10.09.2026
Erfahren Sie mehr darüber, wie wir Testamentsspenden transparent und verantwortungsvoll abwickeln – damit der letzte Wille im Sinne der verstorbenen Person umgesetzt wird und dort wirken kann, wo medizinische Hilfe dringend gebraucht wird.

Wer Ärzte ohne Grenzen in seinem Testament bedenkt, schenkt unserer Organisation großes Vertrauen. Eine Testamentsspende ist eine sehr persönliche Entscheidung, die verantwortungsvoll begleitet werden muss. Doch was passiert eigentlich nach solch einer Spende?

In diesem Interview gibt unsere Kollegin Nina Radovic aus dem Team Nachlassabwicklung Einblick in einen Bereich unserer Arbeit, der meist im Hintergrund bleibt. Sie erklärt, welche Schritte dazugehören, worauf es im Kontakt mit Angehörigen und Notariaten ankommt und warum Sorgfalt, Transparenz und Respekt dabei besonders wichtig sind.

Was passiert, wenn Ärzte ohne Grenzen von einer Testamentsspende erfährt?

Zuerst sehen wir uns an, in welcher Form uns die Person im Testament bedacht hat. Danach nehmen wir Kontakt mit dem Notariat auf und klären die wichtigsten Fragen: Welche Vermögenswerte und Verbindlichkeiten gibt es? Wer sind die Erb:innen oder Legatar:innen? Und welche Aufgaben ergeben sich daraus für uns? Wichtig ist dabei auch die Unterscheidung zwischen Erbeinsetzung und Vermächtnis: Bei einer Erbeinsetzung erhalten wir einen Anteil am gesamten Nachlass, bei einem Vermächtnis einen genau benannten Teil daraus.
Eine Testamentsspende ist für uns ein besonderes Zeichen des Vertrauens und der Verbundenheit mit Ärzte ohne Grenzen. Deshalb legen wir großen Wert darauf, dass die Verlassenschaft rechtlich und administrativ korrekt abgewickelt wird. Und gleichzeitig ist uns der persönliche und respektvolle Umgang mit Angehörigen und allen anderen Beteiligten sehr wichtig.

Wir begleiten die Verlassenschaft bis zum Abschluss und arbeiten dabei eng mit Notariaten, Gerichtskommissär:innen, Rechtsberater:innen und – je nach Nachlass – auch mit Banken, Hausverwaltungen oder Immobilienmakler:innen zusammen.
 

Wie gelingt eine professionelle und zugleich menschliche Nachlassabwicklung?

Wir sind stets darauf bedacht, den Nachlass sorgfältig, transparent und im Sinne unserer Testamentsspender:innen abzuwickeln. Der testamentarische Wille steht für uns dabei immer im Mittelpunkt.

Auch der Kontakt mit Angehörigen braucht viel Sensibilität. Wir sprechen offen, nehmen uns Zeit für Fragen und erklären die einzelnen Schritte verständlich. Wir wissen, dass sich Angehörige in einer emotional belastenden Situation befinden und dass es oft mit Trauer und persönlichen Erinnerungen verbunden ist, sich mit der Verlassenschaft beschäftigen zu müssen. Deshalb ist es uns wichtig, ihnen nachvollziehbar zu machen, warum die verstorbene Person diese Entscheidung getroffen hat. 

Unser Ziel ist eine Abwicklung, die rechtlich korrekt, transparent und professionell ist und gleichzeitig von Wertschätzung, Empathie und Respekt gegenüber der verstorbenen Person und ihren Angehörigen geprägt ist.
 

Was ist bei der Abwicklung einer Testamentsspende wichtig?

Uns als Organisation und mir persönlich ist es besonders wichtig, dass hinter jedem Nachlass immer der Mensch gesehen wird. Eine Testamentsspende ist keine rein administrative oder finanzielle Angelegenheit, sondern eine sehr persönliche Entscheidung, die jemand zu Lebzeiten getroffen hat. Diese Entscheidung respektvoll umzusetzen, ist für mich ein ganz wesentlicher Teil unserer Arbeit. Dabei geht es auch darum, sicherzustellen, dass am Ende alles so abgewickelt wird, wie es testamentarisch vorgesehen war, und dass sorgfältig mit dem Vermögen und den beteiligten Menschen umgegangen wird. 

Besonders schön ist es für mich, wenn man dabei auch spürt, welche Werte oder Überzeugungen hinter der Entscheidung für eine Testamentsspende standen.
Letztlich bedeutet eine gelungene Nachlassabwicklung für mich, Verantwortung für ein Vermächtnis zu übernehmen und dafür zu sorgen, dass aus einer persönlichen Entscheidung zu Lebzeiten tatsächlich etwas Bleibendes entstehen kann. 
 

Gibt es Erlebnisse in der Nachlassabwicklung, die besonders berühren?

Wenn ich die Wohnung einer verstorbenen Testamentsspenderin räume, tue ich das mit größtmöglicher Sorgfalt und Respekt. Jeder Gegenstand wird genau gesichtet, dokumentiert und – wo immer möglich – im Sinne des letzten Willens zu einer Spende gemacht. Für mich ist dabei entscheidend, dass die Abwicklung zu jedem Zeitpunkt korrekt, transparent und nachvollziehbar bleibt, auch gegenüber Angehörigen.

Ich erinnere mich noch gut an eine Wohnung, die ich vor einiger Zeit im Auftrag einer Testamentsspenderin räumen durfte. Beim Sichten von Fotos, Schmuck und Kleidungsstücken entstand ein ganz besonderer Moment: Ich lernte die Frau, deren Nachlass ich betreute, auf eine sehr persönliche Weise kennen – durch die Dinge, die ihr wichtig waren. In solchen Momenten wird für mich spürbar, dass hinter jedem Nachlass ein Stück Lebensgeschichte steht, und ich bekomme ein Gefühl dafür, welche Werte hinter ihrer Entscheidung für eine Testamentsspende standen. Genau das macht meine Arbeit für mich so bedeutsam: die Menschen hinter den Testamenten und ihr Vertrauen in unsere Arbeit.
 


Ihr Kontakt für ein persönliches Gespräch

Daniela Zainzinger
Tina Götz/MSF

Wenn Sie über eine Testamentsspende nachdenken oder Fragen dazu haben, bin ich gerne für Sie da.


Daniela Zainzinger 
PHILANTHROPIE | Testamentsspenden
Tel: +43 676/344 95 24
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