Haiti

Map Swipe: "Wer fünf Minuten Zeit hat, kann uns schon helfen"

Wie mit Menschen reden, wenn man nicht weiß, wo sie wohnen? Vor zwei Jahren fiel der Startschuss für eine Studie von Ärzte ohne Grenzen in und um Port-au-Prince, Haiti. Es galt herauszufinden, warum es in der Hauptstadt der Karibikinsel besonders viele Fälle von sexueller Gewalt gegen Frauen und Mädchen gab. Doch die Forscherinnen und Forscher standen vor einem Problem: Von den dicht bewaldeten Vororten gab es keine brauchbaren Karten, die Siedlungen anzeigten.

Jorieke Vyncke arbeitet für die Entwicklungsabteilung von Ärzte ohne Grenzen in London und hat eine Handysoftware mitentwickelt, mit der Zehntausende Freiwillige ganz einfach helfen können, Karten von abgelegenen Regionen zu erstellen.

Schwarmintelligenz

„In nur fünf Tagen konnten 186 Engagierte 1.000 Quadratkilometer Land kartografieren“, erzählt Jorieke Vyncke. 

Auf Basis des Rohmaterials wurden Karten angefertigt, die Studie konnte erfolgreich durchgeführt werden. Viele von sexueller Gewalt betroffene Frauen hatten bis dahin keine Hilfe gesucht. Anhand der gewonnenen Daten entwickelt Ärzte ohne Grenzen nun gemeinsam mit den Gesundheitsbehörden Maßnahmen, um ihnen diesen Schritt zu erleichtern.

Was kann man sich unter Map Swipe vorstellen?

Jorieke Vyncke: Einfach ausgedrückt ist es eine Handy-App, die sich jeder und jede kostenlos herunterladen kann, um uns dabei zu helfen, die abgelegenen Regionen der Welt zu kartografieren. Viele Gegenden sind von kommerziellen Kartenanbietern noch nicht erfasst. Daher wissen wir nicht, wo Menschen leben, wo es Dörfer oder Siedlungen gibt. Mit Map Swipe kann man diese auf Satellitenbildern durch Tippen und Wischen kennzeichnen.

Das klingt kompliziert.

Jorieke Vyncke: Gar nicht. Wer fünf Minuten Zeit hat, kann uns bereits helfen. So lässt sich die Wartezeit an der Bushaltestelle überbrücken. Oder ein langweiliges Meeting.

Es geht um wichtige Daten. Aber wie sieht es mit der Fehleranfälligkeit aus, wenn Menschen Map Swipe zwischendurch nutzen und vielleicht nicht immer konzentriert dabei sind?

Jorieke Vyncke: Auch damit haben wir uns in Zusammenarbeit mit der Universität Heidelberg beschäftigt. Jedes einzelne Bild wird von drei bis fünf Nutzerinnen und Nutzern bearbeitet. Damit ist sichergestellt, dass es keine Flüchtigkeitsfehler gibt. Denn klar ist: Jeder Mensch macht Fehler.

Mit dem Smartphone Gutes tun

Inzwischen gibt es 29.000 freiwillige Helferinnen und Helfer von Map Swipe. Seit 2016 wurden so 600.000 Quadratkilometer in 29 Ländern kartografiert. Die daraus gewonnenen Daten unterstützen Ärzte ohne Grenzen und anderen Hilfsorganisationen, bei humanitären Krisen besser helfen zu können. Für Map Swipe braucht es keine Vorkenntnisse. Die App ist für Apple und Android verfügbar:

Mapswipe gratis downloaden

 

 

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