01.09.2026
Der aktuelle Ausbruch der Ebola-Krankheit in der Demokratischen Republik Kongo trifft Kinder besonders schwer. Dennoch bleiben die jüngsten von ihnen weiterhin von zentralen klinischen Studien zu möglichen medizinischen Gegenmaßnahmen ausgeschlossen.

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In einem heute im Fachjournal The Lancet veröffentlichten Kommentar fordert Ärzte ohne Grenzen ein deutlich schnelleres Vorgehen bei der Erforschung und Entwicklung kindgerechter Ebola-Arzneimittel.

Im Fokus steht dabei das antivirale Medikament Obeldesivir des Herstellers Gilead. Derzeit wird untersucht, wie gut das Medikament vor dem Ausbruch der Krankheit bei Menschen schützt, die möglicherweise kurz vorher mit dem Virus in Kontakt gekommen sind (Postexpositionsprophylaxe). Obwohl das Medikament im Erfolgsfall einen praktikablen Schutz nach einer Hochrisiko-Exposition bieten könnte, können Kinder unter 20 Kilogramm bislang nicht an der Studie teilnehmen. Der Grund dafür ist, dass es derzeit keine kindgerechte Dosierung des Medikaments gibt.

„Viel zu oft wird die Einbeziehung von Kindern bei der Entwicklung medizinischer Gegenmaßnahmen gegen Gesundheitsnotlagen ins Kleingedruckte verbannt“, warnt Neal Russell, kindermedizinischer Berater von Ärzte ohne Grenzen.

Verfügbare Daten zum aktuellen Ausbruch der Ebola-Erkrankung durch das Bundibugyo-Virus weisen darauf hin, dass Kinder unter fünf Jahren deutlich häufiger an Ebolafieber erkranken und sterben als Erwachsene. Für diese jüngsten Kinder wird derzeit ein zehntägiger intravenöser Behandlungsansatz untersucht. Eine solche Therapie ist unter Ausbruchsbedingungen jedoch nur schwer umzusetzen. Aus Sicht von Ärzte ohne Grenzen zeigt sich hier ein wiederkehrendes Problem akuter Gesundheitskrisen: Kinder sowie schwangere und stillende Frauen werden häufig erst verspätet in die Erforschung und Entwicklung medizinischer Gegenmaßnahmen einbezogen.

„Wir müssen die notwendigen Erkenntnisse jetzt gewinnen, damit Kinder, gleichzeitig mit allen anderen, Zugang zu wirksamen vorbeugenden Behandlungen erhalten – und nicht erst nach dem Ende des Ausbruchs“, so Neal Russel.

Forschende, Geldgeber und der Pharmakonzern Gilead sollten deshalb keine Zeit verlieren und die notwendigen pädiatrischen Studien zu oral verfügbaren antiviralen Medikamenten rasch vorantreiben.

Werner Reiter

Werner Reiter

Press Officer