23.09.2026
Ärzte ohne Grenzen stellt beim World Cancer Congress, der vom 24. bis 26. September 2026 in Hongkong stattfindet, die Erfahrungswerte aus Krebsprogrammen in Mali und Malawi vor. Diese Angebote können auch in Krisenregionen erfolgreich sein. Dafür sind jedoch Maßnahmen nötig, die Hürden beim Zugang zu Prävention, rechtzeitiger Diagnose und angemessener Behandlung von Krebs abbauen.

Krebserkrankungen entwickeln sich in vielen Ländern, in denen Ärzte ohne Grenzen tätig ist, zu einer wachsenden Gefahr für die Gesundheit der Menschen. Frauen sind überproportional stark betroffen. Etwa 80 Prozent der weltweiten Todesfälle durch Brust- und Gebärmutterhalskrebs entfallen auf Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Expert:innen gehen davon aus, dass die Zahl der Krebsfälle in diesen Ländern bis 2050 um 150 Prozent steigen wird.  

„Vor zehn Jahren, während der Syrien-Krise, waren wir nicht ausreichend ausgestattet, um die gesundheitlichen Bedürfnisse vertriebener Menschen zu decken, deren Behandlung nichtübertragbarer Krankheiten – darunter Krebs – durch den Konflikt abrupt unterbrochen worden war", sagt Claire Rieux, medizinische Direktorin von Ärzte ohne Grenzen. „Heute bieten unsere Teams in mehreren Ländern Krebsversorgung an – vom Screening über die Behandlung bis zur Palliativversorgung. Im Kampf gegen Krebs arbeiten wir mit Gesundheitsministerien, engagierten Fachkräften und Gemeinden zusammen. Wir wollen weiter dazulernen und zu mehr Gerechtigkeit in diesem Bereich beitragen." 

Mali: Fortschritte trotz schwieriger Ressourcenlage

In Mali erhielten zwischen 2021 und 2025 mehr als 2.300 Frauen eine medizinische Behandlung gegen Brust- oder Gebärmutterhalskrebs im Rahmen eines Programms, das Ärzte ohne Grenzen gemeinsam mit Partnerorganisationen in Bamako durchführt.  

Eine retrospektive Studie zu den Behandlungsergebnissen von Frauen, die zwischen 2019 und 2022 von Ärzte ohne Grenzen und dem malischen Gesundheitsministerium betreut wurden, belegt konkrete Fortschritte – trotz erschwertem Zugang zu Strahlentherapie, Sicherheitsproblemen im Land und zahlreichen weiteren Hindernissen.

Nur ein Viertel der Patientinnen wurde in einem frühen Krankheitsstadium diagnostiziert, doch dieser Anteil verbesserte sich im Laufe der Zeit stetig – bei Frauen mit Gebärmutterhalskrebs etwa verdoppelte er sich zwischen 2019 (14 Prozent) und 2022 (28 Prozent). Die retrospektive Studie ergab zudem eine Überlebensrate von 91 Prozent nach einem Jahr und 72 Prozent nach drei Jahren bei Frauen mit Brustkrebs. Diese Werte sind vielversprechend, sollten jedoch mit Vorsicht betrachtet werden, da ein hoher Anteil der Patientinnen (30 Prozent) im Studienverlauf nicht mehr nachverfolgt werden konnte.

Malawi: Erfolge im Kampf gegen Gebärmutterhalskrebs

„In Malawi tragen wir mit einem Programm dazu bei, die weltweit zweithöchste Sterblichkeitsrate durch Gebärmutterhalskrebs einzudämmen. Die Erkrankung kommt in Malawi sehr häufig vor, weil leider auch sehr viele Frauen HIV-positiv sind. Ihr Immunsystem ist durch die antiretrovirale Therapie, die sie bekommen, eingeschränkt. Sie infizieren sich leichter mit Humanen Papillomaviren, die den Krebs auslösen. In unserem Programm begleiten wir Menschen von der Aufklärung über HPV-Impfungen bis hin zur Behandlung – einschließlich Chemotherapie, Operationen und Strahlentherapie – palliativer Begleitung und psychologischer Unterstützung“, sagt die österreichische Gynäkologin Svenja Stengl von Ärzte ohne Grenzen, die bereits dreimal auf Einsatz in Malawi war.  

Im malawischen Bezirk Blantyre ist der Anteil der Frauen, bei denen Gebärmutterhalskrebs-Screening gemacht wurde, von 40 Prozent im Jahr 2019 auf zuletzt fast 60 Prozent gestiegen. Ärzte ohne Grenzen beteiligt sich zudem an der PAVE-Studie, einem internationalen Forschungsprojekt zur Erprobung einer neuen, kostengünstigen Möglichkeit für das Screening und die Behandlung von Krebsvorstufen des Gebärmutterhalses in ressourcenarmen Settings. Mit KI-gestützter visueller Auswertung kann eine bessere Erkennung von Vorstufen der Erkrankung erreicht werden.

Ärzte ohne Grenzen fordert besseren Zugang zu Arzneimitteln gegen Krebs

Die Ergebnisse der Arbeit von Ärzte ohne Grenzen zeigen: Diagnose, Prävention und Behandlung von Krebs sind selbst in fragilen und humanitären Kontexten möglich, wenn die Menschen Zugang zu einer koordinierten und angemessenen Versorgung haben. Hohe Preise, Medikamentenknappheit, eine begrenzte Anzahl an Fachkräften sowie schwache Lieferketten und Beschaffungssysteme verhindern jedoch weiterhin, dass Menschen mit einer Krebsdiagnose Zugang zu Behandlungen erhalten.

„Zu oft wird Menschen mit Krebs der Zugang zu Behandlung und Versorgung verwehrt – nicht, weil es keine wirksamen Mittel gäbe, sondern weil sie unerschwinglich oder nicht verfügbar sind, wenn sie gebraucht werden, oder aber nicht für ressourcenarme Umgebungen und Länder geeignet sind. Es ist an der Zeit, dass Länder und Geldgeber den politischen Willen zeigen, diese Lücken zu schließen – durch Investitionen in die Krebsversorgung und indem sie sicherstellen, dass lebensrettende Diagnostik und Behandlungen für Menschen in ressourcenarmen und humanitären Krisenkontexten erschwinglich, anpassbar und verfügbar sind", sagt Zarak Jan, Beraterin für den Zugang zu Medikamenten bei Ärzte ohne Grenzen.

In den vergangenen fünf Jahren hat Ärzte ohne Grenzen Hilfsprogramme gegen Krebs in Ländern wie Malawi, Mali, Papua-Neuguinea, der Ukraine, Kirgisistan und Eswatini entwickelt und unterstützt.  

Ärzte ohne Grenzen wird am Freitag, 25. September 2026, in zwei Sessions des World Cancer Congress vertreten sein:  
1. Cancer care in humanitarian crises: from neglect to action
2. Making cancer care possible: sharing experiences from MSF in humanitarian and low-resource settings

Werner Reiter

Werner Reiter

Press Officer