Südsudan

Südsudan: 30.000 Vertriebene im Norden des Landes benötigen Wasser und Nahrung

Zehntausende Menschen sind in den vergangenen Wochen vor Kämpfen in der Region „Greater Upper Nile” geflohen und benötigen dringend humanitäre Hilfe. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) haben ein medizinisches Nothilfeprogramm für 30.000 Vertriebene nahe der Stadt Kodok gestartet. Die Menschen sind aus der Stadt Wau Shilluk weiter südlich am Weißen Nil geflohen, die nun fast komplett verlassen ist. Auch die Teams von Ärzte ohne Grenzen mussten vor einigen Wochen wegen der nahenden Kämpfe ihre Klinik in Wau Shilluk verlassen.

„Die Vertriebenen sind in großer Not und ihre Bedürfnisse werden nur unzureichend gedeckt“, sagt Abdalla Hussein Abdalla, stellvertretender Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen für den Südsudan. „Die meisten mussten all ihr Hab und Gut zurücklassen. Sie sind auf der Flucht vor der Gewalt tagelang gelaufen und brauchen nun dringend Wasser, Lebensmittel, Unterkünfte und medizinische Hilfe.“  

Nur zwei Liter Wasser pro Tag zur Verfügung

Ärzte ohne Grenzen hat angesichts der akuten medizinischen Bedürfnisse der vertriebenen Bevölkerung ein Gesundheitszentrum in Aburoch nördlich von Kodok eingerichtet. Es umfasst einen stationären und einen ambulanten Bereich sowie eine Notaufnahme. Nach Aburoch sind rund 15.000 Menschen geflohen. Zwei mobile Teams sind im Süden von Kodok im Einsatz, wo weitere Vertriebene Zuflucht gesucht haben. In den vergangenen zwei Wochen haben die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen rund 300 Konsultationen pro Tag abgehalten – rund sechs Mal so viele, wie sie vor der Evakuierung im Krankenhaus von Wau Shilluk geleistet haben.

Die Menschen, die in die Gegend rund um Kodok geflohen sind, müssen mit sehr wenig überleben. Im Durchschnitt bekommt jede Person lediglich zwei Liter sauberes Wasser pro Tag, deutlich weniger als nötig. Rund 90 Prozent der Familien, die die Teams von Ärzte ohne Grenzen besucht haben, fehlt es an grundlegenden Materialien wie Kochtöpfen, Kanistern für sauberes Wasser oder Plastikplanen als Schutz gegen die Sonne am Tag und die Kälte in der Nacht.

„Unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sehen viele Menschen mit Atemwegserkrankungen oder akutem Durchfall, was sich teilweise mit den furchtbaren Lebensbedingungen erklären lässt“, sagt Abdalla. „Kinder, Schwangere und alte Menschen sind in dieser Situation besonders verletzlich. „Wenn nicht bald mehr Latrinen gebaut werden und sich der Zugang zu Wasser nicht verbessert, steigt das Risiko für die Ausbreitung von Infektionskrankheiten.“

Ein Team von Ärzte ohne Grenzen konnte kürzlich nach Wau Shilluk zurückkehren. „Die gesamten Vorräte an medizinischem Material sind geplündert worden, inklusive lebensrettender Medikamente“, sagt Abdalla. „Wir fordern alle Konfliktparteien auf, den geschützten Status medizinischer Einrichtungen zu respektieren.

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