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Masern
Masern sind eine äußerst ansteckende Infektionskrankheit, die durch Viren hervorgerufen wird. Sie geht mit einem charakteristischen Hautausschlag einher und kann durch mehrere Komplikationen zum Tode führen. Bei einer ungeimpften Bevölkerung stellt die typische Kinderkrankheit eine der fünf Haupttodesursachen in Krisensituationen dar. Jedes Jahr sterben weltweit mehr als eine Million Kinder an Masern - die meisten von ihnen in ärmeren Ländern.
Vorbeugung
Es existiert ein wirksamer Impfstoff gegen Masern, mit dem Kinder im Alter von sechs Monaten bis 15 Jahren geimpft werden können. Im Rahmen eines weltweiten Impfprogramms der WHO (EPI, Expanded Programme on Immunisation) werden Kleinkinder gegen sechs verschiedene Erkrankungen geimpft, zu denen auch Masern gehört. Trotz aller Bemühungen gibt es jedoch weiterhin viele Länder, in denen die Impfungen aufgrund von Krieg, Flucht oder extremer Armut nicht durchgeführt werden können. In solchen Situationen führt Ärzte ohne Grenzen Massenimpfungen durch.
Bei den Massenimpfungen werden alle Kinder im Alter von sechs Monaten bis zwölf Jahren geimpft. Parallel zur Impfung wird prophylaktisch Vitamin A verabreicht, um das Immunsystem zu stärken. Massenimpfungen können Zehntausende von Kindern umfassen. Dies erfordert jedoch eine komplexe Logistik, da der empfindliche Masernimpfstoff beim Transport vom Aufbewahrungs- zum Anwendungsort ununterbrochen gekühlt werden muss.
Infektionsweg
Das Masernvirus wird über die Luft übertragen ("fliegende Infektion") und zeigt eine hohe Ansteckungsfähigkeit (Kontagiosität). Bereits vor dem Auftreten der ersten Krankheitszeichen können die Infizierten andere Personen anstecken. Die Übertragungsgefahr dauert solange an, wie sich der Ausschlag zeigt. An Masern erkranken in der Regel Kinder und Kleinkinder, Erwachsene können sich jedoch auch infizieren, wenn sie in der Kindheit keine Infektion durchgemacht haben. Bei ihnen verläuft die Krankheit jedoch meist schwerer.
Krankheitsverlauf
Nach einer Inkubationszeit von neun bis elf Tagen treten erste Krankheitszeichen wie Fieber, Unwohlsein, Bindehautentzündung (Konjunktivitis) mit Lichtscheuheit, Entzündung des Nasen-Rachenraums und ein bellender Husten auf. Darüber hinaus zeigen sich kalkspritzerartige Flecken auf der Wangenschleimhaut, die für Masern krankheitsspezifisch sind (Koplik`sche Flecken). Im weiteren Verlauf der Krankheit kommt es zu einem Hautausschlag, der sich zunächst im Gesicht und hinter den Ohren zeigt. In der Regel gehen die Symptome nach vier bis sieben Tagen zurück, und der Allgemeinzustand des Patienten verbessert sich. Nach abgelaufener Krankheit bleibt eine lebenslange Immunität zurück. Eine Masernerkrankung kann jedoch auch mit schwerwiegenden Komplikationen einhergehen, die in einigen Fällen zum Tode führen. Hierzu zählen u.a. die Masernpneumonie (Lungenentzündung) oder Durchfall, der große Flüssigkeitsverluste zur Folge hat. Besonders gefährlich ist die Masernenzephalitis (Entzündung des Gehirns), die jedoch nur selten auftritt. Zudem kommt es im Verlauf der Erkrankung häufig zu einem Vitamin-A-Mangel, der zur Schwächung des Immunsystems und in schweren Fällen auch zur Erblindung (Xerophthalmie) führen kann.
Vorgehen bei einer Epidemie
Beim Ausbruch einer Masernepidemie verfolgt Ärzte ohne Grenzen in erster Linie zwei Ziele:
- Alle Kinder im Alter von sechs Monaten bis zwölf Jahren werden geimpft.
- Die erkrankten Kinder werden isoliert und medizinisch versorgt. Komplikationen müssen frühzeitig erkannt und behandelt werden, um einen tödlichen Ausgang der Krankheit zu verhindern.
Therapiemöglichkeiten
Es gibt keine spezifische Behandlung gegen Masern. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen konzentrieren ihre Arbeit deshalb darauf, die Komplikationen der Erkrankung zu behandeln. Alle zusätzlichen bakteriellen Infektionen werden mit Antibiotika behandelt. Darüber hinaus erhalten die Patienten ausreichend Flüssigkeit, und durch die Gabe von Vitamin A wird das Immunsystem gestärkt. Damit lassen sich der Schweregrad der Erkrankung sowie die Letalitätsrate (Sterberate) bei Risikopatienten, wie beispielsweise unterernährten Kindern in ärmeren Ländern, senken.



