Die aktuelle Situation in Haiti

Seit Ende April 2022 erleben die Menschen in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince eine neue Welle der Gewalt. Mit teilweise sehr schweren Schussverletzungen erreichen Verwundete unser Krankenhaus in Tabarre, eine der wenigen noch verbliebenen medizinischen Einrichtungen im Norden der Stadt. Trinkwasser und Treibstoff sind Mangelware und ein neuer Cholera-Ausbruch verschärft die Lage umso mehr.  

Die Gewalt auf den Straßen beeinträchtigt den Zugang zu medizinischer Versorgung dramatisch. Krankenwagen können einige Stadtteile nicht erreichen, so dass Verletzte manchmal mehrere Tage warten müssen, bis sie behandelt werden können. Gleichzeitig scheitern Patient*innen an blockierten Straßen auf ihrem Weg in Gesundheitseinrichtungen. Im Norden der Stadt, der besonders stark von der Gewalt betroffen ist, waren fünf medizinische Einrichtungen in der letzten Zeit nicht funktionsfähig. Zwei weitere private Krankenhäuser setzten ihre Tätigkeit aus, nachdem eine:r ihrer Mitarbeiter:innen entführt worden war.

Unsere Teams arbeiten trotz der für sie schwierigen Sicherheitslage weiter und haben mittlerweile auch die Arbeit im Notfallzentrum in Cité Soleil, Drouillard, wieder aufgenommen.

Unsere Hilfe in Haiti im Jahr 2021

  • 25.000 ambulante Konsultationen in der Notaufnahme
  •  
  • 1.560 Behandlungen wegen sexueller Gewalt
  •  
  • 3.220 Behandlungen wegen absichtlicher körperlicher Gewalt

Jetzt helfen!

Wie wir in Haiti helfen

  • Wir behandeln Menschen in unseren Cholera-Behandlungszentren im Stadtteil Brooklyn in der Hauptstadt Port-au-Prince, in unserem Notfallzentrum in Turgeau und in unserer Klinik in in Cité Soleil.

  • Wir organisieren mobile Kliniken, um den Menschen medizinische Hilfe zu bieten, die sich nicht bewegen können, z.B. aufgrund von Treibstoffmangel keine öffentlichen Verkehrsmittel nutzen können. 

  • Zudem behandeln wir in unserem Unfallkrankenhaus in Port-au-Prince Schwerverletzte nach Unfällen oder in Folge von Gewalt und versorgen Überlebende von sexualisierter Gewalt.  

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1991

Beginn der Arbeit

34,7

Mio. EUR

Ausgaben (Vorjahr)

1487

Einsatz­kräfte

Warum wir in Haiti helfen

Seit der Ermordung des Präsidenten Jovenel Moïse im Juli 2021 und dem Erdbeben, das im August den Süden Haitis erschütterte, verschärft sich die schwere politische, soziale und wirtschaftliche Krise im Land. Für die Menschen in Haiti ist es sehr schwierig, medizinische Hilfe zu bekommen. Die politische und wirtschaftliche Krise des Landes geht einher mit Gewalt. Vor allem in der Hauptstadt Port-au-Prince kämpfen Gangs um Stadtgebiete, was für die Bewohner:innen schlimme Auswirkungen hat. Das Gesundheitspersonal leidet unter ausfallenden Gehältern und ist Ziel von Angriffen – Streiks im medizinischen Bereich gab es häufig. Angesichts der schwierigen Situation für die Menschen, haben wir in Haiti umfangreiche Projekte. 

Ländervergleich Österreich & Haiti

AT
HT
83.80
66.20

Lebens­erwartung Frauen

in Jahren

Quelle: WHO, data.worldbank.org

AT
HT
79.40
61.80

Lebens­erwartung Männer

in Jahren

Quelle: WHO, data.worldbank.org

AT
HT
3.00
47.00

Säuglings­sterblichkeit

je 1000 Geburten

Quelle: WHO, data.worldbank.org

AT
HT
5.20
0.20

Ärzt:innen

je 1000 Einwohner­:innen

Quelle: WHO, data.worldbank.org

Hilfe nach dem Erdbeben im August 2021

Kolleg:innen aus Port-à-Piment und ein medizinisches Notfall-Team aus Port-au-Prince waren schnell vor Ort in Les Cayes und konnten mit der Versorgung von Verletzten beginnen. In Port-à-Piment mussten wir Patient:innen in ein Zelt evakuieren, da das Gebäude des Krankenhauses selbst beschädigt wurde. In den folgenden Monaten begannen wir damit, eine neue Entbindungsklinik zu bauen. Zudem versorgten wir Patient:innen in mobilen Kliniken, verteilten lebensnotwendige Hilfsgüter und installierten Trink- und Abwasserversorgungssysteme in drei Gemeinden. 

