenserwartung und Säuglingssterblichkeit

Ländervergleich Österreich & Syrien

AT
SY
83.30
74.39

Lebens­erwartung Frauen

in Jahren

Quelle: WHO, data.worldbank.org

AT
SY
78.66
70.56

Lebens­erwartung Männer

in Jahren

Quelle: WHO, data.worldbank.org

AT
SY
2.60
19.00

Säuglings­sterblichkeit

je 1000 Geburten

Quelle: WHO, data.worldbank.org

AT
SY
5.52
1.20

Ärzt:innen

je 1000 Einwohner­:innen

Quelle: WHO, data.worldbank.org

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2009

Beginn der Arbeit

35,8

Mio. EUR

Ausgaben (Vorjahr)

858

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Das Coronavirus macht auch vor besonders schutzbedürftigen Menschen nicht Halt. Unser Einsatzleiter Cristian Reynders berichtet, welche Vorbereitungen wir in Nordwest-Syrien treffen:
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Nordwest-Syrien: Wir verteilen Hilfsgüter

Syria Idlib distribution
MSF
Heizmaterial, Matratzen, Hygiene-Kits und sauberes Trinkwasser - all das stellen wir den vertriebenen Familien im Norden Syriens zur Verfügung. Rund eine Million Menschen leben dort unter schrecklichen Bedingungen in überfüllten Lagern.
Mehr lesen

Syrien: Willkürliche Angriffe auf Zivilbevölkerung…

Humanitarian distribution
MSF
Alleine in die von Ärzte ohne Grenzen unterstützten Spitäler kamen 185 Verletzte, 18 Menschen starben. Die humanitäre Nothilfeorganisation appelliert an die syrische Regierung, die Opposition sowie deren Unterstützer, das humanitäre Völkerrecht einzuhalten.
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"Man sieht Kinder im Schnee unter Olivenbäumen…

Ein Arzt, der für uns im Lager Deir Hassan arbeitet, das 30 Kilometer westlich von Aleppo liegt, berichtet von der dramatischen Lage in Syrien.
MSF
„Es bringt einen zum Weinen, wenn man das sieht.“ Ein Arzt, der für uns im Lager Deir Hassan arbeitet, das 30 Kilometer westlich von Aleppo liegt, berichtet von der dramatischen Lage in Syrien.
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Menschen in Idlib fliehen vor Luftangriffen –…

Humanitarian distribution
MSF
Im Nordwesten Syriens haben Luftangriffe und eine Bodenoffensive eine riesige Vertreibungswelle ausgelöst. Im letzten von der Opposition kontrollierten Gebiet wurden Städte und Vertriebenenlager westlich von Aleppo von Bombenangriffen getroffen.
Mehr lesen

Nordwest-Syrien im Winter: Verzweiflung und…

Despair and displacement in wintery northwest Syria
MSF
Laut UN-Angaben wurden alleine seit Dezember letzten Jahres mehr als 300.000 Menschen durch Kampfhandlungen neu vertrieben, hauptsächlich aus dem Süden von Idlib. Auf Grund der begrenzten Unterbringungsmöglichkeiten und kalten Temperaturen ist ihre Situation besonders schwierig.
Mehr lesen

Zwei Todesopfer nach Explosion in Idlib

Ärzte Ohne Grenzen Österreich Logo
MSF
Bei dem Zwischenfall Darkoush wurden insgesamt zwölf Menschen verletzt. Durch die anhaltenden Bombenangriffe herrscht in dem von Ärzte ohne Grenzen unterstützten Spital erhöhte Bereitschaft.
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Ärzte ohne Grenzen startet medizinische Aktivitäten…

Bardarash refugee camp
MSF/Hassan Kamal Al-Deen
Binnen weniger Tage sind mehr als 5.300 Syrerinnen und Syrer in den Irak geflohen. Ärzte ohne Grenzen hat darauf umgehend reagiert und ist mit zwei mobilen Kliniken im Einsatz . Die medizinische Nothilfeorganisation bereitet sich auf das Ankommen weiterer Flüchtlinge vor.
Mehr lesen