21.10.2026
Im Vorfeld von Österreichs Übernahme des Sitzes im UN-Sicherheitsrat wendet sich Ärzte ohne Grenzen an die Bundesregierung, sich dafür einzusetzen, Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen zu stoppen.

In zahlreichen Konfliktgebieten der Welt werden Gesundheitseinrichtungen zu Angriffszielen. Menschen, die medizinische Behandlung benötigen, geraten ebenso in Gefahr wie Gesundheitspersonal. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO erfolgten im Jahr 2026 bis dato 1.333 Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen – mit mindestens 941 Toten und 1.650 Verletzten. Ärzte ohne Grenzen wendet sich mit einem Appell an die österreichische Bundesregierung, sich dafür einzusetzen, diese Entwicklung zu stoppen und den bevorstehenden Sitz im UN-Sicherheitsrat dafür zu nutzen. Die Petition „Angriffe auf Krankenhäuser stoppen!“ kann ab heute unterzeichnet werden.

In trauriger Regelmäßigkeit berichtet Ärzte ohne Grenzen über Angriffe auf eigene Gesundheitseinrichtungen in Einsatzgebieten und immer wieder auch über getötete oder verletzte Mitarbeitende und Patient:innen. Zuletzt wurde Ende September bei Kämpfen im Umfeld der Stadt Baidoa in Somalia eine Gesundheitseinrichtung schwer beschädigt. Eine Person, die im Gesundheitswesen tätig war, wurde getötet. Ein Krankenwagen wurde geplündert. Zwei medizinische Mitarbeitende, die mit den Teams von Ärzte ohne Grenzen arbeiten, wurden ausgeraubt; eine Person wurde dabei verletzt. Mitte September wurde in Gaza-Stadt bei einem Luftangriff auf ein Fahrzeug ein Bus in unmittelbarer Nähe beschädigt. Der Bus war eindeutig mit dem Logo der Hilfsorganisation gekennzeichnet. Von den zehn humanitären Mitarbeiter:innen, die sich darin befanden, wurde ein Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen verletzt. Die Liste derartiger Vorfälle wächst.

Im Jahr 2026 hat die WHO bis dato 1.333 Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen erfasst – mit mindestens 941 Toten und 1.650 Verletzten. Die meisten der erfassten Vorfälle betrafen die Ukraine, den Libanon und die besetzten palästinensischen Gebiete. Konfliktparteien – darunter auch Staaten – entziehen sich zunehmend ihrer völkerrechtlichen Verpflichtung, medizinisches Personal, Patient:innen, Gesundheitseinrichtungen und Krankentransporte zu schützen. Laut Safeguarding Health in Conflict Coalition können rund 64 % der Fälle von Gewalt gegen das Gesundheitswesen im Jahr 2025 staatlichen Akteur:innen zugerechnet werden. 
 

Bundesregierung muss sich für konsequente Durchsetzung des Völkerrechts einsetzen

Ärzte ohne Grenzen wendet sich mit der Petition „Angriffe auf Krankenhäuser stoppen!“ an die österreichische Bundesregierung, die aufgrund der bevorstehenden Übernahme eines nichtständigen Sitzes im UN-Sicherheitsrat einen besonders wirksamen Hebel hat, diese Entwicklung zu stoppen und die Konfliktparteien für Verstöße gegen das Völkerrecht zur Verantwortung zu ziehen.

„Es reicht nicht, die roten Linien zu benennen, die mit Angriffen auf Krankenhäuser überschritten werden. Wo humanitäre Hilfe zum Angriffsziel wird, braucht es klares und konsequentes Handeln. Österreich kann und muss verhindern, dass dies zur Normalität wird“, so Roland Suttner, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Österreich.

Die Forderungen im Detail

  • Schutz für Gesundheitseinrichtungen: Humanitäre Helfer:innen, Patient:innen und Krankenhäuser müssen geschützt sein – alle Konfliktparteien müssen diesen Schutz akzeptieren.
  • Völkerrecht konsequent durchsetzen: Österreich muss im Rahmen von UNO sowie EU als auch zwischenstaatlich für die Durchsetzung des humanitären Völkerrechts eintreten – ohne Rücksicht auf politische Beziehungen oder eigene Interessen.
  • Hilfe muss ankommen: Menschen in Not haben ein Recht auf Hilfe. Helfer:innen brauchen sicheren Zugang zu ihnen – ohne Blockaden, ohne Verzögerungen.
Werner Reiter

Werner Reiter

Press Officer