Bereits einige Tage nach dem Erdbeben machte sich ein weiteres Team nach Baradères in Nippes auf, um die Lage zu beurteilen. Die Stadt war fast vollständig von allen Verkehrswegen abgeschnitten. Wir behandelten Patient.innen außerhalb des Krankenhauses, aus Angst, das Gebäude könnte einstürzen. Schon vor dem Erdbeben gab es für die Bewohner:innen in der Region wenig Möglichkeiten medizinisch versorgt zu werden. Aus diesem Grund erreichten uns bei Beginn unserer Aktivitäten auch Menschen, die unabhängig von der Katastrophe medizinische Hilfe benötigten.  

Viele Familien schliefen unter freiem Himmel in der Nähe ihrer zerstörten Häuser. Einige errichteten aus Holz behelfsmäßige Behausungen. Die Überschwemmungen in Folge des Tropensturms Grace, der über das Erdbebengebiet zog, verschlimmerte die Situation, viele Betroffene waren von Hilfe abgeschnitten, da Wege unpassierbar waren. Wer nach dem Beben im Freien oder in Zelten Zuflucht fand, den trafen die starken Regenfälle besonders hart.  

Mehr als eine halbe Millionen Menschen in der Region sind dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Fachmedizinische Angebote in Port-au-Prince

Weit verbreitete chronische Gewalt beeinflusste im Jahr 2021 unsere Aktivitäten in der Hauptstadt Port-au-Prince. Wir arbeiteten unter erschwerten Bedingungen in diversen Stadtvierteln der Hauptstadt, so im Unfall-Krankenhaus in Tabarre, in der Notaufnahme des Drouillard-Krankenhauses in Cité Soleil und in der Rettungsstelle in Turgeau. Zudem setzten wir unsere Projekte für Überlebende sexueller und genderbasierter Gewalt in der Hauptstadt und in der Provinz Artibonite fort.

Glücklicherweise wurden die medizinischen Einrichtungen in Port-au-Prince durch das Erdbeben am 14. August 2021 nicht zerstört, so dass wir unsere Arbeit fortsetzen konnten. Hier behandelten wir auch Verletzte aus dem Erdbebengebiet. Unsere Teams unterstützen außerdem die Notaufnahme im Universitätskrankenhaus und operierten und versorgten Patient:innen im Unfallkrankenhaus in Tabarre.

In unserem Krankenhaus in Drouillard, Cité Soleil kam es im Februar 2021 zu einer Reihe von Angriffen. Aus Sicherheitsgründen sahen wir uns gezwungen, die Einrichtung bis auf die Notaufnahme zeitweise zu schließen. Die Patient:innen brachten wir im Krankenhaus in Tabarre unter. Inzwischen haben wir unsere Aktivitäten jedoch wieder aufgenommen. Zudem unterstützten wir ein Geburtshilfezentrum.

Nach Wochen intensiver Straßenkämpfe wurde im Juni unser Notfallzentrum im Stadtviertel Martissant von Schüssen getroffen. Da wir die Sicherheit unserer Patient:innen und Kolleg:innen nicht mehr gewährleisten konnten, mussten wir die Einrichtung schweren Herzens schließen.

Hilfe nach sexueller Gewalt

Im Stadtviertel Delmas 33 betreuten wir eine Klinik, die Überlebende sexualisierter Gewalt versorgte. Im Februar eröffneten unsere Teams eine zweite Klinik im Norden des Landes. Zudem unterstützten wir Mütter und Säuglinge in Port-à-Piment und Port Salut, im Süden des Landes. Um das Bewusstsein für sexualisierte Gewalt und Gesundheit insbesondere bei Jugendlichen zu schärfen, schulen wir außerdem Mitarbeitende öffentlicher Krankenhäuser. 

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