23.07.2026
Ärzte ohne Grenzen macht weiterhin Druck auf den US-Pharmakonzern Gilead Sciences, das entscheidende HIV-Präventionsmedikament Lenacapavir in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen breiter verfügbar zu machen.

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In Brasilien startet am Samstag die 26. Internationale AIDS-Konferenz. Im Gastgeberland wurden klinische Studien durchgeführt, die den Weg für die Zulassung und den Verkauf von Lenacapavir geebnet haben. Dennoch bleibt das Medikament für die Menschen dort weitgehend unzugänglich. Sollte Gilead das nicht ändern wollen, müssen Regierungen eingreifen.

Lenacapavir ist eine injizierbare Form der Präexpositionsprophylaxe (PrEP), die nur zweimal jährlich verabreicht werden muss und bei der HIV-Prävention zu nahezu 100 Prozent wirksam ist. Es könnte ein Wendepunkt für von HIV betroffene Bevölkerungsgruppen auf der ganzen Welt sein – insbesondere für jene, die Stigmatisierung und zusätzliche Hürden beim Zugang zu Gesundheitsversorgung erfahren, wie Männer, die Sex mit Männern haben, Transgender-Personen, Sexarbeiter:innen und Menschen in Konflikt- oder humanitären Krisensituationen. Doch Gilead vertreibt das Medikament zu einem unerschwinglichen Preis, schränkt die Belieferung bestimmter Länder wie Brasilien stark ein und weigert sich, es direkt an Ärzte ohne Grenzen für den Einsatz in dessen medizinischen Programmen zu verkaufen.

„Wir sind mit einer zentralen Forderung hier bei der AIDS 2026: Lenacapavir muss in allen Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen für höchstens 40 US-Dollar pro Person und Jahr verfügbar sein", sagte Renata Reis, die Geschäftsführerin von Ärzte ohne Grenzen in Brasilien. „Wir führen seit Jahrzehnten weltweit HIV-Präventionsprogramme durch und behandeln Menschen mit HIV/AIDS. Dabei haben wir aus erster Hand erlebt, was passiert, wenn Medizinprodukte wie antiretrovirale Therapien unerschwinglich oder schlicht nicht verfügbar sind: Menschen sterben unnötig, und Gemeinschaften leiden. Wir dürfen nicht zulassen, dass sich die Geschichte bei diesem entscheidenden Präventionsmedikament wiederholt."

Gilead kontrolliert derzeit vollständig, wer Lenacapavir erhält, wo und zu welchen Bedingungen es verfügbar ist. Der Pharmakonzern verkauft es in den USA für 28.000 US-Dollar pro Patient:in und Jahr, obwohl die Produktion für unter 40 US-Dollar möglich wäre. Erschwinglichere Generika sollen frühestens im kommenden Jahr verfügbar sein, dürfen allerdings nur von ausgewählten Hersteller:innen produziert werden, und ihr Verkauf wird auf bestimmte Länder beschränkt sein. Viele Länder – darunter Brasilien, Argentinien, Mexiko und Peru –, in denen klinische Studien zu Lenacapavir durchgeführt wurden, sind von diesem Abkommen komplett ausgeschlossen.

„Es ist inakzeptabel, dass Gemeinschaften in Brasilien zu den klinischen Studien beigetragen haben, die den Weg für die Zulassung und den Verkauf von Lenacapavir in Ländern weltweit ebneten, während Menschen hier weiterhin um den Zugang zu diesem bahnbrechenden Medikament kämpfen müssen", sagte Antonio Flores von Ärzte ohne Grenzen. Er ist leitender HIV- und Tuberkulose-Berater für das südliche Afrika. „Gilead allein sollte nicht entscheiden, wer Lenacapavir bekommt und wer nicht."

Sollte Gilead weiterhin hohe Preise für dieses Medikament verlangen und die Produktion einschränken, sollten Regierungen – einschließlich der brasilianischen – alle notwendigen Schritte unternehmen, um Gileads Monopol auf dieses Produkt leichter zu umgehen. Regierungen haben im Rahmen des TRIPS-Abkommens der Welthandelsorganisation (WTO) ein breites Spektrum an Möglichkeiten. So können Länder beispielsweise Zwangslizenzen für patentierte Produkte vergeben, die deren Nutzung ohne Genehmigung der Patentinhaber:innen erlauben. Das kann die Produktion von Generika erleichtern. 

Am 30. Juli wird Ärzte ohne Grenzen im Rahmen der AIDS 2026 ein Side Event zum Thema ausrichten: Where's my lenacapavir? How to break monopolies and end the HIV epidemic

Petition

Ärzte ohne Grenzen hat kürzlich eine Petition für einen besseren Zugang zu Lenacapavir gestartet.

Tell Gilead: Drop the price of long-acting PrEP!
Werner Reiter

Werner Reiter

Press Officer